(*1950)

Liselotte „Pieke“ Biermann wurde in der kleinen niedersächsischen Ortschaft Stolzenau/Weser geboren und wuchs in Hannover auf. Von 1968 bis 1976 studierte sie Deutsche Literatur und Sprache, Anglistik und Politische Wissenschaften an der Technischen Hochschule Hannover und der Universität Padua. 1977 publizierte sie ihre Magisterarbeit ‚Berufsbild: Das Herz der Familie‘, die sich mit unbezahlter Hausarbeit befasste. Danach verrichtete sie Gelegenheitsjobs, war Lektorin beim Rowohlt Verlag und arbeitete bis 1980 als Hure, zuerst in Hannover, später in West-Berlin. In den 80er-Jahren war sie eine führende Figur in der westdeutschen Hurenbewegung.

Seit 1976 lebt und arbeitet Biermann als freie Schriftstellerin und Journalistin in Berlin. Sie veröffentlichte zahlreiche Essays, Literaturkritiken und Radiofeatures, bevor sie 1987 im Krimigenre debütierte. Darüber hinaus übersetzte sie Dorothy Parker, Derek Raymond, Walter Mosley, Liza Cody, Agatha Christie, Stefano Benni und Andrea Bajani ins Deutsche.

Nachdem sie viele Monate eine Sondereinheit der Polizei begleitet hatte, führte Biermann die hart gesottene, pausenlos Zigarillos paffende Berliner Kommissarin Karin Lietze, Chefin der Abteilung M I/3 in der Polizeidirektion ‚Delikte am Menschen und organisierte Kriminalität‘ (im Volksmund: Direktion Zitti), in die deutsche Krimi-Szene ein. Der Kommissarin zur Seite stehen Sonja Schade, Detlev Roboldt, Lothar Fritz sowie Miriam „Mimi“ Jakob, eine junge Israelin, die nach Berlin auswanderte, um keinen Kriegsdienst leisten zu müssen; und auch Helga, Kitty, Kim, Nadine & Co, die Frauen vom autonomen Strassenstrich „Migräne“, greifen immer wieder ins Geschehen ein.

Die vier Lietze-Romane, vor allem die beiden vor dem Mauerfall spielenden Bände ‚Potsdamer Ableben‘ (gibt es auch als Hörspiel) und ‚Violetta‘, leben von knackigen Sprüchen, lebensnahen, spritzigen, für Nicht-Berliner nicht immer leicht verständlichen Dialogen, dem skurrilen Personal, einem gerüttelt Mass Lokalkolorit und engagierten Schilderungen sozialer Randgruppen, während den Kriminalfällen – etwa dem in ‚Potsdamer Ableben‘ behandelten Mord an der missliebigen Kulturkritikerin Beatrice Bitterlich, genannt „Tränen-Titty“, die an einer Promo-Party am Potsdamer Platz tot umfällt – vergleichsweise geringe Bedeutung zukommt.

Nach der Wende wird die M I/3 in LKA 4113/ 3. Mordkommission umgetauft, und Karin Lietze, die inzwischen die fünfzig überschritten hat, lebt mit Oberkriminalrat Adolf Lang zusammen, dem Kriminaldirektor der ‚Zentralen Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität‘. Der Titel des vierten und bisher letzten Bandes ‚Vier, Fünf, Sechs‘ bezieht sich auf die Nummer des Amtsraumes, in dem Karin Lietze jetzt arbeitet.

Im Jahr 1997 veröffentlichte Biermann ‚Berlin, Kabbala‘, eine Sammlung harter, aus den Jahren 1991 bis 1997 stammender Stories, 2002 den Band’‚Herta & Doris‘ mit dreissig Prosastücken („Very Short Stories“) und 2008 ‚Der Asphalt unter Berlin – Kriminalreportagen aus der Metropole‘, eine Auswahl von 28 Berichten über wahre Fälle, die ab Juni 2003 während fünf Jahren einmal im Monat im Berliner ‚Tagesspiegel‘ zu lesen und im rbb-Inforadio zu hören waren.

Bibliografie:

Kommissarin Karin Lietze-Serie: ‚Potsdamer Ableben‘ (1987), ‚Violetta‘ (1990), ‚Herzrasen‘ (1993), ‚Vier, Fünf, Sechs‘ (1997).