(*1954)

Martin Compart kam in Witten/Ruhr zur Welt. Nach der Schulzeit und der Bundeswehr arbeitete er bei den Wittener ‚Ruhr-Nachrichten‘ und schrieb für die Kult-Magazine ‚Comixene‘ und ‚Science Fiction Times‘. Während des Studiums der Politikwissenschaften gründete er die AG Kriminalliteratur. 1982 wurde er Herausgeber des legendären Ullstein-Krimiprogramms ‚Gelbe Reihe‘. 1986 wechselte er zu Bastei-Lübbe, wo er unter anderem die Krimireihe ‚Schwarze Serie‘ betreute. Daneben war er stets auch als Journalist und Krimikritiker tätig. 1989 machte er sich selbständig und schrieb für Printmedien wie ‚Spiegel‘, ‚taz‘, ‚Esquire‘, ‚Musikexpress‘ und ‚TV-Spielfilm‘ und den Rundfunk. Daneben verfasste er Drehbücher für das Fernsehen sowie Kriminalhörspiele.

Von 1999 bis 2000 gab Compart 21 Kriminalromane (Derek Raymond! George Pelecanos!) und den Reader ‚Noir 2000‘ in der wertvollen Reihe ‚DuMont Noir‘ heraus. 2000 zeichnete er für das Standardwerk ‚Crime TV. Lexikon der Krimi-Serien‘ verantwortlich. 2004 folgte der zweite Noir-Reader ‚Dark zone‘, 2010 ‚G-Man Jerry Cotton – Eine Hommage‘ und 2013 die eBooks ‚Paint it Black – Über Noir-Fiction‘ und ‚Die Krays – Ein Gangster-Mythos‘. Seit 2014 ist er Herausgeber der Flashman-Papers im Kuebler Verlag. In seinem inspirierenden Blog beschäftigt sich Compart auf polemische Weise mit Themen aus den Bereichen populäre Kultur, True Crime, Politik und Geschichte.

Im Jahr 2001 veröffentlichte Martin Compart seinen ersten Krimi ‚Der Sodom-Kontrakt‘ (Untertitel: Ein politisch unkorrekter Anti-EU-Thriller) in dem von ihm mitgegründeten Strange Verlag, sechs Jahre später erschien eine leicht entschärfte Version im Berliner Alexander Verlag von Alexander Wewerka, dem Herausgeber des grandiosen Werks des 1995 verstorbenen US Autors Ross Thomas – des Präsidenten der „Gruppe Oberbaumbrücke“, die Martin Compart zusammen mit seinem Freund Jörg Fauser zu Beginn der 80er-Jahre ins Leben rief…

‚Der Sodomkontrakt‘ ist ein harter, kompromissloser, aus hin- und herspringenden Perspektiven erzählter Politroman über das Aufkommen des organisierten Verbrechens in Europa nach dem Zusammenbruch des Ostblocks, ein Roman über Geldgier, Machthunger und Perversion – der unsägliche Fall Dutroux bildet den Hintergrund. Im Mittelpunkt steht Gill (Vorname unbekannt), ein ehemaliger Geheimagent und Söldner in allen Krisenherden dieser Welt, der sich jetzt im Ruhrgebiet als Sicherheitsexperte und Privatdetektiv durchschlägt. Als sein Kollege Harry Brenner, der offenbar einer grossen Sache auf der Spur war, von den Berufskillern Schmidt und Schneider getötet wird und diese ihm den Mord in die Schuhe schieben, kann Gill mit Hilfe seines zwielichtigen Kumpels Klaus Danner alias „Karibik-Klaus“ in letzter Minute untertauchen. Es folgt eine blutige Jagd von Deutschland nach Belgien und wieder zurück, bei der neben den beiden monströsen Hitmen, der granatenharten, Männer verschlingenden Polizistin Alexa Bloch (Leiterin der Dortmunder Mordkommission), dem versoffenen Bullen Wilcke, dem Bordellbesitzer Klaus Danner und weiteren bizarren Gestalten auch der Bundesnachrichtendienst und widerwärtige Politiker mitmischen. Rasante Handlungsführung, grossartige Dialoge und knackige Sprüche – erstklassiger Lesestoff, jedoch nichts für schwache Nerven.

Auch in seinem zweiten (von einem Kritiker anerkennend als Schundroman mit Tiefgang bezeichneten) Thriller ‚Die Lucifer-Connection‘ wartet Compart mit einem zornigen Plot auf. Was scheinbar harmlos mit dem Verschwinden eines schwarzen Kätzchens beginnt, führt zu einem Massengrab voller Kinder in der Nähe von Dortmund, zu einem international agierenden Netzwerk von Satanisten, zum Bösen schlechthin. Als Gill, Polizeidirektorin Alexa Bloch (Gills beste Freundin, seit sie ihm das Leben gerettet hat) und „Karibik-Klaus“ den Zusammenhang der Fälle erkennen, machen sie Jagd auf die Kindermörder und Frauenschänder. Doch dann verabredet sich Alexa mit dem charismatischen Satanisten-Beauftragten der katholischen Kirche Professor Erik Zaran – das Unheil ist nun nicht mehr aufzuhalten. Der Dschungel von Sierra Leone (nach dem Bürgerkrieg ein zerrissenes, von westlichen Grosskonzernen ausgebeutetes Land), die Londoner Unterwelt, Wien (mit einem überraschenden Auftritt von Günter Brödls Krimifigur Doc Trash!) und eine Burgruine an der Donau sind die Schauplätze des wilden, blutigen Kampfs, den Gill und „Karibik-Klaus“ mit ihrer kleinen Privatarmee den Satanisten und ihren durchgeknallten Schergen aufzwingen.

Der schlanke, schmutzige Noir-Roman ‚Die Lemminge im Palast der Gier‘ gehört den beiden unehrenhaft entlassenen Afghanistan-Veteranen Andy und Vladi, die ihrem trostlosen Leben neuen Schub verleihen wollen, indem sie mit zwei Kumpeln den Geldtransport eines Gangsters überfallen. Der Raub gelingt, doch dann geht alles den Bach runter. Gill spielt hier nur eine kleine, aber entscheidende Rolle (und ist auch im Bonus-Track ‚Im Wald‘, einer zehnseitigen Backwood-Story, kurz und effizient am Werk zu sehen).

Bibliografie:

Gill-Romane: ‚Der Sodom-Kontrakt‘ (2001), ‚Die Lucifer-Connection‘ (2011), ‚Die Lemminge im Palast der Gier‘ (2014);

Einzelwerk: ‚Moneyshot‘ (eBook, 2012).