(*1949)

Boualem Sansal kam in dem nordalgerischen Dorf Tenient el Had zur Welt. Nach dem frühen Tod des Vaters zog die Mutter mit ihren vier Söhnen zu ihren Eltern nach Südwest-Algerien, 1956 liess sich die Familie infolge des Bürgerkriegs in Algier nieder. Von 1968 bis 1972 studierte Sansal Ingenieurwesen und Ökonomie mit einer Promotion in Volkswirtschaftslehre. Danach war er als Unternehmer sowie technischer und ökonomischer Berater tätig, bevor er 1992 als hoher Beamter eine Stelle im algerischen Industrieministerium annahm. 2003 wurde er wegen seiner kritischen politischen Haltung aus dem Amt entlassen. Er lebt mit seiner zweiten Frau und seinen beiden erwachsenen Töchtern in Boumerdès in der Nähe von Algier und widmet sich vornehmlich dem Schreiben von Romanen, Sachbüchern und Essays.

Nachdem Sansal in den frühen 90er-Jahren mehrere technische Fachbücher veröffentlicht hatte, gab er sein belletristisches Debüt 1999 mit dem Spannungsroman ‚Der Schwur der Barbaren‘. Die vielschichtige, anspruchsvolle Geschichte spielt in der öden algerischen Industriestadt Rouiba, wo am selben Tag zwei Männer ermordet werden: Moh, der mächtige Pate der Region, und Abdallah Bakour, ein armer Landarbeiter, der kürztlich aus Frankreich zurückgekehrt ist. Bei seinen hartnäckigen Ermittlungen entdeckt der kurz vor der Pensionierung stehende Kommissar Larbi erstaunliche Zusammenhänge zwischen den beiden Morden. Zusammenhänge, die die algerischen Machthaber lieber unter den Teppich gekehrt hätten. Dem sprachgewandten, stilistisch versierten Autor dient der Kriminalfall dazu, die scheussliche neuzeitliche Geschichte seines Landes – Unabhängigkeitskrieg gegen Frankreich, Militärputsch, Bürgerkrieg – mit bissiger Ironie zu schildern.

Bibliografie:

‚Le serment des barbares‘ – ‚Der Schwur der Barbaren‘ (1999).