(Bürgerlicher Name von Lord Clanmorris, 1908-1988)

John Michael Ward Bingham, Seventh Baron Clanmorris ist der vollständige Name des englischen Krimiautors und Geheimagenten, nach dem John Le Carré, in den 50er-Jahren Binghams Untergebener, seinen Helden George Smiley gezeichnet hat. Er wurde in Sussex als einziger Sohn von Lord Clanmorris geboren, sein Lebenslauf weist jedoch Lücken auf. Ausgebildet wurde er am Cheltenham College. Danach arbeitete er zuerst als Journalist, unter anderem bei der Zeitschrift ‚Punch‘, später offenbar während über dreissig Jahren für den britischen Geheimdienst MI-5. Nach dem Zweiten Weltkrieg, den er bei den Royal Engineers verbrachte, lebte er zwei Jahre in Deutschland. Er starb 79-jährig, neun Monate nach seiner Frau Madelaine Mary Ebel, mit der er seit 1934 verheiratet war und einen Sohn und eine Tochter (die Romanautorin Charlotte Bingham) hatte.

Bingham schaffte den belletristischen Durchbruch mit seinem ersten von siebzehn Romanen: dem Kabinettstück ‚Warum haben Sie gelogen, Sir?‘, einem Meisterwerk des psychologischen Spannungsliteratur. Im Mittelpunkt steht der 31-jährige Ich-Erzähler Michael Sibley, ein Schriftsteller und Journalist, der in einem Mordfall als Unschuldiger dummerweise die Polizei belügt, von einem namenlos bleibenden Kriminal-Chefinspektor („der Inspektor mit den harten Augen“) durch endlose Kreuzverhöre in die Enge getrieben wird und dabei den Kopf verliert. In vielen Rückblenden schildert der Autor nun das verhängnisvolle und konfliktträchtige Beziehungsgeflecht zwischen den vier Protagonisten – dem zerrissenen Michael Sibley, dem charismatischen, unsympathischen Mordopfer John Prosset (Sibleys Schulkollege), der schüchternen, feinfühligen Kate Marsden (Sibleys Verlobte) und der selbstsüchtigen Schönheit Cynthia Harrison (Sibleys Ex-Freundin).

In den nachfolgenden Krimis konnte Bingham die Qualität seines Erstlings nicht mehr ganz erreichen. Ab Mitte der 60er-Jahre verfasste er einige Geheimdienstromane. Seine beiden letzten Werke handeln von Superintendent „Badger“ Brock aus der Provinzstadt Melford, und auch sie sind eher dem Spionage- als dem Polizeiroman zuzurechnen. ‚Hunting Down of Peter Manuel‘ aus dem Jahr 1973 erzählt die wahre Geschichte des Verbrechers Peter Manuel, der am 11.Juli 1958 in einem Glasgower Gefängnis gehenkt wurde.

Bibliografie:

‚My Name is Michael Sibley‘ – ‚Warum haben Sie gelogen, Sir?‘ (1952), ‚Five Roundabouts to Heaven‘ (auch unter dem Titel ‚The Tender Poisoner‘) – ‚Fünf Kurven in den Himmel‘ (1953), ‚The Third Skin‘ (auch unter dem Titel ‚Murder is a Witch‘) – ‚Die dritte Haut‘ (1954), ‚The Patton Street Case‘ (auch unter dem Titel ‚Inspector Morgan’s Dilemma‘) – ‚Es brennt in der Paton Street‘ (1955), ‚Marion‘ (auch unter dem Titel ‚Murder Off the Record‘) – ‚Marion‘ (1957), ‚Murder Plan 6‘ – ‚Der sechste Plan‘ (1958), ‚Night’s Black Agent‘ – ‚Finale in Norwegen‘ (1961), ‚A Case of Libel‘ (1963), ‚A Fragment of Fear‘ – ‚Wo sind die Beweise, Sir?‘ (1965), ‚The Double Agent‘ – ‚Der Doppelagent‘ (1966), ‚I Love, I Kill‘ (auch unter dem Titel ‚Good Old Charlie‘) – ‚Warum sagen Sie das erst jetzt, Sir?‘ (1968), ‚Vulture in the Sun‘ – ‚Geier in der Sonne‘ (1971), ‚God’s Defector‘ (auch unter dem Titel ‚Minstry of Death‘) – ‚Des lieben Gottes Deserteur‘ (1976), ‚The Marriage Bureau Murders‘ – ‚Die Hochzeitsnacht erlebst du nicht‘ (1977), ‚Deadly Picnic‘ (1980);

Superintendent Brock-Romane: ‚Brock‘ – ‚Brock‘ (1981), ‚Brock and the Defector‘ (1982).