(Pseudonym für Philippe Daudy, 1925-1994)

Philippe Daudy kam in Paris zur Welt und wuchs in Äthiopien auf, wo sein Vater in ärztlicher Funktion für die damals unter französischer Herrschaft stehende Eisenbahngesellschaft arbeitete, jedoch früh an den Folgen eines Schlangenbisses starb. Die Mutter heiratete daraufhin den bekannten Historiker und Soziologen Hubert Deschamps, der später das Amt des Generalgouverneurs der französischen Kolonien in Afrika innehielt. Im Zweiten Weltkrieg schloss sich Daudy in Lyon der Résistence an und wurde bei einem Angriff auf ein Gestapo-Transportdepot in Villeurbanne verwundet.

Nach dem Krieg berichtete Daudy als Korrespondent der Agentur ‚France-Presse‘ über den griechischen Bürgerkrieg, den Koreakrieg und aus dem Fernen Osten und Titos Jugoslawien. Daneben machte er sich einen Namen als Herausgeber von Geschichtsbüchern und Verfasser von historischen Romanen sowie, unter dem Pseudonym Paul Paoli, von Kriminalliteratur. Daudys bekanntestes Werk ist indes ‚Les Anglais‘, ein (unter diesem Titel) zuerst auf Englisch erschienenes Buch, in dem der anglophile und längere Zeit in Grossbritannien weilende Autor auf liebevolle Weise den englischen Nationalcharakter analysiert. Daudy engagierte sich auch sonst mit Herzblut für die anglo-französischen Beziehungen.

Philippe Daudy war dreimal verheiratet, zuerst mit Janine Sommer (zwei Töchter, Martine und Florence), dann mit Barbara Guidotti (eine Tochter, Isabelle) und schliesslich mit Marie-Christine Goüin (ein Sohn und eine Tochter, Clément und Mathilde). Er starb 68-jährig in Peking und hinterliess seine dritte Frau und seine fünf Kinder.

‚Schnee auf Capri‘ ist der erste von zwei Krimis um den hochrangigen neapolitanischen Polizeibeamten Giuseppe de Santis, genannt Don Peppe, ein grossgewachsener, blonder und blauäugiger, elegant gekleideter Mann Ende vierzig, der stets mit einem Ebenholz-Spazierstock unterwegs ist und sich in seiner Freizeit mit wertvollem Porzellan und klassischer deutscher Philosophie befasst, wenn er nicht gerade die schöne Mathilde umgarnt. Die Geschichte kreist um den Mord an Winnie Corbino, dem 76-jährigen, mit der 50 Jahre jüngeren Britin Clarissa verheirateten Patriarchen von Capri, einem angesehenen Wissenschaftler, der in seinem Bett mit einem tief im Auge steckenden Dolch aufgefunden wird und in dessen Pyjamatasche die Polizei Heroin entdeckt. Vier mit dem Ehepaar Corbino befreundete Personen hielten sich zur Tatzeit in Corbinos Villa auf, unter ihnen der offenkundig drogenabhängige Amerikaner William Weissberg, doch auch der Lebenslauf der anderen Gäste – die Deutsche Lisa Helmuth, der Schotte Jack Dougall und der Franzose Robert Mairefiel – weist dunkle Flecken auf, und über Clarissa erfährt man, dass sie als Jugendliche ihre Tante mit einem Messer attackiert hat. Mit stoischer Ruhe befragt Don Peppe die fünf potentiellen Mörder, drängt sie in die Ecke – bis der Täter (fast erleichtert) seine Schuld gesteht. Paoli besticht in diesem originellen Roman mit schlackenfreier Erzählweise, Stilsicherheit, feinsinnigem Humor und eindrucksvollen Schilderungen der milliardenreichen Mittelmeerinsel, auf der wohl kaum je Schnee fällt (der Titel bezieht sich natürlich auf Heroin, doch dies ist eine falsche Fährte), und der kauzige Don Peppe wächst dem Leser rasch ans Herz.

Bibliografie:

Don Peppe-Romane: ‚Neige à Capri‘ – ‚Schnee auf Capri‘ (1960), ‚Les pigeons de Naples‘ – ‚Die Tauben von Neapel‘ (1961);

Einzelwerk: ‚Bal à Bàle‘ (1962).