(1931-2008)

Janwillem van de Wetering wurde als Sohn eines reichen Kaufmanns in Rotterdam geboren und wuchs auch dort auf. Als Neunjähriger erlebte er die Bombardierung seiner Stadt durch die Deutschen, ein Ereignis, das ihn zutiefst erschütterte. Nach der Schulzeit absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung an der Technischen Universität Delft. 1952 vermittelte ihm sein Vater einen Job bei einer holländischen Firma in Kapstadt, den er jedoch nur kurz ausübte. Stattdessen ging er eine erste (kurze) Ehe mit einer Künstlerin ein, verkehrte vorzugsweise in der Kapstadter Beatnik-Szene und schlug sich mit Gelegenheitsjobs durch. Nach einem Zwischenhalt in London, während dem er sich intensiv mit Philosophie befasste, ging er 1958 für achtzehn Monate ins japanische Kyoto, um dort in einem Kloster die Lehre des Zen-Buddhismus zu studieren. Seine letztlich erfolglose Suche nach der Erleuchtung beschrieb er in einer dreiteiligen Buchreihe.

Wetering arbeitete anschliessend als Kaufmann in Lateinamerika, zuerst in Bogota, Kolumbien, dann in Lima, Peru, wo er Juanita Levy heiratete. Ab 1963 war er als Liegenschaftsmakler in Brisbane, Australien, tätig. 1965 übernahm er die Textilfabrik seines verstorbenen Schwiegervaters in den Niederlanden. Nebenbei arbeitete er fast acht Jahre bei der Amsterdamer Polizei, um der Einberufung in die Armee zu entgehen, und nahm zuletzt den Grad eines Inspektors ein.

1975 wanderte er mit Juanita und ihrer gemeinsamen Tochter Thera nach Amerika aus, nach Surry an der Küste von Maine, und wurde Schriftsteller, Bildhauer, Übersetzer und später Herausgeber japanischer Krimi-Anthologien. Er verfasste Kinderbücher (unter anderem die Serie um Stachel-Charlie), einen Comic, Sachbücher über den Zen-Buddhismus, Kurzgeschichten (darunter eine Reihe von Erzählungen um den japanischen Inspektor Saito und einige Stories mit den Amsterdamer Cops), ein Theaterstück und, beeinflusst von Georges Simenon und Robert von Gulik, die legendäre, in niederländischer und englischer Sprache verfasste Amsterdam-Cops-Serie, deren Versionen sich teilweise erheblich unterscheiden. Nach dem elften Krimi verbrachte er acht Jahre mit Schiffsreisen durch die Welt. Zurück in Maine setzte er seine schriftstellerische Laufbahn fort. Van de Wetering starb 77-jährig in seiner Wahlheimat. Er hinterliess seine Frau und seine Tochter.

Die Amsterdam-Cops – der übergewichtige, unglücklich verheiratete Zyniker Adjutant Henk Grijpstra, der athletische, etwas melancholische Frauenheld Brigadier Rinus de Gier und der namenlose Commissaris (von ihm erfahren wir nur den Vornamen Jan), ein älterer, von Rheuma geplagter, adrett gekleideter Polizeioffizier, ein gütiger, bescheidener Mann und blitzgescheiter, listenreicher Ermittler – zählen zu den originellsten Protagonisten der Kriminalliteratur. Grijpstra und de Gier betrachten ihre Fälle als zen-buddhistische Aufgaben, glauben an Magie, lehnen Gewalt ab und spielen während der Arbeit Bach auf Schlagzeug und Querflöte, um sich zu entspannen und vielleicht erleuchtet zu werden.

In Weterings bekanntestem Krimi ‚Massaker in Maine‘ reisen der Commissaris und de Gier wegen einer familiären Angelegenheit ins ländliche Maine – und werden dort in einen höchst komplizierten Mordfall verwickelt, dessen Auflösung sie beinahe das Leben kostet.

Nach dem elften Roman ‚Der Feind aus alten Tagen‘, in dem die Amsterdam-Cops per Zufall auf einen Haufen Drogengeld stossen, dieses unterschlagen und mit Hilfe ihres väterlichen Mentors, des Commissaris, durch geschickte Anlagestrategien gar verdoppeln, ziehen sie sich vom Polizeidienst zurück. Rinus de Gier und Henk Grijpstra gründen in Amsterdam die Privatdetektei G & G, führen ein weitgehend sorgenfreies Leben und nehmen nur ganz sporadisch einen Fall an.

Bibliografie (in der Regel nur englische und deutsche Titel):

Amsterdam Cops-Serie: ‚Outsider in Amsterdam‘ – ‚Outsider in Amsterdam‘ (1975), ‚Tumbleweed‘ – ‚Eine Tote gibt Auskunft‘ (1976), ‚The Corpse on the Dike‘ – ‚Der Tote am Deich‘ (1976), ‚Death of a Hawker‘ – ‚Tod eines Strassenhändlers‘ (1977), ‚The Japanese Corpse‘ – ‚Ticket nach Tokio‘ (1977), ‚The Blond Baboon‘ – ‚Der blonde Affe‘ (1978), ‚The Maine Massacre‘ – ‚Massaker in Maine‘ (1979), ‚The Mind-Murders‘ – ‚Ketchup, Karate und die Folgen‘ (1979), ‚The Streetbird‘ – ‚Der Commissaris fährt zur Kur‘ (1982), ‚The Rattle-Rat‘ – ‚Rattenfang‘ (1984), ‚Hard Rain‘ – ‚Der Feind aus alten Tagen‘ (1985), ‚Just a Corpse at Twilight‘ – ‚De Gier im Zwielicht‘ (1993), ‚The Hollow-Eyed Angel‘ – ‚Strassenkrieger‘ (1996), ‚The Perfidious Parrot‘ – ‚Ölpiraten‘ (1997);

Einzelwerke: ‚The Butterfly Hunters‘ – ‚Der Schmetterlingsjäger‘ (1982), ‚Safe Feeling‘ – ‚Das sichere Gefühl‘ (1983), ‚Murder by Remote Control‘ – ‚Mord per Fernbedienung‘ (Graphic Novel, 1984), ‚Aap‘ (nur holländische Fassung, 1987), ‚Seesaw Millions‘ (nur holländische Fassung‘, 1988), ‚Habgier‘ (nur in deutscher Übersetzung, 1999), ‚Die entartete Seezunge‘ (auch unter dem Titel ‚Der Freund, der keiner war‘, Kriminalnovelle, nur in deutscher Übersetzung, 2002).