(*1964)

Dirk Schmidt wurde als Sohn einer Hotelkauffrau und eines Kaufmanns in Essen geboren und studierte Geschichte, Germanistik, Theater-, Film- und Theaterwissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Daraufhin verfasste er Beiträge für Kulturmagazine, Glossen für den WDR und Drehbücher und arbeitete als freier Lektor und Werbetexter. Seit 2010 schreibt er Hörspiele für die ARD-Reihe ‚Radio Tatort‘ („Task Force Hamm“). Nach kurzen Stationen in München, New York und Hamburg lebt er mit Frau und Tochter in seiner Geburtsstadt.

Der namenlose Ich-Erzähler des Romans ‚Letzte Nacht in Queens‘ ist ein leidlich erfolgreicher Kunstmaler aus Düsseldorf, der, begleitet von seiner charmanten, schwangeren Frau Julia, sein Glück in New York versucht – und schon bald in eine Sackgasse gerät: Julia verlässt ihn, sein Geld muss er sich in einer üblen Fast-Food-Bude verdienen, Melancholie macht sich breit. Der Plan seines jamaikanischen Kumpels Richmond, mit Raubüberfällen gross abzusahnen, kommt ihm da gerade recht. In seinem warmherzigen Debütroman zeichnet Schmidt ein farbiges Bild der New Yorker Immigrantenszene und gibt auch den kleinen, namenlosen Leuten eine Stimme.

Schmidts zweiter Krimi ‚Task Force Hamm – ertränkt, erhängt, erschossen‘ spielt in der trüben, am Rand des Ruhrgebiets gelegenen westfälischen Stadt Hamm, Auffangbecken für alle Problemfälle der deutschen Polizei. Hier trifft der schwer spielsüchtige Kommissar Scholz auf den jähzornigen Schwulen Ditters, den gutmütigen, brunzdummen Hobby-DJ Latotzke und Polizeichef Vorderbäumen, der nebenbei mit Möbeln handelt – sie bilden die TASK FORCE HAMM. Scholz‘ erster Fall hat’s in sich: Der örtliche Metzger Horst Terjung, seit wenigen Wochen mit einer Katalogfrau aus Thailand verheiratet, hängt tot im Kühlhaus seiner Schlachterei – ertränkt, erhängt und mit einem Bolzengerät erschossen. Er hatte Schulden bei einem lokalen Ganoven, doch auch der Vater, der kein gutes Haar an seinem Sprössling lässt, kommt als Täter in Frage. Schmidt erzählt die groteske, urkomische Geschichte mit viel Sprachwitz und schwarzem Humor und führt sie zu einer unerwarteten, aber durchaus plausiblen Lösung.

Carl war Leiter des titelgebenden Jugendzentrums „Die Kurve“ in der öden Ruhrstadt Herne, bis er sich vor einigen Jahren auf eine einträglichere Tätigkeit verlegte: „Kriminelle Dienstleistungen jeder Art“ – man ruft ihn an, wenn man nicht weiterweiss. Seine ehemaligen Schützlinge sind für die Erledigung der Aufträge verantwortlich. Den harten Kern bildet das smarte Gespann Ridley und Betty; Jenny, Mali, Max, Wheelmaker und Schneider als Mann für die Drecksarbeit vervollständigen das eingespielte Team. Zwei Probleme stehen an: Ein steinreicher, zurzeit wegen Steuerdelikten in Ohio im Knast einsitzender Amerikaner will wissen, wer seine Tochter während ihres Berlin-Aufenthalts umgebracht und in den Landwehrkanal geschmissen hat. Der zweite Auftrag betrifft den kranken und betagten, nach einem Attentat kaum mehr handlungsfähigen Mafiapaten Francesco di Gemma, dessen Nachfolge es zu regeln gilt. Ihren Reiz bezieht die Geschichte jedoch weniger aus dem Plot als aus den liebevoll gestalteten, skurrilen Figuren und den grossartigen, an Elmore Leonard geschulten Dialogen.

Bibliografie:                                                                           

‚Letzte Nacht in Queens‘ (2003), ‚Task Force Hamm – ertränkt, erhängt, erschossen‘ (2015), ‚Die Kurve‘ (2025).