(*1975)
Geboren in Berkeley, Kalifornien, als ältestes von vier Kindern einer Hausfrau und eines Anwalts, aufgewachsen in San Francisco, studierte Sally McGrane Englisch in Berkeley, um danach als Journalistin, Schwerpunkt Technologie, zu arbeiten. Seit 2004 lebt sie als freie Journalistin (‚New Yorker‘, ‚New York Times‘ und ‚Zeit Online‘) und Autorin von Spionageromanen in Berlin, unterbrochen durch längere Aufenthalte als Korrespondentin in Moskau und Odessa. Sie ist mit dem Musiker und Podcast-Produzenten Axel Scheele verheiratet und Mutter einer Tochter.
Sally McGranes erster Krimi ‚Moskau um Mitternacht‘ ist zuerst auf Deutsch im Europaverlag erschienen, zwei Jahre später erfolgte die Veröffentlichung des Originals. Augenzwinkernd, in surrealistischem Stil erzählt McGrane ihre vielschichtige, bizarre, mit kleinen Beobachtungen, herrlichen Alltagsszenen und übersinnlichen Passagen gefüllte Geschichte um den abgehalfterten, pausenlos Wodka kippenden, kinderlos verheirateten US-Spion und Russlandexperten Max Rushmore. Im Moskauer Gorki-Park ist die amerikanische Atommüllexpertin Sonja Ostravona angeblich an einem Herzinfarkt gestorben. Im Auftrag einer privaten CIA-Tochter-Organisation soll Max ein bisschen zum Rechten schauen und den Fall dann möglichst schnell abschliessen. Doch bald entdeckt er Ungereimtheiten, die nahelegen, dass es sich bei der Toten um eine andere Frau handelt. Es kommt zu einer wilden Jagd, die Max von Moskau nach Sibirien, Venedig, Paris, Berlin und zurück nach Moskau führt. Dabei trifft er auf ein buntes Personen-Ensemble: auf Gérard Dupres, skrupelloser Vizepräsident eines französischen Energiekonzerns, der tonnenweise radioaktiven Abfall in Russland entsorgt; auf den US-Amerikaner Bob Dominion, Leiter des internationalen Diamantenkartells; auf Professor Sanodelkin, sibirischer Spezialist für übernatürliche Phänomene im Zusammenhang mit Diamanten; auf Constantin Fuks, neureicher Gastronom und Strippenzieher in der Moskauer Ober- und Unterwelt; auf seinen alten Bekannten Pascha, ein mit der russischen Unterwelt bestens vertrauter Dramatiker; und ganz am Schluss auf Samodelkins Mitarbeiter „Goldzahn“, Mitglied des sibirischen „Stammes der Zeitreisenden“. Der Showdown findet im exklusiven Moskauer Nachtclub Midnight statt.
In ‚Die Hand von Odessa‘ (Verlag Voland & Quist, grossartig übersetzt durch Diana Feuerbach) muss sich Max Rushmore die Hauptrolle mit einer Katze teilen: dem fetten, dreckigen Kater Mister Smiley, der denken, sprechen und töten kann und immer wieder in die Handlung eingreift. Kurz nach der russischen Annexion der Krimi soll Max in der noch friedlichen Küstenstadt Odessa für eine private Sicherheitsfirma von einem Kongress über hybride Kriegsführung berichten – ein völlig sinnfreier Routineauftrag. Doch dann stösst er auf die abgetrennte Hand des hiesigen Gouverneurs Grischa und wenig später auf einen Zeh, und auf beiden Gliedern prangt ein Muttermal in der Form Floridas. Später kommt noch ein Menschenohr hinzu, Smiley hat es aus dem Meer gefischt. Bei seinen Ermittlungen trifft Max auf Wissenschaftler, die mit menschlicher DNA experimentieren, auf Mafiosi, korrupte Beamte und Politiker, auf dubiose Geschäftsleute und anderes Gelichter. Mit schnellen Perspektivenwechseln, haarsträubenden Szenen und raffinierten Twists hält Sally McGrane die Spannung der figurenreichen, von literarischen Anspielungen durchsetzten Geschichte hoch. Und zeichnet nebenbei ein faszinierendes Bild der weltoffenen Kulturmetropole vor dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Bibliografie:
Max Rushmore-Romane: ‚Moscow at Midnight‘ – ‚Moskau um Mitternacht‘ (2016), ‚Odesa at Dawn‘ – ‚Die Hand von Odessa‘ (2022).