(*1958)

Wang Shuo kam in Nanjing („südliche Hauptstadt der Volksrepublik China“) zur Welt und wuchs in Peking (amtlich: Beijing) auf. Gedrängt durch seinen Vater leistete er vier Jahre Dienst bei der chinesischen Marine, um nach seiner Entlassung ein umso wilderes Leben als Kleinganove und Frauenheld zu führen. Zeitweilig arbeitete er auch als Verkäufer von chinesischer Medizin. Anfang der 80er-Jahre startete Wang Shuo seine aufregende Laufbahn als TV-Produzent, Filmregisseur, Drehbuch- und Romanautor. In China genoss das umtriebige Enfant terrible längst Kultstatus, als sein Werk nach dem Tiau’anmen-Massaker 1989 erstmals verboten wurde (ein zweites Mal geschah dies sieben Jahre später). Aus seinem umfangreichen Werk sind ‚Herzklopfen heisst das Spiel‘, die autobiografisch geprägte Road Novel ‚Oberchaoten‘ und der Enwicklungsroman ‚Ich bin doch dein Vater!‘ auf Deutsch erschienen. Nach einem kurzen Abstecher in die Vereinigten Staaten lebt Wang heute in Peking, dem Schauplatz seiner Bücher und Filme. Er hat eine erwachsene Tochter.

‚Herzklopfen heisst das Spiel‘ spielt in den 80er-Jahren kurz nach Ende der Viererbande und der Kulturrevolution. In der spritzigen, burlesken Mischung aus Krimi, Liebesgeschichte und Schelmenstück – ein mit politischen, sozialen und kulturellen Anspielungen gespicktes Verwirrspiel – beschreibt Wang Shuo in sarkastischem Stil den Überlebenskampf von kleinen Gaunern und anderen sich am Rand der neokapitalistischen Gesellschaft bewegenden Gestalten. Zu Beginn des Romans wird der dreissigjährige Ich-Erzähler Fang Yan von der Polizei mit einem weit zurückliegenden Mord konfrontiert: Angeblich hat er einen gewissen Gao Yang, dessen kopflose Leiche eben erst gefunden wurde, vor zehn Jahren als letzter gesehen, bevor er wie vom Erdboden verschluckt wurde. Doch wie soll sich Fang an Einzelheiten aus jener fernen Zeit der fröhlichen Saufgelage und Rammeleien erinnern können? Seine Lage spitzt sich zu, als die Beamten in seiner Wohnung ein uraltes Schwert entdecken, das an einigen Stellen verbogen ist und Blutspuren aufweist. Fang begibt sich nun selbst auf Spurensuche, wie ein Schlafwandler streift er durch die Stadt, trifft auf alte Bekannte, die er kaum mehr wiedererkennt – die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, zwischen Traum und Wirklichkeit zerfliessen. Am Ende des Romans rekapituliert Fang Yan in umgekehrter Reihenfolge, so gut es geht, die letzten dreizehn Tage vor Gao Yangs Verschwinden.

Die durch zwei chinesische Medienexperten unterstützte Übersetzerin Sabine Peschel hat den 1995 im Diogenes Verlag erschienenen Roman um das lesenswerte Nachwort ‚Wang Shuo und die neue chinesische Subkultur‘ und zahlreichen Anmerkungen zu Geschichte und Brauchtum des Landes ergänzt.

Bibliografie:

Wande jiu shi xintiao‘‚Herzklopfen heisst das Spiel‘ (1989).