(Pseudonym für Henri Georges Girard, 1917-1987)

Georges Arnaud, bürgerlich Henri Girard, wurde als Sohn einer Lehrerin und eines begüterten, in hoher Funktion im Aussenministerium angestellten Beamten in Montpellier geboren und wuchs ab 1926, dem Todesjahr seiner Mutter, in Paris auf. Er studierte Jura in Toulouse und Paris und belegte Kurse in Politischen Wissenschaften. Am 25. Oktober 1941 wurden sein nunmehr für die Vichy-Regierung arbeitender Vater, seine Tante und das Dienstmädchen auf dem Familienschloss im Périgord erschlagen, und als einziger Überlebender des Massakers geriet Henri Girard unter Mordverdacht. Als er nach neunzehn Monaten Untersuchungshaft aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde, nahm er das Pseudonym Georges Arnaud (nach seinem zweiten Vornamen und dem Mädchennamen seiner Mutter) an. 1944 heiratete er die junge Sängerin Suzanne, mit der er zwei Söhne hatte, und führte in Paris das Leben eines Bohémien, bis das beträchtliche väterliche Erbe aufgebraucht war.

Mit dreihundert Dollar in der Tasche segelte Arnaud im Mai 1947 nach Venezuela und schlug sich dort während knapp zwei Jahren als Barkeeper, Goldsucher, Lastwagen- und Taxifahrer durch – diese harte Zeit inspirierte ihn zu seinem ersten Roman ‚Lohn der Angst‘. Nach Zwischenhalten in Kolumbien, Ecuador und Peru kehrte er im Frühjahr 1949 nach Frankreich zurück, wo ihm schon bald der Durchbruch als Journalist, Roman-, Theater- und Drehbuchautor gelang. Kurz nach seiner Scheidung im Jahre 1951 heiratete er erneut, doch diese Ehe hielt nur kurz. 1953 lernte er Rolande kennen; sie hatten zwei Töchter, vermählten sich aber erst viel später, 1966.

Ende der 50er-Jahre engagierte sich Arnaud intensiv für den algerischen Befreiungskampf. In diesem Zusammenhang geriet er 1960 für zwei Monate in Haft, weil er sich weigerte, den Namen eines Informanten preiszugeben. Als Algerien 1962 die Unabhängigkeit erlangte, zog Arnaud mit seiner Familie in das nordafrikanische Land und beteiligte sich an der Gründung einer Journalistenschule und der Zeitung ‚Révolution Africaine‘. 1974 kehrte er aus gesundheitlichen Gründen nach Frankreich zurück. Er arbeitete nun vorrangig als Enthüllungsjournalist für das Französische Fernsehen – unter anderem berichtete er über die Moon-Sekte, die Peiper-Affäre und den Drogenhandel in Kolumbien. Seine letzten drei Lebensjahre verbrachte er in Barcelona, wo er 69-jährig einer Herzattacke erlag. Der Mord an seinem Vater wurde nie geklärt.

Arnauds weitaus berühmtestes, von Henri-Georges Clouzot eindrucksvoll verfilmtes Werk ist der beklemmende, in einem knappen Stil erzählte Noir-Roman ‚Lohn der Angst‘ aus dem Jahre 1950. In einer heruntergekommenen, von Seuchen, Hunger und Arbeitslosigkeit gezeichneten zentralamerikanischen Hafenstadt harrt ein Haufen Abenteurer, Tagediebe und Kriminelle der Chance auf schnelles Geld. Vier harte, wagehalsige Typen – der Franzose Gérard Stürmer, der Rumäne Johnny Mihalescu, der Spanier Juan Bimba und der Italiener Luigi Stornatori – nehmen den bestbezahlten, aber auch gefährlichsten Job an: Eine riesige Ladung Sprengstoff soll in zwei alten, klapprigen Lastwagen bei grosser Hitze durch unwegsames Gelände über 500 Kilometer transportiert werden, während ein Saboteur sein Unwesen treibt – als Leser spürt man förmlich die Todesängste der vier Männer.

Bibliografie:

‚Le salaire de la peur‘ – ‚Lohn der Angst‘ (auch unter dem Titel ‚Ladung Nitroglycerin‘, 1950), ‚Le voyage du mauvais larron‘ (1951), ‚Les oreilles sur le dos‘ (1953).