(1937-2015)

Irving Weinman kam als Sohn rumänisch-jüdischer Einwanderer in Boston zur Welt und wuchs auch dort auf. Nach seinem Jurastudium am Trinity College in Dublin und an der Cambridge University führte er ein Leben als Weltenbummler und Jazzpianist, bis er in London zu schreiben begann. Sein Werk umfasst Gedichte, Kurzgeschichten, vier Kriminalromane und etliche Bücher über kreatives Schreiben. Darüber hinaus war er Dozent an britischen und amerikanischen Universitäten, unter anderem auf Key West, wo er den ‚Key West Writer’s Workshop‘ gründete, die Poetin und Aktivistin Judith Katzantzis kennenlernte und sie 1988 heiratete. Allen Anfeindungen zum Trotz unterstützte das unorthodoxe jüdische Paar die Palästinenser in den folgenden Jahren auf mannigfache Weise. Mit 78 Jahren erlitt Irving Weinman einen plötzlichen Tod in seinem Haus in der Kleinstadt Lewes, East-Sussex. Er hinterliess seine Frau, seinen Sohn und seine Tochter aus einer früheren Beziehung und Judiths Tochter aus erster Ehe.

Leonard „Lenny“ Schwartz, Detective Inspector der Mordkommission des NYPD, ein Alt-Achtundsechziger und höchst erfolgreicher Harvard-Absolvent jüdischer Abstammung, wurde wegen Bestechung aufs Eis gelegt und für fünf Jahre hinter den Schreibtisch verbannt, seine schöne, kluge Frau Karen, eine erfolgreiche Kunsthistorikerin, war ihm in dieser Zeit ein starker Rückhalt. Jetzt erhält er von seinem früheren Partner und jetzigen Vorgesetzten Tom Gallagher endlich wieder einen Fall – eine einmalige Gelegenheit, sich zu rehablitieren. Der Kunsthändler Alex Horvay ist von dem charismatischen Auftragskiller und Vietnamveteranen John Sheridan in einen Hinterhalt gelockt und ermordet worden. Einige Tage später erleidet ein Jogger dasselbe Schicksal, und kurz danach wird Lennys bester Freund, der Buchhändler Ed Ginsberg, brutal zusammengeschlagen – in kurzer Zeit drei schwule Opfer ohne weitere Gemeinsamkeiten. Bei seinen Ermittlungen trifft der zähe, instinktsichere und kreative Cop auf seinen Studienkollegen John Sheridan (im Gegensatz zum Leser weiss Lenny nicht Bescheid über dessen Beruf), auf Horvays Hauptkonkurrenten David Sylvester und schliesslich auf einen international operierenden Kunstfälscherring. ‚Die Puppe des Schneiders‘, eine originelle und rasante, mit Sexszenen etwas überladene Geschichte, kulminiert in einem haarsträubenden Finale im New Yorker Judenviertel.

Im zweiten Krimi wird der Sommerurlaub von Lenny und Karen in den Hamptons auf Long Island überschattet durch die Entdeckung der Leiche von Victor Amboys, Autor, Historiker und Experte für die komplizierten Landbesitz-Verhältnisse in dieser Region, wo die Weissen und die Indianer des Shinnecock-Reservats nebeneinander leben – und sich tunlichst aus dem Weg gehen. Tom Gallagher bittet Lenny, seinem jungen Neffen Ginger Whelehan, der hier als Cop arbeitet, bei den Recherchen ein wenig auf die Finger zu schauen, doch dessen Vorgesetzte haben sich bereits auf den geistig behinderten Enkel des Häuptlings Sun Johnson als Täter festgelegt. Dass Amboys‘ Unterlagen zu einem wertvollen, ursprünglich den Indianern gehörenden Stück Land verschwunden sind, lässt die Polizisten kalt. Als Lenny ein wenig herumzuschnüffeln beginnt und den Einheimischen sowie den Vertretern einer russischen Künstlerkolonie, die sich auf dem strittigen Boden eingenistet hat, ein paar unbequeme Fragen stellt, wird ein erster Anschlag auf ihn verübt. Doch der smarte Bulle ist auf der Hut und lässt sich auch durch die sich anbahnende Ehekrise nicht beirren.

Bibliografie:

Lenny Schwartz-Krimis: ‚Taylor’s Dummy‘ – ‚Die Puppe des Schneiders‘ (1986), ‚Hampton Heat‘ – ‚Tod im Sand‘ (1988), ‚Virgil’s Ghost‘ (1989);

Einzelwerk: ‚Stealing Home‘ (2004).