(Pseudonym für Cecil Lewis Troughton Smith, 1899-1966)

Cecil Scott Forester wurde als jüngstes von fünf Kindern eines im Dienst des ägyptischen Bildungsministeriums stehenden Englischlehrers in Kairo geboren. Um ihren Kindern eine möglichst gute schulische Ausbildung angedeihen zu lassen, übersiedelte die Mutter im Jahr 1901 nach Camberwell, London, während der Vater berufeshalber in Ägypten blieb und seine Familie fortan nur noch selten sah. Cecil besuchte das Londoner Dulwich College und begann danach ein Medizinstudium an der Guy’s Hospital Medical School, das er jedoch zu Gunsten des Journalismus und der Schriftstellerei nach wenigen Semestern abbrach. Ende der 20er-Jahre heiratete er seine langjährige Freundin Kathleen Belcher, eine Turnlehrerin, und hatte mit ihr zwei Söhne – John und George.

In den 30er-Jahren berichtete Forester als ‚Times‘-Korrespondent über den Spanischen Bürgerkrieg und die Besetzung der Tschechoslowakei durch Nazi-Deutschland. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs liess er sich in den Vereinigten Staaten nieder und schrieb Texte für das britische Propagandabüro. Nach dem Krieg blieb er in den USA, im kalifornischen Berkeley, wo er 1947 seine zweite Frau Dorothy Foster heiratete. 1964 erlitt er einen schweren Hirnschlag, zwei Jahre später starb er 66-jährig in seiner Wahlheimat.

Foresters Werk enthält Biografien, die Autobiografie ‚Long Before Forty‘, Reiseberichte, Kinderbücher, zwei Theaterstücke, Drehbücher für Hollywoodfilme, Kriegs- und Abenteuerromane (darunter der unvergessliche, in der Zeit der Napoleonkriege spielende Zwölfteiler um den schüchternen, seekranken Admiral Horatio Hornblower sowie der 1935er Weltbestseller ‚The African Queen‘), sowie drei Kriminalromane.

‚Zahlungsaufschub‘, angesiedelt in der Zeit unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg, handelt von dem bisher recht unscheinbaren, mit der naiven, vielleicht etwas verschwenderischen Annie verheirateten Londoner Bankangestellten und zweifachen Vater William Marble, der aus finanzieller Not seinen steinreichen, verwaisten, aus dem Nichts aufgetauchten Neffen umbringt, die Leiche im Garten vergräbt – und damit den Zerfall seiner Familie in Gang setzt. Der meisterhaft gestaltete Roman, in dem weder Polizisten noch Detektive auftreten, wurde 1931 für das Theater adaptiert und 1932 mit Charles Laughton in der Hauptrolle verfilmt.

In seinem zweiten Thriller ‚Ein glatter Mord‘ entwirft Forester das Psychogramm eines bis anhin unauffällig in einem seelenlosen Londoner Vorort lebenden Familienvaters namens Charlie Morris, der, als seine Stelle bei einer kleinen Werbeagentur in Gefahr gerät, sein Talent zum Morden entdeckt und jeden aus dem Weg räumt, der es wagt, seine Pläne zu durchkreuzen. Der Roman kam 2014 in neuer Übersetzung unter dem (etwas reisserischen) Titel ‚Gnadenlose Gier‘ wieder auf den Markt – erfährt Foresters Kriminalwerk bei uns jetzt doch noch seine hoch verdiente Anerkennung?

Foresters dritter, 1935 entstandener und längst verloren geglaubter Krimi ‚The Pursued‘ (‚Tödliche Ohnmacht‘) tauchte fast siebzig Jahre später wieder auf, wurde von Mitgliedern der Forester-Society ersteigert und schliesslich im Jahr 2011 erstmals aufgelegt. Die rabenschwarze Geschichte kreist um das Schicksal einer der unteren Londoner Mittelschicht entstammenden, in einer trüben, mit Klatsch durchseuchten Vorortssiedlung lebenden Kleinfamilie – Marjorie, eine attraktive, feingliedrige Frau, zuverlässige Hausfrau und Mutter von zwei kleinen Kindern, die Tag für Tag die gewalttätigen Handlungen ihres lüsternen, selbstsüchtigen, zum Jähzorn neigenden Mannes Ted über sich ergehen lässt, ihre lebenslustige Schwester Dot und ihre adrette, energische, sich alsbald als ungemein kaltblütige Frau erweisende Mutter Mrs Clair -, deren Leben aus den Fugen gerät, als Dot von Ted geschwängert wird. Einen Selbstmord vortäuschend, bringt Ted seine Geliebte allem Anschein nach um die Ecke, Marjorie weiss nicht mehr ein noch aus, doch dann nimmt Mrs Clair die Sache in die Hand – und schmiedet einen verhängnisvollen Plan. ‚Tödliche Ohnmacht‘: Ein souverän und geradlinig aus weiblicher Sicht erzählter Noir-Roman über das trost- und ausweglose Leben durchschnittlicher Menschen, ein Meilenstein der britischen Spannungsliteratur.

Im Jahr 2000 veröffentlichte Foresters älterer Sohn John eine zweibändige, mehr als 800 Seiten umfassende Biografie seines Vaters unter dem Titel ‚Novelist & Story Teller. The Life of C.S. Forester‘, in der er etliche Korrekturen an dessen Lebenslauf anbrachte.

Bibliografie:

‚Payment Deferred‘ – ‚Zahlungsaufschub‘ (auch unter dem Titel ‚Grausame Schuld‘, 1926), ‚Plain Murder‘ – ‚Ein glatter Mord‘ (auch unter den Titeln ‚Glatter Mord‘ und ‚Gnadenlose Gier‘, 1930), ‚The Pursued‘ – ‚Tödliche Ohnmacht‘ (1935/2011).