(*1944?)

Boualem Sansal kam 1944 (vielleicht auch erst 1949) als Sohn einer algerischen Mutter und eines marokkanischen Vaters im nordalgerischen Dorf Tenient el Had zur Welt. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Mutter mit den vier Söhnen zu ihren Eltern nach Südwest-Algerien. Infolge des Bürgerkriegs liess sich die Familie 1956 in Algier nieder. Während eines längeren Aufenthalts in der Tschechoslowakei heiratete Sansal Ende der 60er-Jahre die tschechische Studentin Anicka. Sie liessen sich in im algerischen Städtchen Boumerdès nieder und hatten zwei Töchter. Nach einigen Jahren kehrte Anicka mit den Kindern nach Prag zurück.

Von 1968 bis 1972 studierte Sansal Ingenieurwesen und Ökonomie mit einer Promotion in Volkswirtschaftslehre. Danach war der inzwischen mit der Algerierin Naziha verheiratete Unternehmer als technischer und ökonomischer Berater tätig, bis er 1992 als hoher Beamter eine Stelle im algerischen Industrieministerium annahm. 2003 wurde er wegen seiner subversiven politischen Haltung aus dem Amt entlassen. 2011 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Wegen „Gefährdung der territorialen Integrität des Landes“ wurde Sansal, ein scharfer Kritiker des algerischen Regimes, im November 2024 festgenommen und zu fünf Jahren Haft verurteilt. Nach einem Gnadengesuch des deutschen Bundespräsidenten wurde der an Prostatakrebs erkrankte algerisch-französische Doppelbürger freigelassen und zur medizinischen Behandlung nach Deutschland transferiert. Heute lebt er mit seiner Frau in Paris.

Nachdem Sansal in den frühen 90er-Jahren mehrere technische Fachbücher veröffentlicht hatte, gab er sein belletristisches Debüt 1999 mit dem Spannungsroman ‚Der Schwur der Barbaren‘. Es folgten weitere Romane sowie Sachbücher, Novellen und Essays.

‚Der Schwur der Barbaren‘, eine vielschichtige, anspruchsvolle Geschichte, spielt in der öden algerischen Industriestadt Rouiba, wo am selben Tag zwei Männer ermordet werden: Moh, der mächtige Pate der Region, und Abdallah Bakour, ein armer Landarbeiter, der kürzlich aus Frankreich zurückgekehrt ist. Bei seinen hartnäckigen Ermittlungen entdeckt der kurz vor der Pensionierung stehende Kommissar Larbi erstaunliche Zusammenhänge zwischen den beiden Morden. Zusammenhänge, die die algerischen Machthaber lieber unter den Teppich gekehrt hätten. Dem sprachgewandten, stilistisch versierten Autor dient der Kriminalfall dazu, die scheussliche neuzeitliche Geschichte seines Landes – Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich, Militärputsch, Bürgerkrieg – mit bissiger Ironie zu schildern.

Bibliografie:

‚Le serment des barbares‘ – ‚Der Schwur der Barbaren‘ (1999).