(*1935)

Geboren und aufgewachsen im Grossraum Los Angeles, musste Charles Alverson unzählige Male die Schule wechseln, da seine Eltern immer wieder umzogen. Nach der Highschool diente er drei Jahre als Fallschirmspringer bei der US-Army, anschliessend studierte er Englisch mit einem Abschluss am San Francisco State College im Jahr 1960. Nach sechs Monaten in der Werbung zog er 1961 nach New York City, um für das Satiremagazin ‚HELP!‘ zu arbeiten. Es folgten weitere journalistische Anstellungen und ein 1963 abgeschlossenes Journalistikstudium an der Columbia University. Frisch verheiratet, schrieb er in den folgenden sechs Jahre für das ‚Wall Street Journal‘, zuerst in San Francisco, später in Los Angeles und Philadelphia, unterbrochen durch einen sechsmonatigen Aufenthalt in der Drogenentzugskommune Synanon in Ocean Beach, Kalifornien, im Jahr 1967 – als Nicht-Süchtiger.

1969 übersiedelte Alverson nach Grossbritannien – London, Radnorshire (Wales) und Cambridge waren seine Wohnsitze. Er heiratete dort seine zweite Frau, mit der er drei Kinder hatte, arbeitete für die Musikzeitschrift ‚Rolling Stone‘ und verschiedene Tageszeitungen – und startete seine schriftstellerische Laufbahn. Alverson schrieb Romane für Erwachsene, Kinder und Jugendliche, Kurzgeschichten und Filmskripts und lieferte die Drehbücher zu Terry Gilliams Kultfilmen ‚Jabberwocky‘ und ‚Brazil‘. 1980 wurde er verantwortlicher Redakteur des von Gilliams Monty Python-Kollegen Terry Jones finanzierten Umweltmagazins ‚Vole‘, später war er in leitender Stellung für die Zeitschrift ‚Insight‘ und das Technikmagazin ‚GIS Europe‘ tätig. Neben seinen journalistischen und schriftstellerischen Aktivitäten machte er als militanter Gegner von Thatchers Steuerpolitik und des ersten Golfkriegs von sich reden; er wurde zweimal verhaftet, aber nicht verurteilt.

1993 besuchte er in Belgrad die Serbin Zivana Anicin, die er vierzehn Jahre zuvor kennen gelernt hatte, als sie in England als au-pair-Mädchen in Terry Jones‘ Haushalt angestellt war. Sie heirateten 1994 in Belgrad, und Alverson arbeitete dort als Journalist und Lehrer. 1998 liessen sie sich auf einer Farm in dem nordserbischen Dorf Parage nieder, wo sie die Bombardierung Serbiens durch die NATO erlebten. Charles Alverson, dessen letztes Buch 1989 erschienen ist, betreibt das Schreiben längst nur noch hobbymässig – in seinem Schreibtisch befinden sich, wie er 2008 in einem Interview sagte, fünf unveröffentlichte Manuskripte, die teilweise auf seiner Homepage abgedruckt sind. Im selben Interview bezeichnete der Globalisierungsgegner Alverson seine Wahlheimat als interessanteste, aber auch frustrierendste Region, in der er je gelebt hat.

Während seiner Zeit in Grossbritannien brachte Alverson auch drei Krimis zu Papier. In zwei schnörkellosen, mit flotten Sprüchen und komischen Szenen gewürzten Romanen steht der geschiedene Cop bzw. Ex-Cop Jonah Webster „Joe“ Goodey aus San Francisco im Mittelpunkt, ein sympathischer Bursche mit grosser Klappe, der in einer kleinen Wohnung über einem chinesischen Lebensmittelladen in Chinatown lebt.

Im ersten Band ‚Bis aufs Blut‘ verliert Joe Goodey seinen Job bei der Polizei, als er irrtümlicherweise einen alten Wachmann erschiesst, der sich als Cousin eines vorgesetzten Majors erweist. Doch bereits am nächsten Tag erhält er eine Privatdetektiv-Lizenz, um im Auftrag eben dieses Majors möglichst diskret den Mord an der Tänzerin Tina D’Oro aufzuklären – sie war die Liebhaberin des Majors, und der steht jetzt unter Mordverdacht.

Auch ‚Tod auf Krankenschein‘ beschert Goodey einen knackigen Fall. Frederick Crenshaw, Leiter einer Versicherungsgesellschaft, beauftragt ihn, den Tod seiner 20-jährigen psychisch labilen Enkelin Katie aufzuerklären. Das Barbiturat-abhängige Mädchen suchte Hilfe bei dem „Institut“, einer Mischung aus Sekte und Irrenhaus, und kam einige Monate später unter unklaren Umständen ums Leben. Geleitet wird die Institution von dem trotz seiner grenzenlosen Dummheit charismatischen Narzisten Hugo Fischer, einem ehemaligen Seemann der Handelsmarine mit Knastvergangenheit, dem Goodey jedoch bald auf die Schliche kommt. In seiner spritzigen, mit viel Witz erzählten Geschichte überschüttet Alverson das Sektenwesen mit Spott und Hohn und legt viel mehr Wert auf die Schilderung der Figuren und ihrer Interaktionen als auf Action.

Harry Caster, Antiheld des Einzelwerks ‚Tanz der Gewalt‘, ist ein sanftmütiger Familienvater und Besitzer einer gut laufenden Bar in einer Kleinstadt am Hudson River. Eines Tages taucht der Mafioso Carlo Rizzi, der bei seinem Boss verschuldet und deshalb in Ungnade gefallen ist, bei Harry auf, um fortan als „stiller Teilhaber“ die Hälfte der Einnahmen zu kassieren, und unterstreicht seine Forderung, indem er dessen Wagen in Flammen aufgehen lässt. Doch Harry lässt sich nicht unterkriegen. Tatkräftig unterstützt durch den hartgesottenen, psychopathischen Privatdetektiv Alec Hoerner, Vietnamveteran und Ex-Cop, schlägt er zurück, doch auch Rizzo erhält Verstärkung, und ein blutiger Krieg bricht aus.

Bibliografie:

‚Fighting Back‘ – ‚Tanz der Gewalt‘ (1973);

Joe Goodey-Romane: ‚Goodey’s Last Stand‘ – ‚Bis aufs Blut‘ (auch unter dem Titel ‚Striptease mit beschränkter Haftung‘, 1975), ‚Not Sleeping, Just Dead‘ – ‚Tod auf Krankenschein‘ (1977).