(1931-2016)

Masako Togawa kam in Tokio zur Welt und wuchs nach dem frühen Tod ihres Vaters und ihres Bruders bei der Mutter in Otsuka auf. Nachdem sie von der Schule geflogen war, arbeitete sie fünf Jahre als Sekretärin, in ihrer Freizeit trat sie ab 1956 als Sängerin in dem bekannten Nachtclub „Gin-Pari“ auf. Mit 29 Jahren debütierte sie als Krimiautorin, und im folgenden Jahr landete sie mit ihrem zweiten Krimi ‚Schwestern der Nacht‘ ihren ersten Bestseller. In Japan war sie mit einem Werk von über 20 Romanen und ungezählten Kurzgeschichten eine grosse Nummer, während im deutschen und englischen Sprachraum gerade mal vier ihrer Bücher erschienen sind. Masako Togawa, die in Tokio seit 1967 Jahren ein berühmtes Lokal („Aoi Heya“, englischer Name „Blue Room“) besass, machte sich auch als Essayistin, Chansonsängerin, Fernseh- und Filmschauspielerin und Feminstin einen Namen. Sie starb 85-jährig in einem Krankenhaus in der Präfektur Shizuoka und hinterliess mehrere Kinder.

Togawas erster, 1962 mit dem renommierten „Edogawa Rampo Award“ ausgezeichneter Krimi ‚Der Hauptschlüssel‘, eine aus wechselnden Perspektiven mit vielen Zeitsprüngen erzählte Geschichte, spielt über weite Strecken in einem Wohnheim für allein stehende, berufstätige Frauen, das kurz nach dem Zweiten Weltkrieg in Tokio gebaut worden ist. Jetzt soll das Haus um vier Meter versetzt werden, weil man eine Strasse verbreitern will – ein tiefer Einschnitt ins Leben der in die Jahre gekommenen Bewohnerinnen, die befürchten, dass jahrelang gehütete Lügen, Geheimnisse und Verbrechen ans Licht kommen.

In ‚Schwestern der Nacht‘ ist der verheiratete Computeringenieur Ichiro Honda in Tokio auf der Pirsch. Seine Waffen: eine tiefe, erotische Stimme und ein unwiderstehlicher Charme, seine Spezialität: One-night-stands mit einsamen Frauen, akribisch und emotionslos festgehalten im „Jagd-Logbuch“. Doch eines Tages, kurz nach dem Selbstmord der 19-jährigen, im sechsten Monat schwangeren Keiko, die ein halbes Jahr zuvor mit ihm im Bett war, wird Honda vom Jäger zum Gejagten: Seine ehemaligen Gespielinnen werden reihenweise ermordet, und in und an den Körpern der Leichen finden sich Sperma und Blut seiner äusserst seltenen Blutgruppe. Honda wird verhaftet, sitzt in der Todeszelle, sein Schicksal scheint besiegelt zu sein. Der dichte, geschickt konstruierte Roman zieht einen in den Bann, selbst wenn man Keikos ältere Schwester Tsuneku bereits nach wenigen Seiten als wahre Täterin identifiziert zu haben glaubt – und kurz vor dem Ende dreht die Autorin eine atemberaubende Pirouette.

Bibliografie (nicht über alle Zweifel erhaben):
‚Oi naru Genei‘ – ‚Der Hauptschlüssel‘ (1962), ‚Ryojin Nikki‘ – ‚Schwestern der Nacht‘ (1963), ‚Nemurenai yoru no hon‘ (1967), ‚Saketa nemuri‘ (1968), ‚Mitsu no aji‘ (1968), ‚Kaso gyoretsu‘ (1968), ‚Motto keo o!‘ (1968), ‚Muma‘ (1969), ‚Aka Kasa‘ (1969), ‚Kamen no sei‘ (1969), ‚Kari no jikoku‘ (1970), ‚Seijo‘ (1971), ‚Fukai Shissoku‘ – ‚Trübe Wasser in Tokio‘ (1976), ‚Hanayakanaru hy oga‘ (1977), ‚Nijiro no funsui‘ (1977), ‚Hi no seppun‘ – ‚Der Kuss des Feuers‘ (1985).

++ Erstellt: Januar 2012 ++
++ Update: Mai 2016 ++