(1937-2003)

Alexander Heimann wurde als Sohn des Schriftstellerehepaars Erwin Heimann und Gertrud Heizmann im Weiler Ferenberg bei Bern am Fuss des Bantigers geboren. Er absolvierte die Berner Buchhändlerschule und übte den Beruf in London, Paris und Bern aus. Daneben arbeitete er als Publizist und Autor. Sein Werk enthält Romane, Erzählungen, Gedichte, Texte zu Sachbüchern, drei Hörspiele und das Kriminalstück ‚Höhenkoller‘. Heimann starb in seinem 66. Lebensjahr in Bern. Er hinterliess seine Frau, die Schriftstellerin Susy Schmid, die er 1999 geheiratet hatte.

Geschult an Friedrich Glauser, Friedrich Dürrenmatt und vor allem Georges Simenon, veröffentlichte Heimann von 1980 bis 2001 acht psychologisch ausgefeilte, in einer kraftvollen, mit Schweizer Idiomen durchsetzten Sprache erzählte und stets mit neuen Charakteren und Milieus aufwartende Kriminalromane, aus denen ‚Wolfszeit‘ hervorsticht. ‚Dezemberföhn‘ (1997) und ‚Muttertag‘ (2002) wurden mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet, während der Autor in der Schweiz nie die ihm zustehende Anerkennung erfuhr.

‚Wolfszeit‘ erzählt die Geschichte des alten, gebrechlichen, in einem unwirtlichen Haus im Berner Mittelland wohnenden Witwers Rufer, der, ginge es nach seinen beiden Töchtern, längst in einem Altersheim untergebracht wäre. Doch Rufer wehrt sich dagegen, will selbständig bleiben und weiterhin in seiner Werkstatt Schaukelpferde zimmern. Eines Abends, kurz vor Weihnachten, entdeckt er auf seinem verschneiten Grundstück eine Blutspur, die in den Keller zieht.

‚Dezemberföhn‘ spielt im Spätherbst 1955, unheimliche Geschehnisse verdüstern die Stimmung im (erdachten) Berner Dorf Hinterzünen: Ein Mann lauert nachts den Mädchen auf und versetzt sie in Angst und Schrecken, eine Katze wird auf grausame Weise getötet. Josi, ein geistig zurückgebliebener Hilfsarbeiter mit gewalttätigen Neigungen, gerät in den Fokus der aufgebrachten Bevölkerung, und auch dem Ostschweizer Künstler und Schriftsteller Josua Kniehorn, der im Dorf seine Ruhe finden und ein neues Leben anfangen will, traut man nicht über den Weg. Dann kommt der 17. Dezember, der Föhn hebt die Temperatur auf fast sommerliche Werte – und die aufgeheizte Stimmung entlädt sich in Akten sinnloser Gewalt.

‚Muttertag‘ ist Heimanns letzter Krimi. Der geschiedene und vereinsamte, nach einem Herzinfarkt frühpensionierte Berner Kantonspolizist Hans Kammermann trifft an der Aare auf eine verstörte, etwas verwahrloste junge Frau, Silvia, deren kleiner Junge eben entführt worden ist, und nimmt sich contre coeur ihrer an. Einige Monate zuvor haben Margret und Roman Bühler ihren einzigen Sohn, den zweijährigen Kevin, durch einen tragischen Unfall verloren, und machen seither die Hölle durch. Margret, ausser Stande, den Schicksalsschlag zu verarbeiten, beschafft sich Ersatz. Die beiden Schmalspurganoven Max und Kurt beobachten Margrets Tat und planen eine Erpressung. Kunstvoll verknüpft Heimann diese drei Handlungsstränge zu einer stimmungsvollen, psychologisch einfühlsamen Geschichte.

Bibliografie:

‚Lisi‘ (1980), ‚Die Glätterin‘ (1982), ‚Bellevue‘ (1984), ‚Nachtquartier‘ (1987), ‚Honolulu‘ (1990), ‚Wolfszeit‘ (1993), ‚Dezemberföhn‘ (1996), ‚Muttertag‘ (2001).