(Pseudonym für René Brabazon Raymond, 1906-1985; schrieb auch als James L. Docherty, Ambrose Grant, Raymond Marshal und R. Raymond)

James Hadley Chase wurde als Sohn eines britischen Armeeoffiziers in London geboren. Ausgebildet an der King’s School in Rochester, Grafschaft Kent, verliess er mit achtzehn sein Elternhaus, um sich in verschiedenen Jobs zu versuchen, unter anderem im Buchhandel. Seiner 1932 geschlossenen, bis zu seinem Tod bestehenden Ehe mit Sylvia Ray entsprang ein Sohn. Im Zweiten Weltkrieg diente er bei der Royal Air Force. Er brachte es zum Geschwaderführer und gab nebenbei das ‚Royal Air Force Journal‘ heraus. 1956 liess er sich mit seiner Familie in Frankreich nieder, dreizehn Jahre später auf der Schweizer Seite des Genfersees, in der kleinen Ortschaft Corseaux-sur-Vevey, wo er ein zurückgezogenes Leben führte. Er starb dort im Alter von 78 Jahren.

Als ihm Mitte der 30er-Jahre James Mallahan Cains Bestseller ‚Wenn der Postmann zweimal klingelt‘ in die Hände fiel, beschloss Chase, einen ebenso ertragreichen in Amerika spielenden Gangsterroman zu verfassen. Er brütete über Enzyklopädien, Landkarten und Slang-Wörterbüchern, um seine bescheidenen Kenntnisse von den USA zu vertiefen, bis er 1939 sein erstes Buch herausgeben konnte: ‚Keine Orchideen für Miss Blandish‘. Der (wörtlich übersetzte) Titel klingt harmlos wie jener eines Agatha-Christie-Krimis; Chases Romanerstling ist indes das pure Gegenteil – ein schnörkelloser und brutaler Kracher, ein Meilenstein der hardboiled Literatur.

James Hadley Chase, ein Meister des knappen Stils und des lakonischen Dialogs, aber auch ein Autor mit  einem seltsamen Frauenbild (seine weiblichen Gestalten sind fast ausnahmslos smart, durchtrieben und kriminell und büssen dafür in der Regel mit einem qualvollen Tod), veröffentlichte bis zu seinem Tod unter verschiedenen Pseudonymen 97 Krimis (teilweise mit wiederkehrenden Ermittlern wie Dave Fenner, Vic Malloy, Steve Harmas, Frank Terrell und Mark Girland), die mehrheitlich in der fiktiven, vermutlich Miami nachgezeichneten Küstenstadt Paradise City oder in der ebenfalls erfundenen kalifornischen Stadt Orchid City angesiedelt sind. Sie wurden in über dreissig Sprachen übersetzt und als Vorlage für zahlreiche Filme verwendet. In den 90er-Jahren geriet Chase dann rasch in Vergessenheit.

‚Keine Orchideen für Miss Blandish‘ beginnt mit einem missglückten Raub: Drei Schmalspurgangster wollen Miss Blandishs Collier entwenden, kidnappen irrtümlich dessen Trägerin – und sind nun heillos überfordert. Die Gangstertruppe Nummer zwei, von weitaus grösserem Kaliber und mit dem psychopathischen Mutter-Sohn-Paar Ma und Slim Grissom an der Spitze gut gerüstet, radiert das unbedarfte Trio denn auch gleich aus, um dessen Arbeit erfolgreich zu vollenden. Doch jetzt tritt Dave Fenner auf den Plan, ein ausgekochter, vor keiner Gewalttat zurückschreckender Privatdetektiv.

Bibliografie:

Als James Hadley Chase:

‚No Orchids for Miss Blandish‘ (auch unter dem Titel ‚The Villain and the Virgin‘) – ‚Keine Orchideen für Miss Blandish‘ (auch unter dem Titel ‚Die Erbschaft der Carol Blandish‘, 1939), ‚The Dead Stay Dumb‘ – ‚Rollendes Dynamit‘ (1939), ‚Twelve Chinks and a Woman‘ (auch unter dem Titel ‚The Doll’s Bad News‘) – ‚Die anderen sind tot, sagte Miller‘ (1940), ‚Get a Load of This‘ (Stories, 1941), ‚Miss Callaghan Comes to Grief‘ – ‚Dann knackte es, und der Strom summte‘ (auch unter dem Titel ‚Miss Callaghan muss Trauer tragen‘, 1941), ‚Miss Shumway Waves a Wand‘ – ‚Wilder Zauber‘ (1944), ‚Eve‘ – ‚Eva‘ (1945), ‚I’ll Get You for This‘ – ‚Ein Schlummertrunk vom Boss‘ (auch unter dem Titel ‚Der Sarg mit dem doppelten Boden‘, 1946), ‚The Flesh of the Orchid‘ – ‚Das Fleisch der Orchidee‘ (auch unter dem Titel ‚Ein Grab voller roter Orchideen‘, 1948), ‚You Never Know With Women‘ – ‚Make-up für eine Somnambule‘ (1949), ‚You’re Lonely When You’re Dead‘ – ‚Tote sind einsam‘ (1949), ‚Lay Her Among the Lillies‘ (auch unter dem Titel ‚Too Dangerous to Be Free‘) – ‚Die Katze im Sack‘ (1950), ‚Figure It Out for Yourself‘ (auch unter dem Titel ‚The Marijuana Mob‘) – ‚Jeff Barratts Ratten‘ (1950), ‚Strictly for Cash‘ – ‚Nur wer im Wohlstand lebt…‘ (auch unter dem Titel ‚Geld stinkt nicht‘, 1951), ‚Double Shuffle‘ – ‚Strich durch die Rechnung‘ (auch unter dem Titel ‚Millionentanz‘, 1952), ‚The Fast Buck‘ – ‚Er schwieg bis zuletzt‘ (1952), ‚I’ll Bury My Dead‘ – ‚Auge um Auge‘ (1953), ‚This Way for a Shroud‘ – ‚Der Schlächter von Dead End‘ (1953), ‚Tiger By the Tail‘ – ‚Stier bei den Hörnern‘ (1954), ‚Safer Dead‘ – ‚Tote reden nicht‘ (1954), ‚You’ve Got It Coming‘ – ‚Zu hoch hinaus‘ (1955), ‚There’s Always a Price Day‘ – ‚Man muss für alles zahlen‘ (1956), ‚The Guilty Are Afraid – ‚Ängstlich sind die Schuldigen (auch unter dem Titel ‚Nur Streichhölzer‘ 1957), ‚Not Safe to Be Free‘ (auch unter dem Titel ‚The Case of the Strangled Starlet‘) – ‚Gemeingefährlich‘ (1958), ‚Shock Treatment‘ – ‚Plötzlich und unerwartet‘ (1959), ‚The World In My Pocket‘ – ‚An einem Freitag um halb zwölf…‘ (1959), ‚What’s Better Than Money?‘ – ‚Was ist besser als Geld?‘ (1960), ‚Come Easy, Go Easy‘ – ‚Rasthaus des Teufels‘ (1960), ‚Just Another Sucker‘ – ‚Dumme sterben nicht aus‘ (auch unter dem Titel ‚Palmetto – Dumme sterben nicht aus‘, 1961), ‚A Lotus for Miss Quon‘ – ‚Lotusblüten für Miss Quon‘ (1961), ‚A Coffin from Hong Kong‘ – ‚Ein Sarg aus Hongkong‘ (1962), ‚I Would Rather Stay Poor‘ – ‚Lohngelder für Pittsville‘ (1962), ‚One Bright Summer Morning‘ – ‚Kein Tag wie jeder andere‘ (1963), ‚Tell It tot he Birds‘ – ‚Keine Versicherung gegen Mord‘ (1963), ‚The Soft Centre‘ – ‚Wenn der Film reisst‘ (1964), ‚The Way the Cookie Crumbles‘ – ‚Der Mini-Killer‘ (1965), ‚Cade‘ – ‚Cade‘ (1966), ‚This Is for Real‘ – ‚Nach Gebrauch vernichten‘ (1965), ‚You Have Yourself a Deal‘ – ‚Schwarze Perle aus Peking‘ (1966), ‚Have This One on Me‘ – ‚Einmal Prag und zurück‘ (1967), ‚Well Now, My Pretty‘ – ‚Es tut nicht weh, Baby‘ (1967), ‚An Ear to the Ground‘ – ‚Brillanten für die Bestie‘ (1968), ‚Believed Violent‘ – ‚Die Todespille‘ (1968), ‚The Vulture Is a Patient Bird‘ – ‚Geier sind geduldig‘ (1969), ‚The Whiff of Money‘ – ‚Süsses Parfüm Gold‘ (1969), ‚There’s a Hippy on the Highway‘ – ‚Die Jacht des Toten‘ (1970), ‚Like a Hole in the Head‘ – ‚Nett wie ein Loch im Kopf‘ (1970), ‚An Ace Up My Sleeve‘ – ‚Noch ein As im Ärmel‘ (1971), ‚Want to Stay Alive‘?‘ – ‚Falls Sie Ihr Leben lieben‘ (1971), ‚Just a Matter of Time‘ – ‚Gut geplant ist halb gemordet‘ (1972), ‚You’re Dead Without Money‘ (1972), ‚Knock, Knock! Who’s There?‘ – ‚Der Tod klopft an die Tür‘ (1973), ‚Have a Change of Scene‘ – ‚Tödlicher Tapetenwechsel‘ (1973), ‚Goldfish Haven No Hiding Place‘ – ‚Wo soll ein Goldfisch sich verstecken?‘ (1974), ‚So What Happens to Me?‘ – ‚Absturz ins Paradies‘ (1974), ‚Believe This – You’ll Believe Anything‘ – ‚Hurrikan der Leidenschaften‘ (1975), ‚Do Me a Favor, Drop Dead‘ – ‚Sei so gut und stirb‘ (1976), ‚I Hold the Four Aces‘ – ‚Vier Asse auf einmal‘ (1977), ‚Meet Mark Garland‘ (1977), ‚My Lough Comes Last‘ – ‚Ich lache zuletzt‘ (1977), ‚Consider Yourself Dead‘ – ‚Gleich bist du eine Leiche‘ (1978), ‚A Can of Worms‘ – ‚Einmal zuviel geheiratet‘ (1979), ‚You Must Be Kidding‘ – ‚Einen Kopf kürzer‘ (1979), ‚You Can Say That Again‘ – ‚Ein Double für die Falle‘ (1980), ‚Try This One for Size‘ – ‚Trau keinem Schurken‘ (1980), ‚We’ll Share a Double Funeral‘ – ‚Jagt den Killer‘ (1982), ‚Have a Nice Night‘ – ‚Schöner Abend für Ganoven‘ (1982), ‚Hand Me a Fig Leaf‘ – ‚Was steckt hinterm Feigenblatt‘ (1982), ‚Not My Thing‘ – ‚Mach mir den Pelz nicht nass‘ (1983), ‚Hit Them Where It Hurts‘ – ‚Zahltag‘ (1984).

Als Raymond Marshall:

‚Lady, Here’s Your Wreth‘ – ‚Nach Mitternacht‘ (auch unter dem Titel ‚Ein Ticket für die Todeszelle‘, 1940), ‚Just the Way It Is‘ – ‚Hallo, ist da jemand?‘ (1944), ‚Make the Corpse Walk‘ – ‚Leichen sind lästig‘ (1946), ‚Blonde’s Requiem‘ (1946), ‚No Business of Mine‘ – ‚Nicht mein Bier‘ (1947), ‚Trusted Like the Fox‘ (1948), ‚The Paw in the Bottle‘ – ‚Ein Hauch von Gewalt‘ (1949), ‚Mallory‘ – ‚Gesucht wird Mallory‘ (1950),1), ‚Why Pick on Me?‘ – ‚Der Ring des Bogenschützen‘ (1951), ‚But a Short Time to Live‘ (auch unter dem Titel ‚The Pickup‘) – ‚Ein Grab für zwei‘ (1951), ‚In a Vain Shadow‘ (auch unter dem Titel ‚Never Trust a Woman‘) – ‚Sareks Sore‘ (1951), ‚The Wary Transgressor‘ – ‚Der scharlachrote Mund‘ (1952), ‚The Things Men Do‘ – ‚Der Mann mit dem blauen Gesicht‘ (1953), ‚Mission to Venice‘ – ‚Mord am Canale Grande‘ (1954), ‚The Sucker Punch‘ – ‚Alibi auf Tonband‘ (1954), ‚Mission to Siena‘ – ‚Zahle oder stirb‘ (1955), ‚You Find Him, I’ll Fix Him‘ – ‚Die Kanaille‘ (1956), ‚Hit and Run‘ ‚Dame mit beschränkter Haftung‘ (1958).

Als James L. Docherty:

‚He Wont Need It Now‘ – ‚Bedarf gedeckt‘ (1939).

Als Ambrose Grant:

‚More Deadley Than the Male‘ – ‚Satan in Satin‘ (1946).