Geboren in Dublin im Süden Australiens, aufgewachsen und ausgebildet in der südwestaustralischen Küstenmetropole Perth, wurde Adam Morris mit einer Arbeit über ‚Whiteness and Australian Fiction‘ promoviert. Der Vater von zwei Söhnen lebt mit seiner Partnerin, der Filmcutterin Talarah Pedrocchi Roelofs, in Albany, West Australia, und arbeitet als Autor, Filmemacher (‚Edward and Isabella‘ und ‚Frank and Frank‘), Singer/Songwriter und „special educational needs“ teacher und unterrichtet Schreiben an der University of Western Australia. Darüber hinaus war er als Kunst-, Tanz- und Musiklehrer in Gefängnissen tätig. 2020 veröffentlichte er seinen ersten Kriminalroman ‚Bird‘, der – ausgezeichnet übersetzt von Conny Lösch – vier Jahre später in der Edition Nautilus erschienen ist.

Hauptperson des vielstimmigen in Perth angesiedelten Gefängnisromans ist Carson, ein smarter, charmanter, vielseitig begabter und von den Frauen begehrter Noongar Aboriginal Mitte zwanzig, dem seine Gefühlsausbrüche, Drogendelikte und Frauengeschichten immer wieder in die Quere kommen. Ihn erleben wir allerdings nur aus der Sicht von (fast ausschliesslich weissen) Menschen, die in mehr oder weniger engem Kontakt mit ihm stehen. Der aus Frankreich eingewanderte Gefängniswärter Patrice, die mütterliche Gefühle für ihren Schützling entwickelnde Gefängnispsychologin Jennifer, der Kunstpädagoge Daniel, Polizisten, Sozialarbeiter, ein Richter, kriminelle Männer und junge, labile Frauen. In drei Kapiteln – „In“, „Out“ und „Shake It All About“ – gestaltet der weisse Autor einen Zyklus, den Carson bis zum bitteren Ende durchläuft. Ein Zyklus aus rassistischer Diskriminierung, enttäuschten Hoffnungen und daraus resultierender Gewalt. In einem Kontinent, wo der Anteil der indigenen Gefangenen fast 30% beträgt, obwohl Indigene nur 2.8% der australischen Bevölkerung ausmachen; und wo die Lebenserwartung der Aborigines rund 20 Jahre unter jener der Weissen liegt. ‚Bird‘: ein bitterböser, wirklichkeitsnaher Roman, der Missstände beschreibt, ohne zu bewerten.

Bibliografie:

‚Bird‘ – ‚Bird‘ (2020).