(*1935)

Aaron Elkins, geboren in Brooklyn, New York City, wurde am New Yorker Hunter College, an der University of Wisconsin in Madison, der University of Arizona und der California State University in Los Angeles in Biologischer Anthropologie, Psychologie und Bildungswissenschaften ausgebildet, Abschluss 1962. Das Studium verdiente er sich zunächst als Boxer, später, nach ein paar verlorenen Kämpfen, in der Gastronomie. Ab 1960 war er über zwanzig Jahre in unterschiedlichen Funktionen für die kalifornische Regierung und an mehreren Universitäten tätig, unter anderem mehrere Jahre als Dozent für Betriebswissenschaft an der europäischen Aussenstation der University of Maryland in Heidelberg. Seit 1982 konzentriert er sich auf das Krimischreiben. Er gilt als Vater des zeitgenössischen Forensik-Krimis.

Elkins‘ bedeutendste literarische Figur ist der international tätige forensische Anthropologe Gideon Oliver von der University of Washington in Port Angeles, genannt „der Knochen-Detektiv von Amerika“, ein genialer und scharfsinniger, jedoch bescheiden gebliebener Wissenschaftler, der im zweiten Roman ‚Yahi‘ seine zukünftige Frau Julie Tendler, die leitende Aufseherin im Olympic National Parc, kennen lernt (Olivers erste Frau Nora ist vor einigen Jahren bei einem Autounfall gestorben). Während seiner berufsbedingten Reisen, die ihn oft an exotische Orte führen, wird Oliver mit Kriminalfällen konfrontiert bzw. von den örtlichen Behörden zu deren Lösung beigezogen.

‚Alte Knochen‘, der beste der vier ins Deutsche übersetzten Gideon Oliver-Romane, ist in der Nähe der bretonischen Küstenstadt Saint-Malo angesiedelt. Dort hat der alte Patriarch Guillaume du Rocher seine ganze Familie zu einem wichtigen Treffen in sein altes Schloss einberufen, doch kurz bevor er seine Mitteilungen kundtun kann, wird er am Fusse des Mont-Saint-Michel von der Flut überrascht und ertrinkt – ein unfassbares Malheur, wenn man bedenkt, dass er die Küste wie seine Westentasche kannte. Der Notar liest das Testament vor, dessen Inhalt nicht alle Mitglieder des zerstrittenen Clans glücklich macht. Kurz danach findet man im Keller des Schlosses ein kopfloses Skelett – es sind die Überreste eines Anfang der 40er-Jahre, zur Zeit der Okkupation, begrabenen Mannes; und fast gleichzeitig wird im Schloss ein Mitglied der Familie du Rocher vergiftet. Die örtliche Polizei, mit dem Skelettfund und dem Mordfall leicht überfordert, bittet Gideon Oliver, der gerade am Jahreskongress für Wissenschaft und Kriminalistik in Saint-Malo teilnimmt, um fachliche Unterstützung. Ruhig und beharrlich, wie es seine Art ist, und kaum beirrt durch einen hinterlistige Anschlag auf sein Leben, begibt sich der Knochen-Detektiv auf Spurensuche – und bringt schliesslich die Hintergründe des 45 Jahre zurückreichenden Familiendramas ans Licht.

Weniger bekannt sind Elkins‘ später gestartete Krimiserien. Sie drehen sich um Chris Norgren, der als Kurator in einem Kunstmuseum in Seattle arbeitet und sich in seiner Freizeit als Detektiv betätigt, die mit dem Polizeibeamten Graham Sheldon liierte Golferin Lee Ofsted, die immer wieder in Verbrechen verwickelt wird, und die Kunstberaterin und Hobbydetektivin Alix London aus Seattle. Darüber hinaus verfasste der Autor drei Einzelwerke (die beiden ersten setzen sich mit der Nazizeit auseinander), etliche Kurzgeschichten sowie Artikel übers Schreiben und Reiseberichte. Hin und wieder arbeitete er als forensischer Anthropologe für die Clallam County Cold Case Task Force.

Mit seiner zweiten Frau, der Krimiautorin Charlotte Elkins, geborene Trangmar, mit der er seit 1972 verheiratet ist und die an der Lee Ofsted- und der Alix London-Serie mitarbeitet, lebt Elkins in Sequim auf der Olympic Peninsula im Nordwesten des Bundesstaats Washington. Aus seiner ersten Ehe mit Toby Siev (1959 bis 1972) hat er zwei Kinder, Laurence und Robin.

Bibliografie:
Gideon Oliver-Serie: ‚Fellowship of Fear‘ (1982), ‚The Dark Place‘ – ‚Yahi‘ (1983), ‚Murder in the Queen’s Armes‘ (1985), ‚Old Bones‘ – ‚Alte Knochen‘ (1987), ‚Cruses!‘ – ‚Fluch!‘ (1989), ‚Icy Clutches‘ (1990), ‚Make no Bones‘ (1991), ‚Dead Men’s Hearts‘ – ‚Tote Herzen‘ (1994), ‚Twenty Blue Devils‘ (1997), ‚Skeleton Dance‘ (2000), ‚Good Blood‘ (2004), ‚Where There’s a Will‘ (2005), ‚Unnatural Secection‘ (2006), ‚Little Tiny Teeth‘ (2007), ‚Uneasy Relations‘ (2008), ‚Skull Suggery‘ (2010), ‚Dying on the Vine‘ (2012), ‚Switcheroo‘ (2016);
Chris Norgren-Serie: ‚A Deceptive Clarity‘ (1987), ‚A Glancing Light‘ (1991), ‚Old Scores‘ – ‚Alte Meister‘ (1993);
Lee Ofsted-Serie (gemeinsam mit Charlotte Elkins): ‚Wicked Slice‘ (1989), ‚Rotten Lies‘ (1995), ‚Nasty Breaks (1997), ‚Where Have All the Birdies Gone?‘ (2004), ‚On the Fringe‘ (2005);                                                                                                         Alix London-Serie: ‚Dangerous Talent‘ – ‚Gefährliches Talent‘ (2012), ‚A Cruise to Die For‘ (2013), ‚The Art Whisperer‘ (2014), ‚The Trouble with Mirrors (2016);                                                                                                                  Einzelwerke: ‚Loot‘ (1999), ‚Turncoat‘ (2002), ‚The Worst Thing‘ (2011).

++ Erstellt: Juni 2011 ++
++ Update: März 2017 ++