(*1944)

Geboren als Sohn eines Pfarrers im ostbelgischen Städtchen Eupen, verbrachte Peter Höner seine Schulzeit im Kanton Zürich. Danach ging er an die staatliche Hochschule für darstellende Kunst und Musik in Hamburg. Seine ersten Bühnenrollen spielte er in Bremen. Es folgten Stationen an der Neuen Volksbühne in Berlin, am Stadttheater Basel und am Nationaltheater Mannheim, ehe er am selbstbestimmten Theater „Claque“ Baden, Kanton Aargau, einen neuen, unkonventionellen Weg verfolgte und auch Regie führen konnte. Ab 1981 lebte und arbeitete er als freier Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler in verschiedenen Orten des Kantons Aargau.

Im Jahr 1986 verliess Höner die Schweiz, um die nächsten vier Jahre in der kenianischen Hauptstadt Nairobi zu verbringen, wo seine Frau Silvia eine Stelle als Afrikakorrespondentin antrat und er sich für die Krimiserie um sein alter Ego, den gelassenen, Gewalt verabscheuenden Zürcher Privatdetektiv und ehemalige Polizisten Jürg Mettler, inspirieren liess. Die folgenden zehn Jahre verbrachte das Ehepaar wieder im Aargau, danach zog es für vier Jahre nach Wien. Seit 2004 lebt Peter Höner in einem alten Weinbauernhaus auf dem Iselisberg im Thurgau.

In ‚Rafiki Beach Hotel‘, dem ersten Band des Fünfteilers, bekommt Mettler von einer Frau den Auftrag, auf der kleinen Insel Lamu an der kenianischen Ostküste ihrer Mutter Gertrud Hornacker, einer reichen, lebenslustigen Schweizer Witwe um die fünfzig, die sich dort vor einigen Monaten niedergelassen hat, auf den Zahn zu fühlen, bevor sie ihr ganzes Vermögen verschleudert. Mettler kennt die Insel von früher her: Vor zwanzig Jahren frönte er hier dem Hippieleben und zeugte, wie er erst jetzt erfährt, mit der Kenianerin Alice einen Sohn namens Ali. Kaum auf Lamu angekommen, erfährt er, dass Gertruds Leiche gleichentags aus dem Wasser gefischt worden ist – Tod durch Ertrinken oder Mord? Robinson Nyoroge Tetu, Chef der Kriminalpolizei, leitet die Ermittlungen und findet heraus, dass sie die Geliebte eines „Beachboys“ war, und dass sie das einzige Hotel auf der Insel, das ‚Rafiki‘, kaufen wollte. Als ein paar Tage später ein älterer Italiener, der sich ebenfalls für das ‚Rafiki‘ interessiert hat, auf dieselbe Art ums Leben kommt, ist sich Mettler sicher, dass ein Mörder am Werk ist. Er tut sich mit Tetu zusammen, wird brutal zusammengeschlagen, und dann überstürzen sich Ereignisse.

Im Nachfolgeband ‚Das Elefantengrab‘ sind Mettler und Alice Besitzer des Hotels ‚Rafiki‘, was den Detektiv zum Ärger seiner Gefährtin nicht daran hindert, mit Tetu in den für seine Elefanten berühmten, immer wieder von Elfenbein-Wilderern heimgesuchten Mulika Range Nationalpark zu fliegen, wo die mit ihm befreundete Tierforscherin Jill Parker vermisst wird. Bei der fieberhaften Suche nach ihr stossen die beiden Ermittler auf eine grauenvoll massakrierte Elefantenherde, später, bei einem Alleingang durch den Park, stolpert Mettler über Jill Parkers sterbliche Überreste, gerät in einen gewaltigen Buschbrand, wieder überfallen und gefangen genommen. Gelingt es Tetu, seinen Freund zu retten und die Drahtzieher des Gemetzels zu überführen? Im Showdown erhält er tatkräftige Unterstützung durch den legendären Elefantenbullen Hannibal – das mächtigste Exemplar seiner Gattung in Afrika.

‚Seifengold‘ handelt von illegalen Geldgeschäften. Gold im Wert von vielen Millionen Dollar wird in Kenia unterschlagen, aus dem Land geschafft, in einer Schweizer Bank gewaschen und landet in den Taschen einiger reicher Weissen – Kenias Finanzminister Kimele zieht die Fäden. Tetu, der vor zwei Jahren in ein Wüstenkaff strafversetzt worden ist, ermittelt gleichzeitig den mit Kimeles Machenschaften zusammenhängenden Mord an einem Geheimagenten. In einem Seitenstrang befasst sich Höner mit Mettlers Leben als Familienvater, Hotelier und Gelegenheitsdetektiv. Sein in Zürich lebender Sohn Ali ist soeben Vater geworden, worauf Alice Hals über Kopf in die Schweiz reist, um ihren Enkel zu sehen, obwohl auf Lamu der Touristen-Ansturm unmittelbar bevorsteht und Tetu im Kampf gegen die organisierte Kriminalität dringend Mettlers Unterstützung braucht. Erst recht, als sich herausstellt, dass Alis Lebenspartnerin Christina bis zur Geburt für die ‚Swiss Consulting Group“ arbeitete, die ein wichtiges Glied der Goldschmuggel-Kette darstellt. Doch auch Mettler scheint keine blütenweisse Weste zu trage.

‚Wiener Walzer – Mord im Euronight‘ spielt im Nachtzug Zürich-Wien. Mettlers Frau Alice ist vor sieben Monaten an Malaria gestorben, Ali hat sich nach der Scheidung in Wien niedergelassen. Mettler, der seine Einsamkeit im Alkohol ertränkt, ist auf dem Weg zu ihm, als er im Schlafwagen von der biestigen TV-Moderatorin Dorin Wolf um Hilfe gebeten wird, nachdem ein Mitreisender ihr in einem Drohbrief angekündet hat, dies sei ihre letzte Fahrt. Im Zug befindet sich auch die scharfzüngige Bühnenautorin Melitta Strauss, die Wolf vor kurzem verbal angegriffen hat. Und ein Junger Mann, den Wolf unlängst aus ihrer Sendung geworfen hat. Höner erzählt die turbulente, immer wieder ironisch auf Christies Krimi ‚Mord im Orientexpress‘ Bezug nehmende Geschichte mit viel Humor – und lässt sie mit einer traurigen Pointe enden.

Höners sperrigster Krimi ‚Kenia Leak‘ ist in der Schweiz angesiedelt, auf dem idyllischen Iselisberg im Thurgau, wo Mettler mit seinem Enkel Moody lebt und mit einer guten Freundin ein Asylanten-Durchgangsheim betreibt. Zu seiner Überraschung taucht eines Tages der erblindete Ex-Polizist Tetu – die beiden Freunde haben sich vor vielen Jahren aus den Augen verloren – mit seiner aufmüpfigen Enkelin Naomi bei ihm auf, vordergründig um seine Augen operieren zu lassen, in Wahrheit aber, weil er in den Besitz von vier CDs gekommen ist, deren Inhalt seinen langjährigen Intimfeind, den ehemaligen kenianischen Finanzminister Kimele, schwer belastet. Die beiden alten Knaben gehen jedoch dermassen unbedarft mit dem heissen Material um, dass Kemeles Männer ihnen schon bald auf die Schliche kommen. Ein dramatisches Finale bildet den Abschluss der fünfteiligen Reihe.

In seinen vier Kenia-Krimis entwirft der glänzende Stilist und Menschenkenner ein vielschichtiges Bild des von Korruption, Steuerbetrug, Macht- und Geldgier gebeutelten zentralafrikanisches Landes, in dem die islamische Bevölkerung und die europäischen Touristen und mehr oder weniger halbseidenen Geschäftsleute wuchtig aufeinanderprallen. Viel Raum schenkt er der aussergewöhlichen Freundschaft zwischen den beiden oft etwas überfordert wirkenden Ermittlern Mettler und Tetu, die in ‚Kenia Leak‘ einer harten Prüfung unterzogen wird, und detailreichen, poetischen Naturschilderungen.

Mettler-Serie: ‚Rafiki Beach Hotel‘ (1990), ‚Das Elefantengrab‘ (1992), ‚Seifengold‘ (1995), ‚Wiener Walzer – Mord im Euronight‘ (2003), ‚Kenia Leak‘ (2017).