(*1983)
Geboren und aufgewachsen im thurgauischen Dorf Lengwil am Bodensee, ausgebildet als Biologe an der ETH Zürich, war Severin Schwendener nach dem Studium in verschiedenen Forschungslaboren der ETH und der Universität Zürich tätig. Seit 2015 arbeitet er beim Kanton Zürich in der Fachstelle Biosicherheit der Baudirektion. In seiner Freizeit schreibt er Kurzgeschichten und Kriminalromane für Jugendliche und Erwachsene. Die Krimis für Erwachsene des im thurgauischen Städtchen Märstetten wohnenden Autors sind im Zürcher Verlag edition 8 erschienen. Ausgefeilte Handlungsführung mit schnellen Perspektivenwechseln und präzise Personenzeichnung sind die hervorstechenden Stärken des Autors, der sich nach dem Medical Thriller ‚Schein & Heilig‘, dem ersten, noch etwas unausgereiften Band der (chronologisch zu lesenden) Hauptmann Hilvert-Serie, markant gesteigert hat, auch wenn er es mit Lokalkolorit ein bisschen übertreibt.
Thomas K. Hilvert, Hauptmann der Kriminalpolizei der Stadt Zürich, ist ein Paradiesvogel mit einem riesigen Netzwerk im Milieu. Ein schwieriger, kompromissloser, zu theatralischen Ausbrüchen neigender, das Herz auf der Zunge tragender Chaot mit einem hochentwickelten Spürsinn, dessen jugendlicher Idealismus mit den Jahren einer desillusionierten Unzufriedenheit gewichen ist. Die mühselige Kleinarbeit überlässt der hünenhafte, fettleibige Bulle seinem Assistenten, dem biederen Familienvater Bruno Jaun. Mit seiner Heimatstadt, der kalten, umtriebigen Finanz- und Wirtschaftsmetropole Zürich, verbindet ihn eine Hassliebe.
Am Anfang des zweiten Bandes ‚Schach & Matt‘ wird Hilvert zu seiner Überraschung neuer Kommandant der Stadtpolizei Zürich. Einen letzten Fall will er noch lösen, bevor er das verantwortungsvolle Amt antreten wird: den Mord an einer jungen Prostituierten, eine äusserst grausame Tat, die Hilvert daran erinnert, dass vor zwanzig Jahren elf Personen nach exakt demselben Muster umgebracht worden sind. Mit einem dieser Opfer, der Edelprostituierten Rosi, war er damals eng befreundet. Der Täter wurde nie gestellt. Warum zum Teufel hat er jetzt auf einmal wieder zugeschlagen? Hilvert ist sich sicher, dass Rosi der Schlüssel zur Lösung ist. Zusammen mit seinem über sich hinauswachsenden Assistenten Bruno Jaun macht er Jagd auf den Serienkiller. Der mitreissende Roman besteht aus den Teilen ‚Schach‘ – hier wird dem Leser der Name des Mörders kundgetan – und ‚Matt‘, in dem das atemlose Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem Gespann Hilvert/Jaun und dem Täter mit schnellen Szenenwechseln beschrieben wird.
Drei Jahre später, in ‚Schatten& & Spiel‘, geschehen in Zürich zwei spektakuläre Morde, die keinen Zweifel aufkommen lassen: der Serienkiller ist zurück – ausser Hilvert und Jaun weiss nämlich niemand, dass dieser nicht mehr unter den Lebenden weilt. Gibt es einen Nachahmer? Ist Rachsucht im Spiel? Oder hatte der Mörder einen Komplizen, der jetzt sein Werk wieder aufnimmt? Während Hilvert sich mit der biestigen Oberstaatsanwältin Greta Hertig herumschlägt, wühlt Jaun in der Vergangenheit des toten Mörders – und bringt haarsträubende Fakten an den Tag.
„Wie geht es Ihnen, Chef?“ – „Nennen Sie mich nicht immer Chef, Jaun. Ich bin seit einer Ewigkeit nicht mehr Ihr Chef. Ich sitze im Knast.“ In der Zürcher Justizvollzugsanstalt Pöschwies verbüsst Hilvert seit dem Abschluss des aufsehenerregenden, in ‚Schatten & Spiel‘ beschriebenen Falls seine Strafe, was ihn jedoch nicht daran hindert, im Nachfolgeroman ‚Schemen & Haft‘ munter mitzumischen, als eine junge Frau, die bei einem umstrittenen internationalen Rohstoffkonzern gearbeitet hat, mit Rizin vergiftet wird. Ein höchst undurchsichtiger Fall, der bald weitere Opfer fordert. Ausgangspunkt der Mordserie ist offenbar der einige Monate zurückliegende Unfalltod eines Zürcher Umweltaktivisten, der sich dem Kampf gegen Grosskonzerne verschrieben hatte – die Presse faselt denn auch prompt von Bioterror. Doch dann hat Bruno Jaun einen Geistesblitz, der alles über den Haufen wird.
Bibliografie:
Einzelwerke: ‚Falsche Freunde‘ (2006), ‚Pandemic‘ (2020);
Hauptmann Thomas K. Hilvert- Romane: ‚Schein & Heilig‘ (2010), ‚Schach & Matt‘ (2013), ‚Schatten & Spiel‘ (2018), ‚Schemen & Haft‘ (2024).
Das atemberaubend dramatische Spektakel auf den letzten 80 Seiten (4. Kapitel) von ‚Schatten & Spiel‘ lohnt die Lektüre voll und ganz! Der Autor Schwendener ist ein Systematiker. Er entfaltet den Krimi wie im Labor. Durch seinen langsamen Aufbau der Handlungsebenen und Charaktere muss der Leser durch, um nach 120 Seiten in den hohen Genuss eines fulminanten Spannungsbogens zu kommen. Der Roman handelt über die vornehmsten Familien der Zürcher Oberschicht. Deren gequälte Kinder halten, erwachsen geworden, die ganze Stadt in Atem.