(*1960; schreibt auch als Jagomir Krohm)
Geboren in der Kleinstadt Haan, Nordrhein-Westfalen, studierte Martin Schüller Germanistik und Geografie in Düsseldorf, um dann als Telekommunikationstechniker und Nachttaxifahrer zu arbeiten. Er war 25 Jahre Schlagzeuger, Komponist, Sänger und Texter in Rock- und Jazzbands, bevor er zum Schreiben kam und im Jahr 2000 mit dem Krimi ‚Jazz‘ debütierte. Es folgten drei Einzelwerke, der (nach ‚Jazz‘) zweite Jan Richter-Roman ‚Verdammt lang tot‘, der amüsante, an Lokalkolorit reiche Fünfteiler um den Garmischer Kommissar Schwemmer und seinen Kollegen Schafmann sowie sechs Adaptionen von eigenen Tatort-Drehbüchern. Martin Schüller lebt seit 1994 in Köln und widmet sich in letzter Zeit wieder vermehrt der Musik. Seine letzte CD ‚Songs of Crime and Fate‘ ist 2021 herausgekommen.
Jan Richter, ein liebenswürdiger, gutmütiger und etwas naiver Jazz-Club-Besitzer aus Köln, ist die Hauptperson der Romane ‚Jazz‘ und ‚Verdammt lang tot‘: Spannungsgeladene, mit Intrigen, amourösen Verwicklungen und kenntnisreichen Verweisen auf die lokale und internationale Jazzszene gewürzte, mit eindrucksvoll gezeichneten Charakteren aufwartende Geschichten, in denen Alkohol in Strömen fliesst.
Im ersten Roman steht Jan mit seinem kleinen, feinen Lokal ‚Cool Moon‘ kurz vor der Pleite, doch der Auftritt des Star-Saxophonisten Jack Saphire würde ihm noch einmal Luft verschaffen. Als Honorar ist das legendäre, offenbar über metaphysische Kräfte verfügende Saxophon von Charlie „Bird“ Parker vorgesehen, doch Jans Kumpel Straaten, der es herbringen sollte, ist seit einigen Tagen verschwunden. Verzweifelt macht Jan sich auf die Suche nach dem Instrument. Der Weg führt nach Lissabon und wieder zurück nach Köln, wo man Straaten soeben mit tödlichen Stichverletzungen aus dem Rhein gefischt hat.
Vier Jahre später: Aus dem „kleinen Kneipier“ Jan Richter ist ein „mittelgrosser“ geworden, der in Lissabon mit seiner portugiesischen Freundin Quitéria drei Jazzlokale betreibt, bis ihn die organisierte Kriminalität mit Schutzgelderpressung aus dem Geschäft drängt. Da begegnet er in einem seiner Clubs Bob Keltner, einem Posaunisten, der ihn bittet, sein vor dreissig Jahren nach dem mysteriösen Tod des Saxophonisten aufgelöstes Kölner Sextett noch einmal auf die Bühne zu bringen. Jan kann dem Auftrag nicht widerstehen. Er kehrt in seine Heimatstadt zurück, um die verbliebenen Musiker zusammenzubringen, doch die Vergangenheit wirft lange Schatten.
‚King‘ spielt im Frühjahr 1959 in Bad Nauheim, wo Elvis Presley von Oktober 1958 bis März 1960 in einem Haus an der von Fans belagerten Goethestrasse lebt, während er in Friedberg seinen Militärdienst bei den regulären US-Truppen leistet. Der coole, ausgefuchste (fiktive) CIA-Agent Pete Chambers, ein ehemaliger Autorennfahrer, ist als Leiter der Gruppe „King“ für die Sicherheit des Rock-Stars und dessen Entourage, unter ihnen Elvis‘ Vater Vernon, zuständig. Dieser ist mit einem Groupie im Wagen seines Sohnes auf der Piste, als er beinahe einem Mordanschlag zum Opfer fällt, worauf Chambers undercover als Chauffeur in den Presley-Clan eingeschleust wird. Kurz danach findet die Polizei in einem Wald die vergrabene Leiche einer unbekannten jungen Frau, die vor etwa zwei Wochen an den Folgen einer Abtreibung gestorben sein muss. Gleichentags trifft die Meldung eines Mädchens ein, seine Mitbewohnerin sei seit zwei Tagen spurlos verschwunden. Die Kripobeamten Grasshoff und Kemper ermitteln, wobei sie Chambers und seiner nicht besonders hellen Truppe immer wieder in die Quere kommen. Ist Elvis als „Verführer der ostdeutschen Jugend“ ins Fadenkreuz der Kommunisten geraten? Hat Elvis‘ Vater, ein berüchtigter Schürzenjäger, seine Finger im Spiel? Oder gibt es im Team „King“ einen Doppelagenten? In diesem einwandfrei gebauten, stilistisch überzeugenden und mit lebensnahen Dialogen ausgestatteten Krimi stellt der Autor sein feines Händchen für Schauplätze und Figuren unter Beweis. Zu den Figuren gehört selbstredend auch der damals 24-jährige „King of Rock ’n‘ Roll“, den Schüller als umgänglichen, sich nicht allzu ernst nehmenden Burschen präsentiert.
Bibliografie (ohne Tatort-Novellisierungen):
Jan Richter-Krimis: Jazz‘ (2000), ‚Verdammt lang tot‘ (2004);
Einzelwerke: ‚Killer‘ (2001), ‚King‘ (2002), ‚Kunstblut‘ (ursprünglich als Jagomir Krohm unter dem Titel ‚Kunst? Blut!‘ (2003);
Kommissar Schwemmer-Serie: ‚Tod in Garmisch‘ (2009), ‚Die Seherin von Garmisch‘ (2010), ‚Der Teufel von Garmisch‘ (2011), ‚Der Himmel über Garmisch‘ (2014), ‚Der Bulle von Garmisch‘ (2016).