(Pseudonym für Maurice Coons, 1902-1930)

Armitage Trail, geboren in Madison, Nebraska, als ältestes von vier Kindern eines als Road-Manager für die New Orleans Opera Company sowie als Schreiner arbeitenden Vaters, aufgewachsen unter anderem in New Orleans, verliess mit sechzehn die Schule, um unter verschiedenen Pseudonymen Geschichten für die Pulp-Magazine zu schreiben. Ende der 20er-Jahre lebte er eine Weile in Chicago und kam dort mit sizilianischen Gangs in Berührung – Al Capone und andere Verbrecherbanden beherrschten damals die Stadt, während die üppig geschmierten Politiker und Polizisten im Hintergrund verharrten. Nach einem Zwischenhalt in New York City ging Trail nach Hollywood, um sich als Drehbuchautor zu etablieren. Kurz darauf, mit achtundzwanzig, erlag der über dreihundert Pfund wiegende Autor im Paramount Theater in Los Angeles einem Herzanfall, wenige Monate nachdem er seine beiden Krimis ‚Scarface‘ und ‚The Thirteenth Guest‘ veröffentlicht hatte.

‚Scarface‘ ist die Geschichte des Tony Guarino, Spross von Gemüsehändlern und jüngerer Bruder des aufstrebenden Cops Ben Guarino – ein ungebildeter, schlauer und machtgieriger Bursche mit einem ausgeprägten Familiensinn, der mit achtzehn seinen ersten Mord begeht. In den Schützengräben des Ersten Weltkriegs erleidet er entstellende Gesichtsverletzungen – und wird in der Kunst des Tötens perfektioniert. Einige Wochen vor seiner Rückkehr hat man ihn in Chicago für tot erklärt, was ihm jetzt zu gute kommt. Nicht mehr wiedererkannt selbst von seiner Familie, unter dem neuen Namen Tony Camonte, beginnt Scarface, wie man ihn in der Unterwelt nennt, seine höchst erfolgreiche Verbrecherlaufbahn und schwingt sich nach der Ermordung seiner wichtigsten Konkurrenten rasch zum grossen Boss der Chicagoer Unterwelt empor, bis er den Bogen überspannt und ins Gras beisst.

Aufgrund dieses schnellen, schmutzigen, im Pulpstil verfassten Krimis gilt Armitage Trail zusammen mit W.R. Burnett und Paul Chain als Begründer des amerikanischen Gangsterromans, eine Auszeichnung, die er auch dem Meisterregisseur Howard Hawks verdankt, der die Erzählung 1932 mit Paul Muni als Hauptdarsteller verfilmte. 1983 folgte Brian de Palmas‘ sehr freie Version mit Al Pacino als Scarface, und 2013 adaptierte der Franzose Christian De Metter den Stoff als grossartig gestaltete Graphic Novel.

Bibliografie:                                                                                        

‚The Thirteenth Guest‘ – ‚Der 13. Gast‘ (1929), ‚Scarface‘ – ‚Scarface‘ (1930).