(*1968)

Susanne Tägder, geboren und aufgewachsen in Heidelberg, Baden Württemberg, wohin ihre Eltern früh aus der DDR geflüchtet waren, studierte Jura an der Universität Heidelberg und machte ihren Master-Abschluss im US-Bundesstaat Illinois. Nach kurzer Tätigkeit in einer Kanzlei in Frankfurt übernahm sie den Vorsitz an einem Karlsruher Sozialgericht. Heute lebt sie als freie Autorin mit ihrer vierköpfigen Familie in Palo Alto, Kalifornien, und in Rüschlikon, Kanton Zürich. Ihr Werk besteht aus Essays, Kurzgeschichten, für die sie mit Preisen ausgezeichnet wurde. Ihr erster, durch einen authentischen Fall inspirierter Kriminalroman ‚Das Schweigen des Wassers‘ ist 2024 im Tropen Verlag, Klett-Cotta, erschienen.

Kommissar Arno Groth wird 1991 als „Aufbauhelfer Ost“ von Hamburg in sein (fiktives) Heimatstädtchen Wechtershagen, Mecklenburg, versetzt. Wenige Tage nach Dienstantritt sucht ihn der heruntergekommene 32-jährige Bootsverleiher Siegmar Eck auf, weil er sich verfolgt wähnt. Kurz danach wird seine Leiche aus einem nahegelegenen See gefischt. Schnell stellt sich heraus, dass Eck vor elf Jahren in dringendem Verdacht stand, eine junge Frau namens Jutta Timm, Tochter eines Volkspolizisten, vergewaltigt und umgebracht zu haben, schliesslich aber aufgrund eines einwandfreien Alibis aus der Untersuchungshaft entlassen wurde. Die Tat blieb ungeklärt, die Akten sind spurlos verschwunden. Groth, ein instinktsicherer, belesener Ermittler mit tragischer Vergangenheit, vermutet zu Recht eine Verbindung zwischen den beiden Verbrechen. In fruchtbarer Zusammenarbeit mit seinem neuen Kollegen, dem ehemaligen Stasi-Mitarbeiter Gerstacker, enthüllt er die Hintergründe des bis in höchste Regierungskreise führenden Kriminalfalles. Susanne Tägder beeindruckt in ihrem Erstling durch sorgfältige Handlungsführung mit vielen Rückblenden auf die Verhältnisse in der DDR der 80er-Jahre, das vielschichtige Figurenensemble und lebendige Schilderungen des kurz nach dem Mauerfall fragilen Staats.

‚Die Farbe des Schattens‘ spielt drei Monate nach ‚Die Farbe des Wassers‘. Im Mittelpunkt steht wieder der feinfühlige, melancholische Hauptkommissar Arno Groth von der fiktiven Polizeiwache Wechtershagen in Mecklenburg. Der elfjährige Matti Beck ist verschwunden, einige Tage später wird seine Leiche im Keller eines leerstehenden Blocks in einer Plattenbausiedlung aufgefunden. Die Ermittlungen verlaufen im Sand, bis der versoffene Hilfshauswart Karl die Tat gesteht, doch Groth ist sich sicher, dass sie mit ihm den falschen Mann verhaftet haben. Erst recht, als er erfährt, dass vor sechs Jahren in der Nähe ein ähnliches, ungeklärtes Verbrechen verübt worden ist, und als Karl sein Geständnis am folgenden Tage widerruft. Sorgfältig und detailreich, in bildhaftem Stil beschreibt Tägder die Polizeiarbeit des kleinen, schlecht ausgerüsteten Teams und den Alltag in der heruntergekommenen, von Arbeitslosigkeit, häuslicher Gewalt und brauner Gesinnung geprägten ostdeutschen Gemeinde.

Bibliografie:

Kommissar Arno Groth-Romane: ‚Das Schweigen des Wassers‘ (2024), ‚Die Farbe des Schattens‘ (2025).