(* 1962 als Sergei Lobanov-Rostovsky)

Geboren in den Vereinigten Staaten als Sohn russischer Einwanderer, wuchs Sergei Lobanov-Rostovsky in der Nähe von New Orleans auf. Er studierte Anglistik an der Louisiana State University und anschliessend Creative Writing an der Stanford University und doktorierte an der Harvard University in Cambridge, Massachusetts, mit einer Arbeit über Shakespeare. Seit 1993 unterrichtet er verschiedene Fächer – Romanschreiben, Shakespeares Werk, Renaissance-Poesie und Film – am Kenyon College in Gambier, Ohio. Nebenberuflich, unter dem Pseudonym Kenneth Abel, debütierte er 1994 als Krimiautor.Er lebt in Columbus, Ohio, ist verheiratet und hat eine Tochter.

In seinem ersten Krimi ‚Köder am Haken‘ glänzt Abel mit grossartigen Dialogen, scharf geschliffener Figurenzeichnung und zeigt auf, dass die Übergänge zwischen Gangstern und Polizisten fliessend sind. Der Bostoner Cop Jack Walsh ist der Köder. Er verlor den Boden unter den Füssen, als sein Partner bei einem gemeinsamen Einsatz erschossen wurde, begann zu saufen, und tötete bei einem Autounfall Vincent D’Angelo, den einzigen Sohn des Mafia-Paten Johnny D’Angelo. Nach mehrmonatigem Aufenthalt im Knast taucht er in der Provinz von Massachusetts unter, wo sein Bruder einen Laden betreibt. Auf Jacks Fersen: Rachsüchtige Mobster, die Scheidungsanwälte seiner Frau – und die aufstrebende Staatsanwältin Kate Haggerty, die ihm einen verlockenden Deal anbietet: Er wird rehabilitiert, wenn es ihm gelingt, Johnny D’Angelo in die Pfanne zu hauen – ein Selbstmordunternehmen, doch Walsh, der nichts mehr zu verlieren hat, beisst an. Darüber hinaus will er mit seinem ehemaligen Vorgesetzten Tony Keenan abrechnen, dem auf Abwege geratenen Cop vom Drogendezernat, der vermutlich Walshs Partner auf dem Gewissen hat.

Abels zweiter Krimi ‚Die Mauer des Schweigens‘ lebt von originellen, glaubhaft skizzierten Figuren, von Abels vielschichtiger Erzählweise und den scharf geschliffenen, lebensnahen Dialogen. Die wichtigsten Rollen spielen die Mafiosi Tony Giardella, Bobby Amondano und Frankie Luccario, ihr Geldwäscher Adalberto Cruz, ein Guatemalteke mit düsterer Vergangenheit als Colonel einer Todesschwadron der Militärjunta, und Eduardo und Miilka, Cruz‘ Männer fürs Grobe; der gewiefte Überläufer Joey „the Wiseguy“ Tangliero, der nicht nur seine ehemaligen Mafiakollegen, sondern gleich auch noch über hundert auf der Lohnliste der Cosa Nostra stehende NYPD-Cops hochgehen lassen könnte; der ehrgeizige Staatsanwalt Conte; Deputy Federal Marshal Claire Locke als Vertreterin der Bundesbehörden; und die anständig gebliebenen Cops Dave Moser und Ray Fielding.

In Abels jüngsten Romanen ist der idealistische, in New Orleans tätige Anwalt Danny Chaisson die Hauptperson. Er ist in zweiter Ehe mit der ATF-Agentin Mickie Vega verheiratet, die er im ersten Band kennen lernte und mit der er eine kleine Tochter hat. ‚Die Flut‘, der dritte (und erste auf Deutsch vorliegende) Teil der Chaisson-Reihe, ist allerdings weniger ein Krimi (es geht zwar auch um Korruption, um mafiose Machenschaften in der örtlichen Baubranche und Versuche, diese zu verschleiern) als die eindrucksvolle Darstellung einer (auf Tatsachen beruhenden) Naturkatastrophe. Hauptakteur ist der kolossale Hurrikan Katrina, der Ende August 2005 in Louisiana gewütet, über 1’800 Menschen das Leben gekostet und ein unvorstellbares Chaos angerichtet hat.

Bibliografie:

Standalones: ‚Bait‘ – ‚Köder am Haken‘ (1994), ‚The Blue Wall‘ – ‚Die Mauer des Schweigens‘ (1996);

Danny Chaisson-Trilogie: ‚Cold Steel Rain‘ (2000), ‚The Burrying Field‘ (2002), ‚Down in the Flood‘ – ‚Die Flut‘ (2009).