(1938-2015)

Geboren und aufgewachsen in Paris, wurde Eric Jourdan wegen unverschämten Betragens und homoerotischer Eskapaden von unzähligen Schulen verwiesen. Er wechselte mehrmals seine Identität und schrieb unter verschiedenen Namen. Sein Lebenslauf ist weitgehend unbekannt. Aus einem 2008 in dem italienischen Magazin ‚Aut’ abgedruckten Interview erfährt man einzig, dass er in jüngeren Jahren viel gereist ist und längere Zeit in England, Deutschland, Österreich und der Schweiz lebte. Er bezeichnete sich als Agnostiker, scheute die Öffentlichkeit, las keine Zeitungen und liess sich nicht fotografieren.

Als erwachsener Mann wurde Jourdan von dem berühmten homosexuellen Romancier Julien Green adoptiert, mit dem er bis zu dessen Tod im Jahr 1998 eine Pariser Wohnung teilte. Der nach der Adoption offiziell den Namen Jean-Eric Green tragende Autor starb 77-jährig in seiner Geburtsstadt.

Jourdans Werk umfasst Theaterstücke, Erinnerungen, Erzählungen, Gedichte und Romane, unter ihnen ‚Les mauvaises anges‘ (‚Schlimme Engel‘), der nach dem Erscheinen 1955 (der Autor war damals siebzehn Jahre alt!) als jugendgefährdend verboten wurde, und der Spannungsroman ‚Charité‘ (‚Das Brot der Liebe‘). Während seine Werke in Frankreich weitgehend ignoriert wurden, sorgten sie im angloamerikanischen Raum immer wieder für Aufsehen.

‚Das Brot der Liebe‘, der erste Teil der Trilogie ‚Charité’, ‚Révolte’ und ‚Sang’, kreist um Verrat und Gewalt, Menschlichkeit und Liebe und enthüllt die Mechanismen totalitärer Machtausübung. Im Mittelpunkt steht der 22-jährige Student Ian, der von einer anonymen Truppe aus den Armen seiner Geliebten Cathérine gerissen und in das Lager Null, die von einem sadistischen Kommandanten geleitete Vollzugsanstalt einer namenlosen Militärdiktatur, verschleppt wird. Das Arbeitslager zählt stets etwa 300 Häftlinge, viele sterben an Infektionskrankheiten, und nach jeweils einem Jahr werden die Überlebenden exekutiert, um Platz für Neuankömmlinge zu schaffen. In der Nacht vor seiner Hinrichtung gelingt Ian die Flucht. Er schlüpft in die Haut eines sterbenden Eremiten, verbringt in dessen Hütte die eisigen, stürmischen Wintermonate, gequält von Angstzuständen, Einsamkeit und sexuellen Fantasien. Im Frühjahr setzt er seine Flucht fort – es beginnt eine Odyssee durch unbewohnte Gegenden, während sich der junge Soldat Andrei, Ians ehemaliger Gefängniswächter, der inzwischen dessen Stelle bei Cathérine eingenommen hat, auf die Jagd nach ihm begibt. ‚Das Brot der Liebe‘: Ein verstörendes, mit poetischen Naturschilderung gespicktes Meisterwerk, das in keine Schublade passt.

Bibliografie:                                                                                                                     

‚Charité’ – ‚Das Brot der Liebe‘ (1985).