(Pseudonym für Martin Gunnar Serner, 1886-1947)

Geboren im schwedischen Lösen, Blekinge, als Sohn eines mittellosen Pfarrers, aufgewachsen in Bosarp, Mittelskane, studierte Martin Gunnar Serner im Eilzugstempo Anglistik an der Universität Lund, die Promotion über den viktorianischen Dichter Algernon Swinburne folgte, als er gerade 24-jährig war – doch dann geriet seine viel versprechende Laufbahn ins Stottern: Wegen Kreditschwindels steckbrieflich von Interpol gesucht, befand er sich ab 1912 auf der Flucht quer durch Europa mit längeren Stationen in Hamburg, London und Monte Carlo, wo er die ganze Beute verzockte.

Daraufhin legte sich Serner das Pseudonym Frank Heller zu, begann Reportagen, satirische Porträts, Reiseberichte, Novellen, Gedichte, Abenteuer- und Detektivgeschichten zu schreiben – und wurde einer der erfolgreichsten europäischen Krimiautoren seiner Zeit. 1919 beglich er seine Schulden zu Gunsten von Straffreiheit. Er kehrte nach Schweden zurück, heiratete im folgenden Jahr die dänische Krankenschwester Annie Krag und kaufte sich ein Haus auf der dänischen Insel Bornholm, wo er danach mit seiner Frau die meiste Zeit verbrachte. Mit 61 Jahren starb er in einem Krankenhaus in Malmö.

Frank Heller hat zwei originelle Krimifiguren zum Leben erweckt: Im Jahr 1914 den international operierenden Gentleman-Betrüger und Gelegenheitsermittler Filip Collin alias Professor Pelotard aus Schweden, Hauptfigur in elf Romanen und drei Novellensammlungen, ein schlitzohriger Bonvivant mit messerscharfem Verstand, der nichts ernst nimmt, nicht einmal sich selbst, und dessen Lebenslauf jenem seines Erfinders ähnelt – Vorbild war vermutlich Maurice Leblancs Romanfigur Arsène Lupin; und vierzehn Jahre später den übergewichtigen jüdischen Psychoanalytiker und Hobbydetektiv Dr. Joseph Zimmertür aus Amsterdam, Held des Romans ‚Marco Polos Millionen‘ und zahlreicher Kurzgeschichten, deren beste auf Deutsch unter dem Titel ‚Die Diagnosen des Dr. Zimmertürs‘ erschienen sind.

Hellers belletristische Werke, von denen fünf verfilmt wurden, haben bis heute kaum Staub angesetzt. Sie leben von witzigen, bisweilen absurden Szenen, schönen Milieuschilderungen und skurrilen Figuren. ’Des Kaisers alte Kleider’, der vierte Band der Filip Collin-Serie, gilt gemeinhin als Hellers grösster Wurf.  Er ist 1997 bibliophil aufgemacht in Mirko Schädels (Ende 2014 leider geschlossener) Verlagsbuchhandlung ‚Achilla Press‘ wieder aufgelegt worden.

Bibliografie:

Filip Collin-Serie: ‘Herr Collins affärer i London’ – ’Herr Collins Abenteuer’ (auch unter dem Titel ‘Herrn Filip Collins Abenteuer’; Novellen,  1914), ‘Storthertigens finanser’ – ‘Die Finanzen des Grossherzogs’ (1915), ‘Herr Collins sällsamma äventyr’ – ‚Lavertisse macht den Haupttreffer’ (Novellen, 1916), ‘Keysarens gamla kläder’ – ‘Des Kaisers alte Kleider’ (auch unter dem Titel ‘Der gelbe und der gründe Faden’, 1918), ‚Herr Collin är ruinerad‘ – ‚Herr Collin ist ruiniert‘ (1921), ‚Den tusende och andra natten‘ – ‚Die tausendundzweite Nacht‘ (1923), ‘Herr Collin kontra Napoleon’ – ‘Herr Collin contra Napoleon (1924), ‚Odysseus eller de sju menyerna‘ – ‚Odysseus oder die sieben Menüs‘ (1925), ‘Storhertigens senare finanser’ – ‘Herr Collin führt Krieg gegen Russland’ (1930), ‚Stölden av Eiffeltornet‘ – Der gestohlene Eifelturm‘ (1931), ‘Herr Collins affärer med hemlandet’ – ‘Sonderbare Reise zum Chef’ (1932), ‚Den stora filmen om Attila‘ – Grossfilm Attila‘ (1934), ‚Herr Collins Alibi‘ (Novellen, 1935); ‘Storhertigens efterlämnade finanser’ – ‘Die nachgelassenen Finanzen des Grossherzogs’ (1936);

Einzelwerke: ‚Jussuf Khans giftermal‘ – Jussuf Khans Hochzeit‘ (1916), ‚Unge Karl-Bertil von Birck‘ – ’Karl Bertils Sommer’ (1917),  ‚Inled mig i frestelse‘ – ‚Führe mich in Versuchung‘ (1919), ‚Andarna och Furustolpe‘ – ’Furustolpe und die Geister’ (1920), ‚Du dare, i denna natt‘ – ’Der sibirische Express’ (1922), ‚I sicksack genom sinnevärlden‘ – ‚Lebruns Meistercoup’ (1926), ‚Marco Polos millioner‘ – ’Marco Polos Millionen’ (1927), ‚Tre mördare inträda‘ – ’Drei Mörder treten ein’ (1939), ‚Atlantis‘ undergäng‘ – ‚Die Debatte um Atlantis‘ (1941), ‚Europas mest hatade man‘ – ’Der meistgehasste Mann Europas’ (1945).