(1936-2025; schrieb auch als Peter Lear)
Geboren in Londoner Vorort Whitton als mittlerer von drei Söhnen einer Sekretärin und eines Bankangestellten, ausgebildet an der Hampton School in London, studierte Peter Lovesey Anglistik an der University of Reading, wo er seine Frau Jacqueline „Jax“ Lewis, eine begeisterte Krimileserin, kennenlernte und 1959 heiratete. Nach dem Militärdienst als Ausbildungsoffizier bei der Royal Air Force unterrichtete er vierzehn Jahre Englisch, zuerst am Thurrock Technical College, dann am Hammersmith College, bevor er 1975 das Schreiben zu seinem Hauptberuf machte. Bis fast zuletzt als Autor tätig, starb er 88-jährig in seinem Haus in Shrewsbury, West Midlands, an Krebs. Er hinterliess seine Frau, eine Tochter, einen Sohn und fünf Enkel.
Peter Lovesey war ein stilsicherer und humorvoller, dem „Golden Age“ verpflichteter Autor mit einer geschickten Hand für Plots und lebensechte Charaktere. Sein Werk enthält die achtteilige im Viktorianischen London angesiedelte Sergeant Cribb-Serie, die Trilogie um Queen Victorias ältesten Sohn Albert „Bertie“ Edward, Prince of Wales (der spätere King Edward VII) als ich-erzählender Hobbyermittler, die sich über 33 Jahre erstreckende, 22 Bände umfassende Detective Superintendent Peter Diamonds-Serie, acht Standalones, zwei Inspector Henrietta „Hen“ Mallin-Romane und drei als Peter Lear verfasste Krimis. Dazu kommen ungezählte Kurzgeschichten und einige Sachbücher über sein Steckenpferd, Sport im Viktorianischen Zeitalter.
Im ersten Teil der Sergeant Cribb-Serie, ‚Wobble to Death‘ (deutsche Übersetzung: ‚Der Tod hat lange Beine‘), verknüpft Peter Lovesey Mord mit Sport in Viktorianischen Zeitalter. Im November 1879 liefern sich sechzehn Athleten in einer Halle auf zwei mit gesiebtem Kies bestreuten Lehmbahnen einen sechs Tage dauernden Wettkampf, in dem es darum geht, durch Gehen oder Laufen möglichst viele Meilen zurückzulegen – ein so genannter Wobble. Angefeuert von Tausenden wettfreudigen Zuschauern legen die Cracks in der Regel mindestens fünfhundert Meilen zurück. (Der Engländer George Littlewood stellte 1888 den Rekord mit einer Strecke von 623 3/4 Meilen auf.) Der Sieger erhält den Titel eines Weltmeisters im Gehen, einen Gürtel im Wert von hundert Pfund und fünfhundert Pfund im bar. Der Champion Erskine Chadwick und sein Herausforderer Charles Darrell sind die haushohen Favoriten, doch am zweiten Tag wird Darrell auf einmal von heftigen Krämpfen befallen und bricht wenig später tot zusammen – die Autopsie ergibt eine Strychnin-Vergiftung. Sergeant Archie Cribb, ein kluger, kompetenter Kriminalbeamter, und sein tollpatschiger Assistent Constable Thackeray machen Jagd auf den Täter, während das Rennen weitergeht. Doch dann wird Darrells Trainer Samuel Monk ermordet.
Die Prince of Wales-Trilogie vermittelt dem Leser ein farbiges Sittenbild des Viktorianischen Zeitalters und ein durchaus faszinierendes Porträt des verheirateten, dandyhaften und chaotischen, nicht besonders kompetenten Amateurdetektivs Bertie Edward, während die Kriminalfälle jeweils etwas dünn geraten sind.
Die Peter Diamond-Romane – fein austarierte Mixturen aus Whodunit und Police Procedural Novel – bilden das Herzstück von Loveseys Werk. Der übergewichtige Ex-Rugbyspieler Peter Diamond, zu Beginn der Reihe Anfang vierzig, kinderlos verheiratet mit der reizenden Stephanie, leitet erfolgreich die Mordkommission des südwestenglischen Badeortes Bath. Er ist ein schroffer Ermittler von altem Schrot und Korn, baut auf Intuition und logisches Denken und verabscheut moderne Technologien – daher sein Spitzname „Der letzte Detektiv“ (der erste, 1992 verdientermassen mit dem Anthony Award ausgezeichnete Band ‚Die Frau im See‘ trägt im Original den Titel ‚The Last Detective‘). Leider sind nur die drei frühen Titel ins Deutsche übertragen worden. Gegen Ende des ersten Bandes schmeisst Peter Diamond frustriert den Dienst. Er verrichtet Gelegenheitsjobs als Barmann, Zeitungsausträger, Aushilfslehrer für Behinderte und geht schliesslich nach London, um als Sicherheitschef bei Harrods zu arbeiten, bevor er im dritten Band als Chef der Mordkommission nach Bath zurückkommt. Im siebten Band wird seine Frau ermordet, was bei der Leserschaft heftige Proteste auslöste.
Für sein Einzelwerk ‚The False Inspector Dew‘ (‚Abschied auf Englisch‘) wurde Lovesey 1982 von der Crime Writer’s Association mit dem Gold Dagger ausgezeichnet. Die verwickelte Geschichte – eine gut abgehangene Mischung aus Gaunerkomödie, Gesellschaftssatire und Whodunit – spielt 1921 an Bord des britischen Dampfers „Mauretania“, der sich auf dem Weg in die Vereinigten Staaten befindet. Walter Baranov, ein unglücklich verheirateter, in die junge Blumenverkäuferin Alma verliebter Zahnarzt, will seine reiche, dominante Gattin Lydia loswerden. Als Vorlage dient ihm der aufsehenerregende (historisch verbürgte) Mordfall Dr. Hawley Crippen aus dem Jahr 1910. Crippen ist damals allerdings ein verhängnisvoller Fehler unterlaufen, der schliesslich zu seiner Hinrichtung geführt hat. Walter und Alma wollen es besser machen: Lydia auf dem Schiff ermorden, die Leiche ins Wasser werfen, die Reise mit veränderten Identitäten fortsetzen: Alma als Lydia, Walter als Inspektor Dew, der legendäre, inzwischen pensionierte Scotland-Yard-Beamte, der damals Crippen überführt hat. Doch dann überstürzen sich die Ereignisse. Eine Mitreisende wird erwürgt aus dem Meer geborgen, auf den „falschen Inspektor Dew“ wird geschossen, ein Passagier verschwindet, und Alma verknallt sich in einen anderen Mann. Doch Lovesey behält die Übersicht und zaubert eine herzerwärmende Lösung aus dem Hut.
Biografie:
Sergeant Cribb-Serie:
‚Wobble to Death‘ – ‚Der Tod hat lange Beine‘ (1970), ‚The Detective Wore Silk Drawers‘ – ‚Detektiv in Boxerhosen‘ (1971), ‚Abracadaver‘ – Abrakadaver‘ (1972), ‚Mad Hatter’s Holiday‘ – ‚Der Urlaub eines Übergeschnappten‘ (1973), ‚Invitation to a Dynamite Party‘ – ‚Eine Bombeneinladung‘ (1974), ‚A Case of Spirits‘ – ‚Tod eines Mediums‘ (1975), ‚Swing, Swing Together‘ – ‚Flusspartie zum Galgen‘ (1976), ‚Waxwork‘ (1978);
Albert Edward, Prince of Wales- Trilogie:
‚Bertie and the Tinman‘ – ‚Seine Hohheit, der Detektiv‘ (1987), ‚Bertie and the Seven Bodies‘ – ‚Seine Hohheit und die sieben Leichen‘ (1990), ‚Bertie and the Crime of Passion‘ (1993);
Peter Diamond-Serie:
‚The Last Detective‘ – ‚Die Frau im See‘ (1991), ‚Diamond Solitaire‘ – ‚Die Fährte des Mädchens‘ (1992), ‚The Summons‘ – ‚Gerechtigkeit für einen Mörder‘ (1995), ‚Bloodhounds‘ (1996), ‚Upon a Dark Night‘ (1997), ‚The Vault‘ (1999), ‚Diamond Dust‘ (2002), ‚The House Sitter‘ (2003), ‚The Secret Hangman‘ (2007), ‚Skelettton Hill‘ (2009), ‚Stagestruck‘ (2011), ‚Cop to Corpse‘ (2012), ‚The Tooth Tatoo‘ (2013), ‚The Stone Wife‘ (2014), ‚Down Among the Dead Men‘ (2015), ‚Another One Goes Tonight‘ (2016), ‚Beau Death‘ (2017), ‚Killing with Confetti‘ (2019), ‚The Finisher‘ (2020), ‚Diamond and the Eye‘ (2021), ‚Showstopper‘ (2022), ‚Against the Grain‘ (2024).
Inspector Hen Mallin-Krimis:
‚The Circle‘ (2005), ‚The Headhunters‘ (2008);
Standalones:
‚The False Inspector Dew‘ – ‚Abschied auf Englisch‘ (1982), ‚Keystone‘ – ‚Sein letzter Slapstick‘ (1983), ‚Rough Cider‘ – ‚Ein bitterer Nachgeschmack‘ (1986), ‚Dead Georgeous‘ (auch unter dem Titel ‚On the Edge‘, 1989), ‚The Reaper‘ (2000), ‚In Suspense‘ (2001).
Als Peter Lear:
‚Goldengirl‘ (1977), ‚Spider Girl‘ (1980), ‚The Secret of Spandau‘ (1986).