(Pseudonym für Constance Lindsay Dowdy Taylor, 1907-2000)

Geboren in Dovercourt, Essex, schrieb C. Lindsay Taylor, geborene Dowdy, mit zwanzig Jahren ihre ersten Gedichte, Kurzgeschichten und Artikel, die in Zeitschriften abgedruckt wurden. Sie heiratete 1930 und zog danach ihre Kinder gross, ehe sie sich 1948 erneut der Schriftstellerei zuwandte und bis 1991 (ab 1952 unter dem maskulinem Pseudonym Guy Cullingford, das sie auf Anraten ihres Verlegers annahm, und das lange Zeit ungelüftet blieb) elf Kriminalromane sowie mehrere Erzählungen, einen nicht zum Krimigenre gehörenden Roman (‚The Bread and Butter Miss‘, 1979) und drei Fernsehspiele verfasste. Sie starb 93-jährig in Schottland.

Cullinghams schwer unterschätzte Krimis sind in der britischen Mittelschicht angesiedelt. Mit scharfem Blick und subtilem Humor analysiert die elegante Stilistin zwischenmenschliche Desaster, entwickelt raffinierte Plots und und wartet immer wieder mit überraschenden Wendungen auf. Darüber hinaus ist sie eine Wegbereiterin feministischer Spannungsliteratur, etwa mit dem 1962 erschienenen Krimi ‚Frauen gemeinsam sind stark‘ (im Original treffender und weniger programmatisch ‚Third Party Risk‘), in dem die einfache Hausfrau Dorothy Squirl mehr oder weniger zufällig eine Frauenpartei gründet, die sich in der Folge mit heftigem Widerstand konfrontiert sieht – jemand scheint dieser Bewegung dermassen feindlich gegenüberzustehen, dass er selbst vor Mord nicht zurückschreckt.

Eines der besten Werke der Autorin ist ‚Schritt ins Verderben‘ aus dem Jahr 1964, eine psychologisch ausgeklügelte Geschichte, die sämtliche Facetten der (bei Cullingford in der Regel zum Scheitern verurteilten) Mann-Frau-Beziehung plastisch und drastisch beschreibt. Robert Cave, ein charakterschwacher Mann, der indes auch gute Seiten hat, trägt mit seiner gefühlskalten, boshaften Frau Joyce eine schwere Bürde, doch mit seiner kleinen Tochter Katie versteht er sich ausgezeichnet. Sein Verhängnis ist das Flittchen Midge, das ihn mit dem ältesten Frauentrick der Welt reinlegt und dafür mit dem Leben bezahlt – ein Tod, der ihm zur Last gelegt wird, einzig ein getürktes Alibi verhindert seine Verhaftung. Einige Wochen später taucht der skrupellose Gauner John Trewen Forbes, ein ehemaliger Polizeispitzel, mit seiner seelenverwandten älteren Schwester Laura und seiner bildhübschen, begüterten Cousine Lucy in Caves Umgebung auf – mit einem mörderischen Plan, der ihm mit Hilfe des angeknacksten Mannes ein sattes Vermögen einbringen soll.

Bibliografie:

Als C. Lindsay Taylor: ‚Murder With Relish‘ (1948).

Als Guy Cullingford: ‚If Whishes Were Hearses‘ – ‚Wenn Wünsche töten könnten‘ (1952), ‚Post Mortem‘ – ‚Post mortem‘ (auch unter dem Titel ‚Die Katze lässt das Mausen nicht‘, 1953), ‚Conjurer’s Coffin‘ – ‚Der Zauberer von Soho‘ (1954), ‚Framed for Hanging‘ – ‚Wer andern einen Strick dreht‘ (1956), ‚The Whipping Boys‘ – ‚Prügelknaben‘ (auch unter dem Titel ‚Ein Uhr nachts‘, 1958), ‚A Touch of Drama‘ (1960), ‚Third Party Risk‘ – ‚Frauen gemeinsam sind stark‘ (1962), ‚Brink of Disaster‘ – ‚Schritt ins Verderben‘ (1964), ‚The Stylist‘ (1968), ‚Bother at the Barbican‘ (1991).