(Kürzel für Alfred Edward Woodley Mason, 1865-1948)

A.E.W. Mason, geboren im Londoner Stadtteil Camberwell als Sohn eines Buchrevisors, besuchte das Dulwich College und studierte anschliessend von 1884 bis 1888 Altphilologie am Trinity College in Oxford. Zum Verdruss seiner spiessigen Eltern begann er darauf eine Karriere als Schauspieler. Er kam sechs Jahre in kleineren Rollen auf verschiedenen Bühnen zum Einsatz, bevor er 1894 zum Schreiben fand. In seinem Werk finden sich Theaterstücke, Abenteuerromane (z.B. den 1902 erschienenen und mehrmals verfilmten Bestseller ‚Die vier Federn‘), Krimis und Kurzgeschichten; ab Mitte der 30er-Jahre widmete er sich auch historischen Themen.

Mason war eine vielschichtige Persönlichkeit – leidenschaftlicher Weltenbummler und Bergsteiger, liberaler Parlamentsabgeordneter für die Stadt Coventry von 1906 bis 1910, hochrangiger Geheimagent im Ersten Weltkrieg mit Einsätzen unter anderem in Spanien, Mexiko und auf Gibraltar. Der sehr beliebte Autor (zu seinen Fans gehörte auch der englische König George V) starb 83-jährig in London, als er an einem Buch über Admiral Robert Blake arbeitete.

Masons zwischen 1910 und 1946 veröffentlichter Fünfteiler um Kriminalinspektor Gabriel Hanaud von der Pariser Sûreté und seinen verwitweten und wohlhabenden, in London lebenden Freund und „Assistenten“ Julius Ricardo, aus der nur die zwei ersten Titel auf Deutsch vorliegen, war zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts unerhört populär – nicht zuletzt aufgrund der beiden (zumindest für damalige Verhältnisse) recht originellen Hauptfiguren. Mit Gabriel Hanaud kreierte Mason ganz bewusst einen „Anti-Sherlock-Holmes“: Er ist kein arroganter Amateur, sondern ein professioneller, scharfsinniger, seiner Intuition vertrauender Ermittler mit einem freundlichen Wesen, Hängebacken und viel Sinn für Humor. Hanaud und Ricardo haben auch im Einzelwerk ‚The Sapphire‘ einen kurzen Auftritt. 1931 ist ferner der Sammelband ‚Inspector Hanaud Investigates‘ erschienen.

‚Das Geheimnis der Sänfte‘ gilt als Masons bester Krimi. Angesiedelt in der burgundischen Stadt Dijon, kreist er um eine grosse Erbschaft, die zwielichtige, mit den Mitteln der Erpressung und der Intrige operierende Gestalten auf den Plan rufen, aber auch um romantische Verwicklungen – und natürlich um Mord. Kriminalinspektor Hanaud, der diesmal ohne Ricardos Hilfe auskommen muss, wird alles abverlangt, um die Ermittlungen dieses eigenartigen Kriminalfalls in die richtigen Bahnen zu lenken. Die formal und stilistisch durchaus ansprechende Erzählung hat indes mit den Jahren ein wenig Staub angesetzt – gespreizte Dialoge und die vielen Szenen mit jäh sich verzerrenden Gesichtern und Frauen, die heftig erröten oder erbleichen, geben ihr einen etwas antiquiert-theatralischen Touch.

Bibliografie:

Inspector Hanaud-Serie: ‚At the Villa Rose‘ – ‚Die Tote in der Villa Rosa‘ (1910), ‚The House oft he Arrow‘ – ‚Das Geheimnis der Sänfte‘ (1924), ‚The Prisoner in the Opal‘ (1928), ‚They Wouldn’t Be Chessmen‘ (1935), ‚The House in Lordship Lane‘ (1946).

Einzelwerke: ‚The Witness for the Defense‘ (1913), ‚The Sapphire‘ (1933).