(1912-1980)

Margot Bennett, geborene Mitchell, kam in der schottischen Kleinstadt Lenzie, East Dunbartonshire, zur Welt und erhielt ihre schulische Ausbildung in Schottland und Australien. In der ersten Hälfte der 30er-Jahre war sie als Werbetexterin in Sydney und London tätig, danach legte sie als Krankenschwester im Spanischen Bürgerkrieg Hand an. 1938 heiratete sie Richard Bennett; sie hatte mit ihm eine Tochter und drei Söhne.

Von 1945 bis 1958 verfasste Bennett sechs Krimis, zwei Kriminalgeschichten, zwei Theaterstücke, ein Sachbuch sowie vier Romane, die nicht zum Krimigenre gehören. Danach beendete sie ihre belletristische Laufbahn, um bis Ende der 60er-Jahre vornehmlich für das Fernsehen zu arbeiten. 1964 publizierte sie ein Sachbuch mit dem bemerkenswerten Titel ‚The Intelligent Woman’s Guide to Atomic Radiation‘. Über ihre letzten Lebensjahre ist nichts bekannt. Margot Bennett starb am 6. Dezember 1980 im Alter von 68 Jahren in London.

In ihren stärksten Krimis (‚…und plötzlich war sie Witwe‘, ‚Einer blieb zurück‘ und ‚Jemand aus der Vergangenheit‘) glänzt Bennett mit sauberen Plots, raffinierten Täuschungsmanövern, Sprachwitz, feinem Humor und prägnanten Charakter- und Milieuzeichnungen.

‚…und plötzlich war sie Witwe‘ ist Bennetts Meisterwerk. Hauptakteur der verwickelten (in der dritten Person erzählten) Geschichte ist Hugh Everton, ein junger Ex-Diplomat, der vor einigen Jahren wegen Scheckbetrugs in einem französischen Gefängnis einsass und jetzt für ein Reiseunternehmen als Gastrokritiker unterwegs ist. In einem schäbigen Lokal trifft er auf seine alte Flamme, das Miststück Lucie, für das er damals in Frankreich den Kopf hingehalten hat, und ihre Entourage, bestehend aus Ehemann Gregory Bath, einem 70-jährigen hartherzigen Richter im Ruhestand, und zwei zwielichtigen Burschen. Als Everton sich für einen Drink und ein paar Runden Bridge in Lucies Haus einladen lässt, wird Bath im Nebenzimmer erschossen – und Everton stellt sich die Frage, ob er Lucie ein zweites Mal auf den Leim gekrochen ist.

‚Jemand aus der Vergangenheit‘ kreist um sechs Figuren: Die Ich-Erzählerin Nancy, Journalistin und Romanautorin, und ihre engste Freundin (sowie frühere Arbeitskollegin und Mitbewohnerin) Sarah, eine schöne, von den Männern begehrte Frau auf der einen, und vier von Sarahs zahlreichen Ex-Geliebten – Peter, ein verrufener, aber charismatischer Krimineller, Laurence, ein unscheinbarer und etwas wehleidiger Journalist, der aufbrausende Schauspieler Mike (mit ihm war Sarah sogar verheiratet) und Nancys derzeitiger Freund Donald, ein Kunstmaler, auf der anderen Seite – sie alle wurden von Sarah verlassen. Und jetzt, als Sarah kurz vor der Heirat mit einem Fabrikdirektor steht, wird sie durch einen von ihnen mit anonymen Briefen bedroht und kurz danach in ihrer Wohnung erschossen. Als Nancy erfährt, dass Donald zur Tatzeit in Sarahs Wohnung seinen Rausch ausschlief, verstrickt sie sich immer tiefer in einem Netz von Lügen, um ihrem Freund zu helfen, den sie im Grunde gar nicht mehr so richtig liebt, gerät nun selbst unter Tatverdacht – und löst den Fall auf eigene Faust. ‚Jemand aus der Vergangenheit‘, ein spritziger Mix aus psychologischer Studie, Beziehungsdrama und Whodunit, lebt von der sympathischen und scharfzüngigen, immer wieder mit treffsicheren Sprüchen aufwartenden und ihre prekäre Lage mit viel Selbstironie reflektierenden Ich-Erzählerin und der intelligenten Darstellung des Beziehungsgeflechts, in dem die Hauptakteure gefangen sind.

Bibliografie:

‚Time to Change Hats‘ (1945), ‚Away Went the Little Fish‘ (1945), ‚The Widow of Bath‘ – ‚…und plötzlich war sie Witwe‘ (1952), ‚Farewell Crown and Goodbye King‘ – ‚Schatten um den König‘ (1952), ‚The Man Who Didn’t Fly‘ – ‚Einer blieb zurück‘ (1955), ‚Someone for the Oast‘ – ‚Jemand aus der Vergangenheit‘ (1958).