(*1941)

Peter J. Kraus wurde als Sohn eines Kaufmanns in der niedersächsischen Kleinstadt Wolfenbüttel geboren. Im Dezember 1949 liess sich die Familie in Los Angeles nieder. Dort studierte Kraus contre coeur Betriebswissenschaft, um danach im elterlichen Betrieb zu arbeiten. Als ihn die Amerikaner für den Vietnamkrieg einziehen wollten, setzte er sich nach Deutschland ab, wo er 1965 Jenny heiratete. 1979 kehrte er mit seiner Frau und den beiden Söhnen nach Kalifornien zurück.

Ab 1980 war er Moderator und Redakteur für verschiedene Rock-, Blues- und Reggae-Radiostationen in Santa Barbara, was fünf Jahre später zur freien Mitarbeit bei mehreren deutschen Rundfunksendern führte. In der zweiten Hälfte der 90er-Jahre veröffentlichte er drei die hoch gelobten Musikbücher – ‚Rock-Highway‘, ‚Route 66‘ und ‚Blues-Highway‘. Nach langem Aufenthalt im kalifornischen Santa Maria bewohnt er heute mit seiner Frau ein Haus an einem See in Hot Springs, Arkansas.

2003 ist Kraus‘ erster Krimi ‚Geier‘ erschienen. Im Mittelpunkt steht Jon Gutmann, ein knapp 40-jähriger Radiomacher, Surfer, Frauenheld und Biersäufer an der Pazifikküste Kaliforniens, der am Strand zufällig eine Leiche findet, danach, etwas aus dem Gleichgewicht geraten, einen unverzeihlichen Fehler begeht und fürderhin von den „Geiern“, drei psychopathischen, hochkriminellen Drogencops, durch halb Kalifornien gehetzt wird. Doch Jon ist nicht allein, seine Freunde – der Franziskanermönch Bruder Ignacio (ein ehemaliger Polizist mit mexikanischen Wurzeln), die ausgekochte Stripteasetänzerin und Puffmutter Misty, der Folkmusiker John McHugh und Jons alter Schulkollege Rick, der sich als erstklassiger Internetexperte erweist – setzen ihr Leben aufs Spiel, um ihm aus der Klamme zu helfen. Und so entkommt Jon seinen Verfolgern immer wieder um Haaresbreite, bis er mit seiner Truppe gnadenlos zurückschlägt. ‚Geier‘ ist eine wilde, spannungsgeladene, mit originellen Sprüchen, scharfen Kommentaren zum soazialpolitischen Klima in den USA des Jahrtausendwechsels und farbigen Landschaftsschilderungen geschmückte, mit einem schönen Happy End abgerundete Geschichte um eine Figur, der man gerne in weiteren Abenteuern zuschauen würde. (Seit 2012 ist der Nachfolgeroman ‚Aasgeier‘ immerhin als E-Book verfügbar.)

Auch in ‚Joint Adventure‘ steht ein schräger Vogel im Brennpunkt des Geschehens: Rasta Jimmy, ein früherer Radio-DJ und jetziger Marihuanahändler in Humboldt County im nordwestlichen Zipfel Kaliforniens, wo der (durch die mexikanischen Drogenkartelle beherrschte, aber auch von Tausenden Kleinunternehmern und Hippies betriebene) Cannabisanbau zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen zählt – mit fliessenden Grenzen zwischen legal und illegal. Als ein Toter in der Krone eines uralten Redwoodbaums hoch über seiner Plantage hängt und die Leiche ausgerechnet von einem Bundescop entdeckt wird, gerät Jimmy in arge Nöte, muss untertauchen, doch ein Rastamann lässt sich nicht so schnell ins Boxhorn jagen. Bis zu den Zähnen bewaffnet taucht er aus der Versenkung auf, ergaunert riesige Mengen erstklassiges Marihuana, mutiert, um seine wertvolle Beute zu verteidigen, vom friedfertigen Kiffer zum kaltblütigen Killer und kann bereits von einem Neuanfang in New Mexico träumen – wenn ihn nur das schlechte Gewissen nicht quälen würde; und wenn er bloss seinem langjährigen Kumpel, dem verschlagenen Sheriff „Ollie“ Oliphant, nicht ins Gehege gekommen wäre, denn auch der hat seine Hände tief im Drogengeschäft.P

‘Cattolini erbt’, angesiedelt im Sündenpfuhl Los Angeles, sieht den abgebrannten Privatdetektiv Vic Cattolini – Irak-Veteran, unehrenhaft aus dem Dienst ausgeschiedener LAPD-Cop, Ex-Mann einer Polizistin, die als Lockvogel für die Sitte arbeitet, Vater eines halbwüchsigen Sohnes, mit dem ihn nichts verbindet, wohnhaft in einem schäbigen Hotel und in Johnny Wanayas Kneipe, wo er auch seine Kundschaft empfängt – im Brennpunkt des Geschehens. Sein Blatt scheint sich indes zu wenden, als der gediegene Anwalt Maclintock auftaucht und ihm 17 Riesen überreicht – eine unerwartete Schenkung des kürzlich erschossenen Penners und heimlichen Multimillionärs Porky, mit dem sich Vic in den letzten Jahren gelegentlich auf Sauftour begeben hat. Dies ist die Ausgangslage des in schnoddrigem Stil verfassten Krimis, in dem Peter J. Kraus mit einem farbigen Figurenkollektiv aufwartet: Sergeant «San the Man» Sanchez, hinterhältig und bestechlich bis in die Haarspitzen, der seinerzeit Cattolini in die Pfanne gehauen hat; der schlaue, kurz vor dem Ruhestand stehende Polizist Lanini, Chef der Bostoner Mordkommission, mit dem Cattolini schon bald eine enge, wertvolle Freundschaft verbindet; Vics langjähriger Intimfeind Alberto «Surfer Al» Surfalone, ein in die Jahre gekommener Mafioso; Vics Armeekumpel Harry Litvak, Beruf Fixer, jedoch nicht einer, der Drogen schiesst, sondern heikle Dinge richtigstellt bzw. «fixiert» – Tagessatz tausend Dollar; und ein paar niedrigere Chargen. Aufgewertet wird die vertrackte Geschichte durch scharfe Hiebe auf Politik und Gesellschaft der USA (mafiose Strukturen, Polizeikorruption usw.), derweil die Zahl der Mordopfer stetig anwächst.

Bibliografie:

Jon Gutmann-Krimis: ‚Geier‘ (2003), ‚Aasgeier‘ (2012, nur als E-Book);

‚Joint Adventure‘ (2010), ‚Cattolini erbt‘ (2012), ‚Blues und Pistolen‘ (Stories, 2013), ‚Ruhe sanft in Hollywood‘ (2014, nur als E-Book).