(1906-1983; schrieb auch als Peter Coffin)

Jonathan „Jack“ Latimer kam als Sohn eines Anwalts und einer Violinistin in Chicago zur Welt und wurde zuerst an der Arizona’s Mesa School, dann am Knox College in Galesburg, Illinois, ausgebildet. Nach rund fünfjähriger Reportertätigkeit für den ’Chicago Herald-Examiner’ und die ‚Chicago Tribune‘ verlegte er sich Mitte der 30er-Jahre auf das Verfassen von Drehbüchern (u.a. ‚The Glass Key‘ zur Verfilmung von Hammetts gleichnamigem Roman) und Kriminalromanen. Von 1942 bis 1945 diente er in der US-Navy. Nach dem Krieg bezog er Wohnsitz im kalifornischen La Jolla, wo er sich rasch mit seinem Nachbarn Raymond Chandler anfreundete, und als Drehbuchautor nahtlos an seine Erfolge der Vorkriegszeit anknüpfen konnte.

Latimer schrieb so genannte „Hardboiled Screwball Comedies“, die von Dashiell Hammett ins Leben gerufene „Hardboiled Private Eye Novel“ parodierende Romane. Seine aktionsgeladenen Geschichten um den genusssüchtigen, ungeheure Mengen Alkohol kippenden und mit allen Wassern gewaschenen Privatdetektiv Bill Crane aus Chicago (er ist ein Angestellter der von Colonel Black geleiteten Detektivagentur, die ihren Hauptsitz in New York City hat) und seine nicht minder trinkfreudigen Kumpel Tom O’Malley und Doc Willams bedeuten dank des leichtfüssigen Stils und des lässigen Humors eine höchst vergnügliche Lektüre, insbesondere ‚Leiche auf Abwegen‘, der dritte Band des Fünfteilers, der im ersten Kapitel mit herrlichen Szenen in einer Leichenhalle aufwartet.

Der Noir-Roman ‚Salomons Weinberg‘, ein Einzelwerk, ragt aus Latimers Werk hervor. Als Protagonist fungiert der fette und niederträchtige Privatdetektiv „Karl Craven“ (seinen richtigen Namen will er partout nicht bekannt geben) aus St. Louis, der in die Provinz, nach Paulton entsandt wird, um eine gewisse Penelope Grayson aus den Fängen einer Sekte zu befreien und gleichzeitig den gewaltsamen Tod seines Partners aufzuklären. Der korrupte Polizeichef, Gangster jeder Couleur, Nutten und Grabschänder, aber auch die Femme fatale Princess machen Craven das Leben schwer, doch der lässt nicht locker und führt dem Fall dem guten Ende zu. Wegen der für die 40er-Jahre doch recht deftigen Sexszenen konnte das Buch in den USA lange Zeit nur in zensierter Form unter dem Titel ‚The Fifth Grave’ erscheinen, das Original wurde erst in den 80er-Jahren zugelassen.

Anfang der 60er-Jahre wechselte Latimer, dessen letzter Roman 1959 erschienen war, zum Fernsehen und schrieb zahlreiche Scripts für die Erfolgsserien ‚Perry Mason’ und ‚Markham‘. Er starb 76-jährig in La Yolla und hinterliess seine Frau JoAnna, zwei Söhne und eine Tochter.

Bibliografie:

Bill Crane-Serie: ‚Murder in the Madhouse‘ – ‚Mord bei Vollmond‘ (1935), ‚Headed for a Hearse‘ (auch unter dem Titel ‚The Westland Case‘) – ‚Wettlauf mit der Zeit‘ (auch unter dem Titel ‚Unschuldig verurteilt‘, 1935), ‚The Lady in the Morgue‘ – ‚Leiche auf Abwegen‘ (auch unter dem Titel ‚Wer ist Alice?‘, 1936), ‚The Dead Don’t Care‘ – ‚Den Toten ist’s egal‘ (auch unter dem Titel ‚Eine Leiche im Paradies‘, 1938), ‚Red Gardenias‘ (auch unter dem Titel ‚Some Dames are Deadly‘) – ‚Rote Gardenien‘ (1939);

Einzelwerke: ‚The Search for My Great Uncle’s Head‘ – ‚Der enthauptete Grossonkel‘ (ursprünglich als Peter Coffin, 1937), ‚Dead Memory‘ – ‚Verbotener Dschungel’ (1940), ‚Solomon’s Vineyard‘ (auch unter dem Titel ‚The Fifth Grave‘) – ‚Salomons Weinberg‘ (1941), ‚Simmers and Shrouds‘ – ‚Nacht des Grauens’ (1955), ‚Black is the Fashion of Dying‘ (auch unter dem Titel ‚The Mink-lined Coffin‘) – ‚Die falsche Nonne‘ (1959).