(*1961)

Vikram Chandra kam in Neu-Delhi zur Welt. Seine Mutter, Kamna Chandra, war eine der erfolgreichsten Drehbuchautorinnen der indischen Filmindustrie. Nach einem kurzen Aufenthalt am St. Xavier’s College in Mumbai, dem früheren Bombay, ging er mit zwanzig in die USA und studierte am kalifornischen Pomona College in Claremont, Abschluss 1984 in Englisch, Schwerpunkt Creative Writing. Danach besuchte er die Filmschule an der Columbia University, verliess diese jedoch vorzeitig, um – inspiriert von der Autobiografie des legendären anglo-indischen Soldaten Colonel James ’Sikander’ Skinner – zum Schreiben zu wechseln. Gleichzeitig absolvierte er Creative-Writing-Programme an der John Hopkins University und der University of Houston, lehrte später selbst Literatur und Schreiben und arbeitete als Computerprogrammierer, Software- und Hardware-Berater. 1995 erschien sein erster Roman ’Tanz der Götter’, 1997 folgte der Erzählband ’Die fünf Seiten des Lebens’, und 2000 war er Koautor des Drehbuchs zu ’Mission Kashmir’.

Im Jahr 2006, nach jahrelangen Recherchen in der Unterwelt Bombays, veröffentlichte der grandiose Stilist Chandra das 1350 Seiten umfassende Epos ’Sacred Games’ (er bekam für die US-Ausgabe eine Million Dollar Vorschuss!), das im deutschsprachigen Raum aus marktstrategischen Gründen zuerst in zwei Teilen unter den Titeln ’Der Gott von Bombay’ und ’Bombay Paradise’ herauskam und 2008 unter dem Titel ‚Der Pate von Bombay‘ als wohlfeiles Taschenbuch in seiner Gesamtheit aufgelegt wurde.

Es ist die Geschichte zweier Gegenspieler, die sich nie leibhaftig begegnet sind – des abgebrühten, attraktiven, frisch geschiedenen Sikh-Kriminalinspektors Sartaj Singh aus Bombay auf der einen, des schillernden Gangsterbosses Ganesh Gaitonde, ein Hindu, der sich viele Jahre auf der Flucht befand und kurz nach Beginn der Erzählung in einem Atombunker in Bombay Selbstmord begeht, nachdem er umittelbar davor noch eine junge Frau getötet hat, auf der anderen Seite. Chandra verknüpft die beiden Stränge miteinander – Sartajs Ermittlungen in der Gegenwart (was brachte Gaitonde dazu, sich umzubringen, und wer war die Frau an seiner Seite?) und Gaitondes Bericht über seine Lebensgeschichte, seinen Aufstieg vom einfachen Hitman zum Gangsterkönig Bombays – und entwirft dabei ein ungemein farbiges und detailreiches Bild der von organisierter Kriminalität, Korruption und Gewalt zerrissenen Metropole. ‚Sacred Games‘ wurde als sechzehnteilige Fernsehserie in zwei Staffeln für den Video-on-Demand-Anbieter Netflix produziert.

Verheiratet mit der Autorin und Dozentin Melanie Abrams, pendelt Vikram Chandra zwischen Mumbai und Oakland, Kalifornien, und unterrichtet Kreatives Schreiben an der University of California in Berkeley.

Bibliografie:

’Der Gott von Bombay’ (’Sacred Games’ Teil I, 2006), ’Bombay Paradise’ (’Sacred Games’ Teil II, 2006)