(*1946; schreibt auch als Mike Jaeger)

Jürgen Alberts, geboren im Kurort Kirchen/Sieg, Rheinland-Pfalz, als Sohn von Apothekern, studierte Germanistik, Politik und Geschichte in Tübingen und Bremen und wurde mit der Arbeit ‚Massenpresse als Ideologiefabrik‘ promoviert. Danach arbeitete er unter anderem für verschiedene deutsche Fernsehstationen und als Herausgeber der alternativen Monatszeitung ‚Bremer Blatt‘, bis er 1987 das Schreiben zum Hauptberuf machte und Drehbücher, Hörspiele, Reiseromane, Sachbücher, Krimis und historische Romane verfasste. Darüber hinaus übersetzte er Paco Taibo II und Daniel Chavarria ins Deutsche, war Initiator der ‚Literarischen Asservatenkammer‘, der ersten deutschen Krimibibliothek, in Bremen und organisiert die Krimifestivals ‚Prime Time Crime Time‘ (seit 1997) und ‚Morden im Norden‘ (seit 2006). Er lebt mit seiner Frau Marita, einer Autorin und ehemaligen Lehrerin, in Bremen.

Jürgen Alberts kann ein vielfältiges Werk vorweisen. Es enthält drei mit Sciencefiction-Elementen durchsetzte Thriller (Gehirnstation-Trilogie); einen semi-dokumentarischen Roman über den vielfachen Pariser Frauenmörder Henri-Désiré Landru, der im Frühjahr 1919 verhaftet und am 25. Februar 1922 in Versailles hingerichtet wurde, obschon gegen ihn nur Indizienbeweise vorlagen; sieben gemeinsam mit Marita verfasste Tüftelkrimis; einen zwischen 1975 und 1993 spielenden Zehnteiler, der das Innenleben der Polizei und der Medien in der Hansestadt Bremen beleuchtet, und den er später um den „elften Band“, ‚Die Bremen-Polizei-Serie 1987-1996‘, ergänzte; eine kleine Reihe von etwas windschiefen, mit Sprüchen unterschiedlicher Qualität gespickten Privatdetektiv-Romanen und -Stories mit dem bekifften J.B. Cool  im Brennpunkt des Geschehens – seinen ersten Auftritt hatte er in der Chandler-Pastiche ‚Der grosse Schlaf des J.B. Cool‘, erschienen als Hardcover im Haffmans Verlag zum 50. Geburtstag des Autors; sowie seinen Geniestreich ’Hitler in Hollywood’. Zu seinem 70. Geburtstag veröffentlichte Alberts die Autobiografie ‚Wilder Mann lauf. Mein Leben in Romanen‘.

‚Landru‘, 1988 mit dem „Glauser“ für den besten deutschsprachigen Kriminalroman ausgezeichnet, spielt in den ersten drei Jahren der nationalsozialstischen Schreckensherrschaft. Hauptperson ist der jüdische Reporter Paul Brock aus Berlin, der seinerzeit die Hinrichtung des Serienmörders mitverfolgt hat, sich seit kurzem als Korrespondent des ‚Berliner Tagblatts‘ in Paris im Exil befindet – und dem der Fall Landru keine Ruhe lässt, seit ihm zu Ohren kam, dass der Verbrecher vor sieben Jahren von dem famosen Clown Grock in Buenos Aires gesehen worden ist. Hat die französische Regierung die Morde erfunden, um das Interesse der Öffentlichkeit von politischen Turbulenzen nach Ende des Krieges abzulenken, und Landru danach ein Leben in Argentinien finanziert mit der Auflage, nie mehr nach Frankreich zurückzukehren? Brock begibt sich auf Spurensuche, trifft sich mit Grock und redet mit anderen Zeitzeugen, wird bedroht und spitalreif zusammengeschlagen – und scheint der Lösung immer näherzukommen.

Vorbild für die Bremen-Polizei-Serie ist die Dekalogie des schwedischen Ehepaars Per Wahlöö und Maj Sjöwall, mit der Alberts seit vielen Jahren eine enge Freundschaft verbindet. Die Besetzung ist in allen Romanen mehr oder weniger gleich, doch in jedem Band steht eine andere Figur (ein Kommissar oder ein Journalist, einmal sind es gar zwei Streifenpolizisten) im Mittelpunkt. Auf respektlose, oft auch satirische Weise rechnet der Autor mit dem Spiessertum ab und behandelt Themen wie Polizistenwut, die sich in Gewaltakten – beispielsweise Folter von ausländischen Drogendealern – entlädt, Korruption, fragwürdige Machenschaften in der Medienwelt und Industriespionage, teilweise vor dem Hintergrund von realen Geschehnissen.

‚Hitler in Hollywood‘, eine prickelnde, zwischen Fiktion und Wirklichkeit pendelnde Geschichte, spielt vorwiegend im Hollywood der 1940er-Jahre, daneben aber auch zur Zeit der Räterepublik 1919 und in der Verlagsszene der Gegenwart der 90er. Das FBI plant ein Attentat auf Adolf Hitler und benötigt dazu die Hilfe des schlagfertigen Münchner Schriftstellers Georg Kupfer, der, wie die ebenfalls prägnant auftretenden Bertold Brecht, Thomas und Heinrich Mann und Lion Feuchtwanger, vor den Nazis in die Vereinigten Staaten geflohen ist. In der Jetztzeit macht sich die deutsche Lektorin Lisa Mansfeld auf die Suche nach Brechts legendenumwobenem Skript zu Fritz Langs Anti-Nazi-Film ’Hangmen Also Die’ – es ist zugleich eine Reise in ihre eigene Vergangenheit.

Bibliografie:

Gehirnstation-Trilogie: ‚Die Gehirnstation‘ (gemeinsam mit Fritz Nutzke, 1984), ‚Die Entdeckung der Gehirnstation‘ (1985), ‚In der Gehirnstation‘ (1990);

Bremen-Polizei-Serie: ‚Das Kameradenschwein‘ (1987), ‚Der Spitzel‘ (1988), ‚Die Chop-Suey-Gang'(1989), ‚Die Falle‘ (1990), ‚Die Selbstmörder‘ (1991), ‚Der Tiermörder‘ (1992), ‚Tod eines Sesselfurzers‘ (1993), ‚Die Geiselnehmer‘ (1994), ‚Mediensiff‘ (1995), ‚Kriminelle Vereinigung‘ (1996);

J.B. Cool-Serie: ‚Der grosse Schlaf des J. B. Cool‘ (1996), ‚J. B. Cool meets Jesus Christ‘ (Stories, 1999), ‚J.B. Cool und der König von Brehmen‘ (2000), ‚J.B. Cool – Extra dry‘ (2002), ‚Der grosse Abschied des J.B. Cool‘ (Stories, 2006);

Hanseatische Trilogie: ‚Familienfoto‘ (2003), ‚Familiengeheimnis‘ (2005), ‚Familiengift‘ (2006);

Einzelwerke: ‚Landru‘ (1987), ‚Zielperson unbekannt‘ (1990), ‚Hitler in Hollywood‘ (in überarbeiteter Form unter dem Titel ‚Brecht in Hollywood‘, 1997 bzw. 2015), ‚Einschalttote‘ (2015).

Gemeinsam mit Marita Alberts: ‚Tod in der Algarve‘ (1985), ‚Entführt in der Toskana‘ (1988), ‚Gestrandet auf Patros‘ (1989), ‚Sieben Rosen im Atlantik‘ (1999), ‚Capuccino zu dritt‘ (2000), ‚Tod in der Quizshow‘ (2008), ‚Im Schatten der Teide‘ (2017).

Gemeinsam mit Eckhard Mordhorst: ‚Leiche über Bord‘ (2008).

Als Mike Jaeger: ‚Sabotage‘ (2000).