(1904-1966; schrieb auch als Maxwell Marsh)

Margery Louise Allingham wurde als ältere von zwei Töchtern einer Schriftstellerfamilie im Londoner Vorort Ealing geboren und wuchs im ländlichen Dorf Layer Breton, Essex, in einem Haus auf, in dem Autoren und Journalisten ein- und ausgingen. Sie besuchte eine Privatschule in Cambridge und veröffentlichte bereits mit neunzehn ihren ersten Roman ‚Blackkerchief‘, eine Piratenromanze. 1920 kehrte sie nach London zurück, um am Regent Street Polytechnic Drama und Sprechtraining zu studieren.

Im Jahr 1927 heiratete sie den Künstler und Autor Philip Youngman Carter, der sie zeitlebens beim Schreiben unterstützte. Nach ein paar Theaterstücken, einer weiteren Romanze, zahlreichen Stories für Zeitschriften und dem Standalone ‚Ein böser Nachbar‘ gab sie 1929 ihren ersten (noch etwas unausgegorenen) Krimi um den Privatdetektiv Albert Campion heraus (‚Mord in Black Dudley‘), wobei dieser hier nur eine Nebenrolle spielt und zunächst sogar zu den Verdächtigen gehört. Fortan zählte sie zusammen mit Agatha Christie, Dorothy Sayers und Ngaio Marsh zu den vier grossen Damen des britischen „Golden Age“. Allingham starb 62-jährig in Colchester, Essex, an Krebs.

Mr Albert Campion (ein Pseudonym, das er sich zuzog, als er von seiner hochadligen Familie verstossen wurde), ein spleeniger, am 15. Mai 1900 geborener und mehr oder weniger in Echtzeit alternder Privatdetektiv mit blassem Gesicht und dicker Hornbrille, der seinen scharfen Verstand hinter trottligem Benehmen verbirgt, ermittelt in London. Dabei kann er sich stets auf die Unterstützung durch den ehemaligen Safeknacker Magersfontein Lugg verlassen, einen schlauen, fetten Glatzkopf und Sprücheklopfer, der mit der einheimischen Unterwelt bestens vertraut ist. Anfang der 40er-Jahre heiratet er Lady Amanda Fitton, nachdem sie ihm in ‚Judaslohn‘ aus der Klemme geholfen hat. In der Folge mausert sich Campion vom abenteuerlustigen Exzentriker zum soliden Familienvater, der Stanislaus Oates von Scotland Yard zu seinen besten Freunden zählt.

Die humorvolle, sprachlich und stilistisch gelungene, mit eleganten Plots aufwartende Reihe lebt von originellen Gestalten, farbigen Milieuschilderungen und romantischen Szenen, bezieht ihren Reiz jedoch auch aus übernatürlichen Elementen und albernen Dialogen. Sie enthält neunzehn Romane und gegen dreissig Kurzgeschichten. Philip Youngman Carter ergänzte sie nach dem Tod seiner Frau um zwei weitere Titel, bevor er 1969 starb.

Wem die Zeit fehlt, die ganze Serie chronologisch zu lesen, dem seien ‚Polizei am Grab‘ (hier hat die Autorin zu ihrem Stil gefunden), ‚Süsse Gefahr‘ (der Roman, in dem Campion seine zukünftige Frau kennenlernt) und ‚Die Spur des Tigers‘ (ein harter, düsterer Thriller) ans Herz gelegt – eine Empfehlung, über die sich streiten lässt.

Bibliografie (nur Kriminalromane):

Albert Campion-Serie: ‚The Crime at Black Dudley‘ (auch unter dem Titel ‚The Black Dudley Murder‘) – ‚Der italienische Dolch‘ (auch unter dem Titel ‚Mord in Black Dudley‘, 1929), ‚Mystery Mile‘ – ‚Gefährliches Landleben‘ (1930), ‚Police at the Funeral‘ – ‚Polizei am Grab‘ (1931), ‚Look at the Lady‘ (auch unter dem Titel ‚The Gyrth Chalice Mystery‘) – ‚Der Hüter des Kelchs‘ (auch unter dem Titel ‚Achten Sie auf die Dame‘, 1931), ‚Sweet Danger‘ (auch unter den Titeln ‚Kingdom of Death‘ und ‚The Fear Sign‘) – ‚Süsse Gefahr‘ (1933), ‚Death of a Ghost‘ – ‚Wenn Geister sterben‘ (auch unter dem Titel ‚Ein Gespenst stirbt‘, 1934), ‚Flowers for the Judge‘ – ‚Blumen für den Richter‘ (auch unter dem Titel ‚Für Jugendliche nicht geeignet‘, 1936), ‚The Case of the Late Pig‘ – ‚Der Fall Pig‘ (1937), ‚Dancers in Mourning‘ (auch unter dem Titel ‚Who Killed Chloe?‘) – ‚Tänzer in Trauer‘ (1937), ‚The Fashion in Throuds‘ – ‚Mode und Morde‘ (1938), ‚Traitor’s Purse‘ (auch unter dem Titel ‚The Sabotage Murder Mystery‘) – ‚Judaslohn‘ (1941), ‚The Coroner’s Pidgin‘ (‚auch unter dem Titel ‚Pearls Before Swine‘) – ‚Zur Hochzeit eine Leiche‘ (1945), ‚More Work for the Undertakler‘ – ‚Überstunden für den Totengräber‘ (1948), ‚The Tiger in the Smoke‘ – ‚Die Spur des Tigers‘ (1952), ‚The Beckoning Lady‘ (auch unter dem Titel ‚The Estate of the Beckoning Lady‘) – ‚Trau keiner Lady‘ (auch unter dem Titel ‚Die lockende Frau‘, 1955), ‚Hide My Eyes‘ (auch unter den Titeln ‚Tether’s End‘ und ‚Ten were Missing‘) – ‚Schlag mich mit Blindheit‘ (1958), ‚The China Governess‘ – ‚Der Geist der Gouvernante‘ (1962), ‚The Mind Readers‘ – ‚Gedankenschnüffler‘ (1965), ‚Cargo of Eagles‘ – ‚Verschwundene Fracht‘ (1968);

Albert Campion-Romane von Philip Youngman Carter: ‚Mr. Campion’s Farthing‘ – ‚Der zweite Anruf‘ (1969), Mr. Campion’s Quarry‘ (auch unter dem Titel Mr. Campion’s Falcon‘) – ‚Trick 17‘ (1970);

Einzelwerke: ‚The White Cottage Mystery‘ – ‚Ein böser Nachbar‘ (1928), ‚Black Plumes‘ – ‚Schwarze Pflaumen‘ (1940).