(1971)
Geboren und aufgewachsen in Köln als Sohn einer türkischen Einwandererfamilie, studierte Selim Özdogan Völkerkunde, Anglistik und Philosophie. 1994 brach er das Studium ab, um Schriftsteller zu werden. 2014 erhielt er das Künstlerstipendium Istanbul für die zweite Jahreshälfte. Er lebt in seiner Geburtsstadt.
Sein erstes Buch, das Aussenseiterporträt ‚Es ist so einsam im Sattel, seit das Pferd tot ist‘, kam 1995 heraus. Es folgten weitere Romane sowie Erzählbände, Kurzprosa, Kolumnen, Kritiken und Hörstücke, bevor 2019 der Krimi ‚Der die Träume hört‘ in der Edition Nautilus veröffentlicht wurde. 2024 adaptierten er und Denis Kundic die Geschichte als WDR-Hörspiel mit dem Titel ‚Westmarkt. 4 Kilo auf Kombi und ein Raubüberfall‘.
‚Wer die Träume hört‘ ist im verrufenen Quartier Westmarkt einer unbenannten Stadt im Rheinland angesiedelt. Der Ich-Erzähler Nizar Benali, unehelicher Sohn einer Tunesierin, ist in Westmarkt bei der warmherzigen, lebensklugen türkischen Pflegemutter Sevgi aufgewachsen. Im Gegensatz zu seinem wegen Drogendelikten einsitzenden Ziehbruder Kamber hat er es geschafft, dem Milieu zu entkommen, indem er eine Existenz als Privatdetektiv für Cyber-Kriminalität aufbaute. Cybermobbing ist sein tägliches Brot. Doch jetzt soll er für gutes Geld den Darknet-Dealer Toni_meow aufspüren, der den Jungen seines Klienten auf dem Gewissen hat. Gleichzeitig begegnet er seinem Sohn, von dessen Existenz er nichts wusste: Der siebzehnjährige Lesane ist in Drogengeschäfte verwickelt und steht bei einem rabiaten Gangster mit 20’000 Euro in der Kreide. Dringend auf Hilfe angewiesen, zieht er bei seinem leicht überforderten Vater ein. Ein weiterer Fall betrifft den Schüler Maurice, dem seine im Netz aufgetauchten Nacktfotos von seiner Ex-Freundin zum Verhängnis geworden sind. Den Schwerpunkt seiner ergreifenden, mit Kiez- und Rapper-Slang durchsetzten Erzählung legt Özdogan dann jedoch weniger auf Nizar Benalis Detektivarbeit als auf Schilderungen des frustrierenden Alltags seiner fein gezeichneten Figuren aus der dritten Immigranten-Generation und von ihren Versuchen, den sozialen Aufstieg um jeden Preis zu schaffen.
Bibliografie:
‚Wer die Träume hört‘ (2019).