(*1948)

Patrick Boman, geboren in Stockholm als Sohn eines schwedischen Vaters und einer französischen Mutter, aufgewachsen in Paris, studierte halbherzig Jura und orientalische Sprachen und verbrachte einen grossen Teil der 70er-Jahre als Bergbauer auf einer Landkommune in den französischen Cevennen. Anschliessend verrichtete er Gelegenheitsjobs. Nach ausgiebigen Reisen durch die asiatische Welt liess er sich wieder in Paris nieder und arbeitete lange Zeit als Chefkorrektor und technischer Redakteur für das Wochenblatt ’L’Express’, bis er sich ganz auf das Verfassen von Reiseberichten, Erzählungen und Romanen konzentrierte.

Bomans skurrile, im kolonialen Südindien – in einer unbenannten Stadt der Region Hindustan – um 1900 spielende Krimis (im Original sieben Bände) drehen sich um den britischen Inspektor mit dem schönen Namen Josaphat Mencius Peabody, eine schillernde Gestalt: Ein ständig schwitzender, fluchender und stinkende Zigarren rauchender Fettsack um die sechzig mit nichts als Frauen und Ernährung im Kopf und einer Vorliebe für blutrünstige Piratenromane; aber auch ein unbestechlicher, warmherziger, mit allen Gemeinheiten der menschlichen Natur vertrauter Ermittler, der versucht, in einem hochkorrupten, durch organisierte Kriminalität und Konflikte zwischen den Hindus und den Muslimen erschütterten Umfeld für ein wenig Ordnung zu sorgen. Wundervoller Lokalkolorit und funkensprühende humoristische Einlagen lockern die tiefschwarzen Romane auf.

Im Erstling ‚Peabody geht in die Knie‘ gerät die Bevölkerung der Stadt in blutige Aufruhr, als in einem Färbetopf der gekochte Rumpf eines Unbekannten mit aufgeschlitzter Kehle aufgefunden wird. Als kurz danach ein englischer Ingenieur zerstückelt wird, fällt Peabody ein Schriftstück in die Hände, das die Kolonialherren schwer belastet. Er legt sich mit dem schleimigen Gouverneur an, wird brutal zusammengeschlagen, hat wilden Sex mit einem jungen Mädchen, doch all dies hindert ihn nicht daran, seine Ermittlungen erfolgreich abzuschliessen.

‚Peabody geht fischen‘ konfrontiert den 250 Pfund wiegenden Schnüffler, der sich nach vierzig Jahren Dienst in Hindustan nicht mehr so leicht aus der Ruhe bringen lässt, in einem verschlafenen Fischerdorf mit der schlimm zugerichteten Leiche des zwielichtigen Rechtsanwalts Shantidas. Es geschehen weitere Morde, zwei junge Frauen werden vergewaltigt, ein Nahrungsmittelladen fliegt in die Luft – Verbrechen, die, wie schon jene im ersten Peabody-Krimi, nichts miteinander zu tun haben, und die Peabody mit Hilfe des angehenden Priesters Buonaventura souverän aufklärt, ohne auf erotische Eskapaden verzichten zu müssen.

Bibliografie:

Inspector Josaphat Peabody-Serie:

‚Peabody met un genou en terre‘ – ’Josaphat Peabody beugt das Knie’ (auch unter dem Titel ’Peabody geht in die Knie’, 2000), ‚Peabody se mouille‘ (2001), ‚Peabody secoue le cocotier‘- ‚Josaphat Peabody geht fischen‘ (auch unter dem Titel ’Peabody geht fischen’, 2002), ‚Peabody prend de la hauteur‘ (2005), ‚Peabody touche le fond‘ (2006), ‚Le malabar largue les amarres‘ (2006), ‚Peabody se rince l’oeil‘ (2013).