(*1949)

Nick Tosches, geboren in Newark, New Jersey, als Spross eines italienisch-stämmigen Barkeepers und einer irisch-stämmigen Hausfrau, aufgewachsen in Jersey City, verliess zum grossen Kummer seines Vaters bereits mit vierzehn Jahren die High School, um als Barkeeper zu arbeiten und ein wildes, von Drogen, Rockmusik und Schlägereien geprägtes Leben zu führen. 1969 liess er sich in New York City nieder, arbeitete dort als Grafiker in einem Unternehmen für Damenunterwäsche und gab nebenbei seine ersten Kurzgeschichten heraus. 1972 ging er nach Florida, wo er unter anderem als Schlangenfänger für das Serpentarium in Miami arbeitete. Er gab diesen Job jedoch auf, als ihn eine Schlange biss, kehrte nach New York zurück und wurde Rockmusikkritiker bei den Magazinen ‚Fusion’und ‚Creem‘ und Autor.

Tosches‘ fulminantes Krimidebüt ‚Kopf an Kopf‘ handelt von Geldgier, Betrug, Verrat und schlau ausgedachten Täuschungsmanövern. Im Mittelpunkt stehen der kleine Gauner Louie Brunellesches, ein smarter, etwas ausgelaugt wirkender Mann Ende dreissig, der sich in New York mühsam als „Usuraio“ (Kredithai) durchschlägt, und sein legendärer Grossonkel Giovanni, bzw. Onkel John, der Ende der 20er-Jahre, kurz vor dem grossen Börsen-Crash, mit einem Schlag das illegale Lotteriegeschäft von ganz Harlem in italienische Hände brachte; und der jetzt, fast sechzig Jahre später, in Newark einen letzten Coup ausheckt, der ihn um einige Millionen reicher machen soll. In wichtigen Nebenrollen: Johns alter Intimfeind Frankie Scarpa, genannt „Il Capraio“ („der Ziegenhirt“), der in seinem Sold stehende, jetzt aber offenbar die Fronten wechselnde Killer Joe Brecia, alias Brusher, und Louies heissblütige Freundin Donna Lou.

Sechs Jahre folgte ‚Die Meister des Bösen‘, ein epischer, in New York, Mailand, Palermo und Hongkong spielender Roman, gespickt mit brutalen, unter die Haut gehenden Szenen und scharf geschliffenen Dialogen – ein Meilenstein des Mafiathrillers („Der Pate der 90er-Jahre“, bloss ein, zwei Klassen besser). Sprachmächtig schildert Tosches den irrwitzigen Kampf um den weltweiten Heroinhandel, den sich die ergrauten, etwas müde gewordenen New Yorker Mafiosi und das habgierige, mit brutaler Härte vorgehende fernöstliche Drogensyndikat, die Triaden, liefern – einen Kampf, den die Sizilianer unter der operativen Leitung von Johnny di Pietro, dem Neffen eines der sizilianischen Greise, der sich bisher nur als kleiner Auftragskiller in Szene setzten konnte, erstaunlicherweise noch einmal haarscharf für sich entscheiden.

2002 kam Tosches‘ dritter Roman heraus: ‚In the Hand of Dante‘, ein auf zwei Zeitebenen, im 14. Jahrhundert und in der Gegenwart, spielendes Werk um Dante Alighieris ‚Göttliche Komödie‘. Deren Manuskript wird fast 600 Jahre nach der Niederschrift in einer unteririschen Kammer des Vatikans gefunden – und fällt alsbald in die Hände der Mafia. Einige Wochen später taucht das vermeintliche Originalmanuskript in New York auf, ein Autor und Dante-Experte namens Nick Tosches (!) soll es auf seine Echtheit prüfen. Doch Tosches kann der Versuchung nicht widerstehen und stibitzt das unschätzbar wertvolle Objekt.

Neben seinen Romanen publizierte Tosches zahlreiche Gedichte und Reportagen, ein Buch über die grossen Vergessenen der Rockmusik (‚Unsung Heroes of Rock’n Roll‘, 1984) sowie grandiose Biografien der Unterhaltungskünstler Jerry Lee Lewis (‚Hellfire‘, 1982) und Dean Martin (‚Dino‘, 1992), des Vatikanbankiers und Mafioso Michele Sindona (‚Geschäfte mit dem Vatikan‘, 1986) und des legendären Boxers Sonny Liston (‚Der Teufel und Sonny Liston‘, 2000).

Bibliografie:

‚Cut Numbers‘ – ‚Kopf an Kopf‘ (1988), ‚Trinities‘ – ‚Die Meister des Bösen‘ (1994), ‚In the Hand of Dante‘ (2002), ‚Me and the Devil‘ (2012), ‚Under Tiberius‘ (2015).