(1876-1916)

Jack London ist weder ein verschmähter noch ein vergessener Autor, seinen einzigen Krimi kennen jedoch nur wenige. Unehelich geboren unter dem Namen John Griffith Chaney als Sohn eines Astrologen und einer Spiritistin in San Francisco, wuchs Jack in Oakland unter armseligen Bedingungen auf. Seine Mutter heiratete später den Bürgerkriegsveteranen John London, der den Jungen adoptierte. Mit vierzehn verliess Jack die Schule, um das Abenteuer zu suchen. Er arbeitete als Austernräuber und Matrose, wurde mit achtzehn wegen Landstreicherei verhaftet, besuchte nach seiner Freilassung ein paar Vorlesungen an der Berkeley University und schloss sich 1897 einer Goldsucherexpedition nach Alaska an.

1899 veröffentlichte London seine erste Kurzgeschichte – der Beginn einer kurzen, aber höchst erfolgreichen Laufbahn als Autor. Nach einer pannenreichen Pazifikreise mit selbst gebauter Yacht zog er sich 1910 auf eine Ranch in Glen Ellen, Kalifornien, zurück, wo er nach exzessivem Lebensstil mit vierzig Jahren vermutlich an Nierenversagen starb. Er hinterliess zwei Töchter aus erster Ehe mit Bessie, Joan und Little Bess, und seine zweite Frau Charmian.

Londons umfangreiches Werk umfasst Abenteuerromane (‚Wolfsblut‘, ‚Der Seewolf‘, ‚Der Ruf der Wildnis‘, ‚Goldrausch in Alaska‘ usw.), den halb autobiografischen Künstlerroman ‚Martin Eden‘, Reiseberichte, Tiergeschichten, autobiografische Schriften (‚König Alkohol‘), Gedichte, Storys und unzählige Artikel.

Die Idee zu seinem Krimi ‚Das Mordbüro‘ kaufte London für ein paar Dollar dem damals mittellosen späteren Nobelpreisträger Sinclair Lewis ab. Trotz intensiven Bemühungen gelang es ihm dann nicht, die Geschichte einem befriedigenden Ende zuzuführen – das Manuskript verschwand in der Schublade. Fünfzig Jahre später vollendete der Krimiautor Robert Fish den Roman nach Londons spärlichen Notizen.

Ivan Dragomiloff, genannt Drago, ist Leiter des so genannten Mordbüros, einer Art gemeinnützigen Organisation, bestehend aus hochgebildeten Moralfanatikern, die gegen üppige Honorare Morde ausführen, aber nur, wenn sie sozial und moralisch gerechtfertigt sind. Die Aufträge können unter keinen Umständen storniert werden und müssen innert Jahresfrist erledigt sein. Eines Tages erhält Drago Besuch von Winter Hall, einem vermögenden jungen Idealisten (dem Verlobten von Dragos Tochter Grunya, die bisher glaubte, sie sei Dragos Nichte!), der das Mordbüro beauftragt, den Boss zu liquidieren. Nach ungemein fruchtbaren Gesprächen muss Drago zugeben, dass der Auftrag legitim ist. Es kommt zu einer irrwitzigen Verfolgungsjagd, bei der sich die Zahl der verstreut in den USA lebenden Agenten durch Dragos Hand rapid verringert. Der von Fish recht frei gestaltete Showdown findet vor einer hawaiianischen Insel statt.

‚Das Mordbüro‘ ist eine aparte – stilistisch exzellente – Mischung aus rasanter Action und ausufernden moral-philosophischen Diskussionen, angereichert mit hochkomischen Szenen und spektakulären Twists. Im Herbst 2016, zum 100. Todestag des Autors, wurde der Roman in vorzüglicher neuer Übersetzung als schön gestaltete Hardcover-Ausgabe unter dem Titel ‘Mord auf Bestellung‘ neu aufgelegt.

Bibliografie:                                                                                                               

‚The Assassination Bureau Ltd.‘ – ‚Das Mordbüro‘ (auch unter dem Titel ‘Mord auf Bestellung’, 1963).