(Kürzel für William Francis Granger, 1941-2012; schrieb auch als Joe Gash und Bill Griffith)

Bill Granger, ein renommierter, zweimal für den Pulitzer-Preis vorgeschlagener Journalist und Kolumnist aus Chicago, veröffentlichte von 1979 bis 1993 über zwanzig Krimis und (gemeinsam mit seiner Frau) drei Sachbücher. 1981 gewann er den „Edgar“ für den besten Kriminalroman.

Geboren in Wisconsin Rapids, Wisconsin, aufgewachsen im Süden Chicagos, besuchte Granger die St. Ambrose Elementary School, danach das La Salle Institute in Bronzeville, Chicago, und schliesslich die DePaul University, ebenfalls Chicago, an der er die Uni-Zeitung herausgab und 1963 in Englisch abschloss. Während seiner Collegezeit arbeitete er als Laufjunge bei der ‚Washington Post‘ und lernte dort seine zukünftige Frau kennen. Von 1963 bis 1966 war er Reporter für die Nachrichtenagentur ‚UPI‘, danach für die ‚Chicago Tribune‘. 1969 wechselte er zur politisch links stehenden Tageszeitung ‚Chicago Sun-Times‘, für die er neun Jahre Fernsehkritiken und Features verfasste. In dieser Zeit, 1971, ging er nach Irland, um für mehrere Zeitungen über den Bürgerkrieg zu berichten. Anschliessend wurde er freier Autor und (bis 1997) Kolumnist der ‚Chicago Tribune‘, von 1994 bis 1999 schrieb er Artikel für den ‚Chicago Daily Herold‘.

In Grangers erster (1979 gestarterer) Serie kämpft Peter Devereaux, genannt November-Mann, als Agent der „R Section“, einer fiktiven, 1961 ins Leben gerufenen Geheimdienstorganisation, gegen internationale Verschwörungen und Schurkereien. Devereaux, zu Beginn der Reihe Anfang fünfzig, war Professor für chinesische Geschichte an der Columbia University, bis er von der „Section R“ angeworben wurde. Im ersten Band ‚Der November Mann‘ wird er ins krisengeschüttelte Belfast entsandt, um einer fanatischen irischen Terrororganisation das Handwerk zu legen, die Lord Slough, den Vetter der Königin und reichsten Mann Englands, im Visier hat. Doch dann wird er selbst beinahe Opfer eines Mordanschlages, in seiner Abteilung scheint es eine undichte Stelle zu geben, und auch sein langjähriger Intimfeind Denisov vom KGB, die Konkurrenz von der CIA und die schöne Agentin Elisabeth Campbell machen ihm das Leben schwer.

Grangers zweite Reihe sieht Sergeant Terrence „Terry“ Flynn und Detective Karen Kovac von der Chicagoer Mordkommission im Mittelpunkt. Terry Flynn, geschiedener Vietnamveteran Mitte dreissig, entstammt einer irischen Polizistenfamilie. Er ist der geborene Jäger und kann sich stets auf seine Instinkte und Eingebungen verlassen. Karen Kovac, blond und blauäugig, geschiedene Mutter eines kleinen Sohns, ist eine schnelle und kluge Frau Anfang dreissig mit polnischen Wurzeln. Die beiden werden im Fortgang des Vierteilers ein Liebespaar.

Im Verlauf des ersten Bandes ‚Frauenmord in Chicago‘ wächst Terry Flynn langsam in die Hauptrolle der Reihe hinein. Karen Kovac wird gar erst in der Mitte dieses Romans eingeführt, als sie von der Streifenpolizistin zum Lockvogel und schliesslich zum Detective beim Morddzernat vorrückt. In der vielschichtigen, multiperspektivisch konzipierten Geschichte kommen auch der krebskranke Lieutenant Matt Schmidt und Jack Donovan, Leiter der Kriminalabteilung bei der Staatsanwaltschaft, zu eindrucksvollen Auftritten.

Von der dreibändigen Reihe um den ehemaligen Sportreporter und jetzigen Buchmacher Jimmy Drover aus Chicago und den drei Einzelwerken gibt es keine deutschen Übersetzungen.

Nach mehreren Hirnschlägen wurge Granger im Jahr 2002 in einem Veteranen-Heim in Montena, Illinois, untergebracht. Zehn Jahre später starb er dort im Alter von 70 Jahren. Er hinterliess seine Frau Lori, eine bekannte Journalistin und Autorin, mit der er 45 Jahre verheiratet war, und einen Sohn, Alec.

Bibliografie:

November Mann-Serie: ‚November Man‘ – ‚Der November-Mann‘ (1979), ‚Schism‘ (1981), ‚The Shattered Eye‘ – ‚Das tödliche Auge‘ (1982), ‚The British Cross‘ – ‚Verräter-Poker‘ (1983), ‚The Zurich Numbers‘ – ‚Code Zürich 123567‘ (1984), ‚Heminway’s Notebook‘ – ‚Hemingways Tagebuch‘ (auch unter dem Titel ‚Revolte in der Karibik‘, 1986), ‚There Are No Spies‘ – ‚Allein und verraten‘ (1986), ‚The Infant of Prague‘ (1987), ‚Henry McGee Is not Dead‘ (1988), ‚The Man Who Heard Too Much‘ (1989), ‚League of Terror‘ (1990), ‚The Last German‘ (1991), ‚Burning the Apostle‘ (1993);

Terry Flynn & Karen Kovac-Serie: ‚Public Murders‘ – ‚Frauenmord in Chicago‘ (1980), ‚Priestly Murders‘ – ‚Priestermorde in Chicago‘ (ursprünglich als Joe Gash, 1984), ‚Newspaper Murders‘ – ‚Ein Mord für die Schlagzeilen‘ (ursprünglich als Joe Gash, 1985), ‚The El Murders‘ – ‚Mitten im Winter‘ (1987);

Jimmy Drover-Serie: ‚Drover‘ (1991), ‚Drover and the Zebras‘ (1992), ‚Drover and the designated Hitter‘ (1994);

Einzelwerke: ‚Sweeps‘ (1980), ‚Queen’s Crossing‘ (1982).

Als Bill Griffith: ‚Time for Frankie Coolin‘ (1982).