(1900-1960; schrieb auch als Toussaint-Juge)

Pierre Véry wurde als Enkel eines Grossgrundbesitzers und Sohn eines politisch engagierten Mathematiklehrers und späteren Stoffhändlers auf einem Bauernhof in dem Weiler Bellon, Département Charente, geboren und verbrachte dort seine ersten zwölf Lebensjahre. Seine Mutter starb, als er dreizehn war, sein älterer Bruder kehrte nicht aus dem Ersten Weltkrieg zurück.

Nach der Schulzeit im Internat Sainte-Marie de Meaux verrichtete Véry unzählige Gelegenheitsjobs, versuchte sich als Radrennfahrer und reiste ein wenig herum. 1924 eröffnete er in Paris das Buchantiquariat ‚Galerie du Zodiaque‘, das er bis 1932 betrieb. Daneben schrieb er für Fachorgane wie ‚Journal littéraire‘, ‚Revue européenne‘ und ‚Paris-Journal‘. 1929 gab er seinen ersten, durch seine Jugendzeit inspirierten Roman ‚Pont-Egaré‘ heraus. Der Durchbruch gelang ihm ein Jahr später mit dem unter dem seltsamen Pseudonym Toussant-Juge publizierten, in England angesiedelten Tüftelkrimi ‚Le Testament de Basil Crookes‘ – er gewann damit den ersten Preis des ‚Grand Prix du Roman d’Aventures‘.

Früh schon setzte Véry sich zum Ziel, die Kriminalliteratur zu erneuern: Mit poetischen, humorvollen Romanen – „Märchen für Erwachsene“ bzw. „romans de mystere“. Und Véry war ein produktiver, vielseitiger, von seinen jüngeren Kollegen verehrter Autor. Er verfasste 28 (meist im ländlichen Frankreich spielende) Krimis, zwei Sciencefiction- und ein paar andere Romane, sowie Jugendbücher, Novellen und zwei Dutzend Filmskripte. Sein berühmtester Krimi ist ‚Les disparus de Saint-Agil‘, der fünfte von sieben Bänden der Serie um den detektivisch tätigen Pariser Anwalt Prosper Lepicq.

Aus Vérys Kriminalwerk ist einzig ‚Böser Traum um braches Land‘ ins Deutsche übertragen worden, eine wunderbare, stilistisch brillante Geschichte aus der nordfranzösischen Provinz. Im Mittelpunkt steht ein grosses, ödes Stück Land in der fiktiven Kleinstadt Neugate-sur-Touques im Département Calvados, auf dem – geht es nach den Wünschen der Mächtigen der Region – wahlweise ein Stadtpark, ein Sanatorium, Schlachthäuser, eine Kathedrale, eine Radrennbahn, ein Observatorium oder ein anderes Luftschloss – gebaut werden soll. Hitzige Diskussionen sind in vollem Gange, als der alte Mediziner Professor Favreau (Sanatorium-Projekt) erschlagen aufgefunden wird, kurz danach beisst auch der Bürgermeister (Stadtpark-Projekt) ins Gras. Eine zentrale Rolle spielt der für die Planung verantwortliche Architekt Nicolas Niel, der sich unsterblich in die junge, erst seit kurzem im Ort lebende Vietnamesin Dam-Van verliebt hat, die Verlobte des Asienforschers Jacques Maudit, der nicht nur der Besitzer des umstrittenen Grundstücks ist, sondern auch Niels bester Freund. Kurz nach den beiden Morden trifft die Nachricht ein, dass Maudit bei einer Expedition im Urwald einer Infektion erlegen ist und das Brachland seiner Verlobten vermacht hat. Die Bevölkerung (vor allem ihr weiblicher Teil) gerät nun ausser Rand und Band – mit Dam-Van, der schönen Fremden, als Zielscheibe ihres Hasses.

Kurz vor seinem 60. Geburtstag erlag Pierre Véry in Paris einer Herzattacke. Er hinterliess seine Frau Jeanne, mit der er seit 1939 verheiratet war, und seine drei Kinder, Madeline, Dominique und Noël.

Bibliografie :

‚Le testament de Basil Crookes‘ (1930), ‚Danse à l’ombre‘ (1930), ‚Les métamorphoses‘ (1931), ‚Calvier universel‘ (1933), ‚Le meneur de jeux‘ (1934), ‚Les quatre vipères‘ (1934), ‚Les trois Claude‘ (1936), ‚Goupi mains-rouges‘ (1937), ‚Mam’zelle Bécot‘ (1937), ‚Les veillés de la tour pointue‘ (1937), ‚Monsieur Malbrough est mort‘ (1937), ‚L’inspecteur Max‘ (1937), ‚Série de sept‘ (1938), ‚Madame et le mort‘ (1940), ‚Mort depuis 100’000 ans‘ (1941), ‚L’assassin a peur la nuit‘ (1942), ‚L’inconnu du terrain vague‘ – ‚Böser Traum um braches Land‘ (1943), ‚Histoire de brigands‘ (1943), ‚Les anciens de Saint-Loup‘ (1944), ‚Le costume des dimanches‘ (1948), ‚Goupi mains-rouges à Paris‘ (1948);

Prosper Lepicq-Serie : ‚Meurtre quai des orfèvres‘ (1934), ‚Monsieur Marcel des pompes funèbres‘ (1934), ‚L’assassinat du père Noël‘ (1934), ‚Le réglo‘ (1935), ‚Les disparus de Saint-Agil‘ (1935), ‚Le gentleman des antipodes‘ (1936), ‚Le Thé des vieilles dames‘ (1937).