(Pseudonym für Noëlle Loriot, 1925-2009)

Noëlle Loriot kam in Paris zur Welt und besuchte dort der Reihe nach das Collège Jeanne d’Arc, das Lycée Lamartine und das Institut des hautes études cinématographiques (heute: Fémis, die bekannteste Filmhochschule Frankreichs). Nach einem langen Aufenthalt in Südamerika mit ihrem Mann, einem Filmemacher, arbeitete sie als Journalistin beim Wochenblatt ‚Nouveau Candide‘, daraufhin als Redakteurin beim Verlagshaus ‚Editions Grasset‘ und schliesslich als Krimikritikerin beim Magazin ‚L’Express‘. Parallel dazu verfolgte sie ab 1959 eine Karriere als freie Autorin.

Loriot verfasste ein Dutzend Krimis unter dem Pseudonym Laurence Oriol sowie fünf weitere Krimis, acht andere Romane und eine Biografie der Chemie-Nobelpreisträgerin Irène Joliot-Curie, der älteren Tochter von Marie und Pierre Curie, unter bürgerlichem Namen. Darüber hinaus leitete sie von 1982 bis 1983 die Krimireihe ‚Sueurs froides‘ des ‚Denoël‘ Verlags, und zu Beginn der 90er-Jahre kreierte sie die höchst erfolgreiche, auf drei ihrer Romane basierende Fernsehserie ‚Le juge est une femme‘ mit der jungen Pariser Untersuchungsrichterin Florence Larrieu als Protagonistin.

In ihren sozialkritischen, mit fein-ironischem Unterton erzählten Geschichten behandelt die Autorin auf sensible und facettenreiche Art die Themen Rassismus, Gewalt und Sexualität. ‚Kurzschluss‘, Oriols bekanntester Krimi, für den sie 1966 mit dem ‚Grand prix de littérature policière‘ ausgezeichnet wurde, kreist um vier gegensätzliche Charaktere – Vincent Debosse, ein etwas naiver Arzt in Ausbildung; sein Vorgesetzter Guillaume Brassart, genannt der „Grosse B“, ein glänzender Chirurg und skrupelloser Karrierist; die schöne, von ihrem Mann vernachlässigte Louise Brassart; und Brassarts derzeitige Liebhaberin Danielle Fellegrini, schön, ehrgeizig und nicht mehr ganz jung -, die einander hoffnungslos ausgeliefert sind, sich gegenseitig quälen, ihre hässlichen Spielchen miteinander treiben – bis zum tödlichen Ende.

Bibliografie:

Als Laurence Oriol:

‚A cœur ouvert‘ (1963), ‚La chasse aux innocents‘ (1965), ‚L’interne de service‘ – ‚Kurzschluss‘ (1966), ‚Un meutre, ca fait grandir‘ – ‚Die schweigende Zeugin‘ (1967), ‚On tue pour moins que cela‘ – ‚Meine Kinder, die Mörder‘ (1968), ‚Le cas de Renaud Ball-Henstin‘ – ‚Besondere Kennzeichen: Keine‘ (1970), ‚Un crime par jour‘ – ‚Hysterie‘ (1971), ‚Mieux valait tuer‘ (1972), ‚Trop jeune pour mourir‘ (1973), ‚Ma jeunesse assassinée‘ – ‚Ausgeflippt‘ (1981), ‚Le tueur est parmis nous‘ (1983), ‚Le domaine du prince‘ (1990).

Als Noëlle Loriot:

Le juge est und femme-Romane: ‚L’inculpé‘ (1991), ‚Prière d’insérer‘ (1993), ‚Affaire de famille‘ (1997);

Einzelwerke: ‚Les méchantes dames‘ (1995), ‚Meurtrière bourgeoisie‘ (2004), ‚Souriez, on va vous tuer‘ (2006).