(Pseudonym für Trevor Ferguson, *1947)
Geboren in Seaforth, Ontario, aufgewachsen im multikulturellen Stadtteil Park Extension der überwiegend frankophonen Millionenstadt Montreal, verliess Trevor Ferguson mit fünfzehn die Highschool und ging in den Nordwesten Kanadas, um im Eisenbahnbau zu arbeiten und – inspiriert durch William Faullkner und Mordecai Richter – zu schreiben. Später reiste er quer durch Europa und die Vereinigten Staaten. Zurück in Montreal arbeitete er als Kellner in einer Mafia-Bar, schob Nachtschichten als Taxifahrer und schrieb tagsüber an seinem ersten Roman, der 1977 herauskam.
Nach weiteren „literarischen“ Romanen entschloss er sich zu einem Genre-Wechsel und startete unter dem Pseudonym John Farrow die in Montreal angesiedelte Krimireihe um den Polizisten Emile Cinq-Mars (Vorbild war Jacques Cinq-Mars, der in den 50er- und 60er-Jahren in Montreal als Cop arbeitete). Darüber hinaus verfasste er Theaterstücke und war Gastdozent an der University of Alberta und der Concordia University in Montreal. Der Autor lebte lange Zeit in Hudson, Québec, bis er sich 2019 mit seiner Frau Lynne Hill in Victoria, British Columbia, niederliess.
Detective Sergeant Emile Cinq-Mars, in dritter Ehe verheiratet mit der deutlich jüngeren Amerikanerin Sandra Lowndes, die etwas ausserhalb von Montreal eine Pferdezucht betreibt, ist eine faszinierende, komplexe Figur. Nachdenklich und vorsichtig, einzelgängerisch und loyal, unbestechlich und klug. Ein kompromissloser Bulle Mitte fünfzig mit einer sagenhaft hohen Aufklärungsquote, die er hauptsächlich seinen erstklassigen Informanten und seinem Gespür für Kriminelle – er dringt in ihre Köpfe ein und lockt sie in die Falle, indem er ihr Verhalten voraussieht – verdankt. Seine Lieblingssprüche sind: „Gauner sind wie Pferde. Sie sehen gewandt aus, wenn sie über Hindernisse gehen, aber trotzdem sind sie nur dumme Tiere“. “ Was die vertrottelten Gauner am meisten ermutigt, sind noch trotteligere Bullen“.
Im ersten Roman ‚Eishauch‘ (im Original treffender ‚City of Ice‘) tobt in Montreal ein blutiger Krieg zwischen den führenden Bikergangs „Hells Angels“ und „Rock Machine“, ein Krieg, in den auch die Cosa Nostra und eine weitverzweigte russische Bande verwickelt sind. Ihnen gegenüber stehen die neu gebildete Spezialeinheit „The Wolverines‘ und die reguläre Stadtpolizei, der Cinq-Mars angehört, sowie, wie sich erst später zeigt, die CIA. Die bei eisiger Kälte spielende Geschichte beginnt am Heiligabend mit dem Mord an Cinq-Mars‘ wertvollstem Informanten, dem zwanzigjährigen Hagop Artinian, von dessen Führungsperson einzig der Codename, Steeplechase Arch, bekannt ist. Wer aber hat Hagop verraten? Jemand aus den Reihen der Polizei? Unterstützt durch seinen neuen, über sich hinauswachsenden Partner Bill Mathers und den mutigen Journalisten Okinder Boyle nimmt Cinq-Mars den Kampf gegen seine Gegenspieler auf, während die Wolverines nur ein Schattendasein fristen. ‚Eishauch‘: eine fesselnde, tiefgründige, streckenweise etwas weitschweifig erzählte Geschichte, in der die Stadt Montreal als Hort einer übermächtigen organisierten Kriminalität eine tragende Rolle einnimmt.
Am Anfang des Nachfolgewerks ‚Treibeis‘ wird Andy Stettler, zwielichtiger Sicherheitschef einer grossen pharmazeutischen Firma, mit einer Kugel im Hals unter dem Eis des Lake of Two Mountains (Provinz Quebec) aufgefunden. Im ersten, chronologisch letzten, Kapitel erfahren wir, dass in den USA zweiundvierzig an einem geheimen, illegalen Therapieprogramm teilnehmende Aids-Patienten fast gleichzeitig und völlig unerwartet gestorben sind, und dass das Mordopfer und zwei junge Frauen, die indianisch-stämmige Aktivistin Lucy Gabriel und ihre psychisch labile Freundin Camille Choquette, für die Verteilung des Medikamenten-Cocktails zuständig waren. Dies ist die Ausgangslage einer komplexen Geschichte, in die drei mehr oder weniger kriminelle Gruppierungen verwickelt sind und der Polizei – vertreten einerseits durch Emile Cinq-Mars und Bill Mathers, andererseits durch Sergeant Painchaud von der SQ (Sûreté de Québec) – einen Kampf auf Messers Schneide liefern. Es sind dies die skrupellose Führung des Pharmaziekonzern; die Mohawk Warrior Society der Provinz Québec; und nicht zuletzt eine mafios strukturierte, ultrabrutale Abteilung der Hells Angels. Exzellente Handlungsführung, eindrucksvolle Zeichnung der zahlreichen Haupt- und Nebenfiguren und scharf geschliffene Dialoge sind die wichtigsten Ingredienzien des düsteren – eine aufmerksame Lektüre erfordernden – Polizeiromans.
Bibliografie:
Detective Emile Cinq-Mars-Serie: ‚City of Ice‘ – ‚Eishauch‘ (1999), ‚Ice Lake‘ – ‚Treibeis‘ (2001), ‚River City‘ (2011), ‚The Storm Murder‘ (2015), ‚Seven Days Dead‘ (2016), ‚perish the Day‘ (2017), ‚Ball Park‘ (2019), ‚Roar Back‘ (2020), ‚Lady Jail‘ (2021), ‚A Patient Death‘ (2023), ‚Bright Shining as the Sun‘ (2025).
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