(Kürzel für Sidney Hobson Courtier, 1904-1974; schrieb auch als Rui Chestor, Sidney Belgrave, Sidney Hobson, Colin Kingman, Raorut und Turoar)

Sidney H. Courtier wurde in Kangaroo Flat, im südostaustralischen Bundesstaat Victoria, als Sohn eines leitenden Minenarbeiters geboren und ging im Nachbarort Bendigo zur Schule. Nach dem Studium an der University of Melbourne arbeitete er in mehreren Kleinstädten Victorias als Lehrer, bis er 1965 in den Ruhestand trat. Beeinflusst durch sein grosses Vorbild Arthur Upfield, begann er Anfang der 50er nebenbei zu schreiben.

Sein Werk enthält zahlreiche unter mehreren Pseudonymen verfasste Kurzgeschichten und Artikel für Magazine und Zeitungen, ein paar nicht dem Krimigenre angehörende Romane, etliche Radiohörspiele sowie vor allem 23 Krimis, darunter zwei siebenteilige Serien, in denen die Polizisten Detective Inspector C.J. „Digger“ Haig (in den deutschen Übersetzungen heisst er seltsamerweise William Haig) bzw. Superintendent Ambrose Mahon als Serienfiguren auftreten, ohne dabei wirklich im Mittelpunkt zu stehen – als Ich-Erzähler fungiert zumeist das Opfer oder ein Angehöriger des Opfers. Mehrere Krimis sind im Outback angesiedelt, mit dem Courtier aufgrund seines Militärdienstes und ausgiebigen Reiseb nvertraut war. Dies gibt ihm Gelegenheit, sich mit dem Brauchtum und der Geschichte der Aborigines zu befassen, und auch poetischen Schilderungen der urwüchsigen Landschaft wird viel Platz eingeräumt.

Inspector Haig von der Kriminalpolizei Brisbane, Queensland, ist ein hässlicher, grobknochiger, etwas bärbeissiger, aber blitzgescheiter Fahnder, der ständig selbst gedrehte Zigaretten raucht. Seine Freunde nennen ihn Digger, weil er immer wieder überraschende Fakten ausgräbt bzw. ans Tageslicht bringt. Er führt seine Ermittlungen oft auch ausserhalb der Grossstadt, im Outback, durch. ‚Träume zu verkaufen‘ etwa spielt im nördlichsten Teil von Queensland, im „Traumzeitland Alchera“, wo den Touristen schaurige Eingeborenenriten präsentiert werden – bis einer der Mitarbeiter ermordet wird.

Eine Besonderheit der Ambrose Mahon-Krimis ist die Tatsache, dass der attraktive und charmante Protagonist zwar der Kriminalpolizei von Sydney, New South Wales, vorsteht, jedoch in den meisten Büchern zu Auswärtsspielen kommt, indem er bei Reisen durch Australien über Verbrechen stolpert – und diese dann natürlich auflöst. Im letzten Band ‚Der Vogelmord‘, einem der feinsten Werke des Autors, überlässt Mahon die Ermittlungen ganz seinen Untergebenen und tritt erst auf den letzten Seiten kurz in Erscheinung. Die Hauptrolle bekleidet Sergeant Mike Austin, dessen bescheidener, allseits beliebter, im Hinterland von New South Wales als Grundschullehrer arbeitender Bruder Harry beinahe Opfer eines Mordanschlags geworden wäre – es geht um Falschmünzerei im grossen Stil.

Der seit 1933 mit Audrey George verheiratete Autor erlitt 1967 einen schweren Hirnschlag mit Lähmungen und Verlust der Sprache. Verbissen kämpfte er gegen seine Defizite an, lernte wieder sprechen – und schrieb dann vier Krimis, die sich mit neurologischen Ausfällen und Krankheit auseinandersetzen (Verlust der Beweglichkeit und der Sprache in ‚No Obelisk for Emily‘, Verlust des Gedächtnisses in ‚Dead If I Remember‘, Verlust des Gehörs in ‚Into the Silence‘ und Verlust der Gesundheit in ‚The Smiling Trip‘). Er starb 70-jährig in Safety Beach, Victoria und hinterliess seine Frau und ihre drei gemeinsamen Kinder, Colin, Brian und Lynne.

Bibliografie:

Ambrose Mahon-Serie: ‚The Glass Spear‘ (1950), ‚One Cried Murder‘ (1956), ‚Come Back to Murder‘ – ‚Das Gesicht am Fenster‘ (1957), ‚A Shroud for Unlac‘ (1958), ‚Let the Man Die‘ – ‚Drei rote Rosen‘ (1961), ‚A Corpse Won’t Sing‘ (1964), ‚Mimic a Murderer‘ – ‚Der Vogelmord‘ (1964);

Digger Haig-Serie: ‚Now Seek My Bones‘ (1957), ‚Death in a Dream Time‘ – ‚Träume zu verkaufen‘ (1959), ‚Swing High, Sweet Murder‘ – ‚Die Strohpuppe‘ (1962), ‚The Ringnecker‘ – ‚Ein Gast zuviel‘ (1965), ‚A Corpse at Least‘ – ‚Haus ohne Menschen‘ (1966), ‚See Who’s Dying‘ – ‚Überlebenschance Null‘ (1967), ‚No Obelisk for Emily‘ – ‚Kein Denkmal für Emily‘ (1970);

Einzelwerke: ‚Gently Dust the Corpse‘ (auch unter dem Titel ‚Softly Dust the Corpse‘) – ‚Die Maske am Sarg‘ (1960), ‚Murder’s Burning‘ – ‚Gefallen wie Luzifer‘ (1963), ‚Ligny’s Lake‘ – ‚Falsche Signale‘ (1971), ‚Some Village Borgia‘ – ‚Schwarze Vögel über Chickowee‘ (1971), ‚Dead if I Remember‘ – ‚Zurück in die Falle‘ (1972), ‚Into the Silence‘ (1973), ‚Listen to the Mocking Bird‘ – ‚Verbrechen handgewebt‘ (1974), ‚The Smiling Trip‘ (1975), ‚A Window in Chungking‘ – ‚Sekunde vor dem Tod‘ (1975).