(1926-2007)

Driss Chraibi wurde als Sohn eines wohlhabenden islamischen Teehändlers in El-Jadida an der marokkanischen Atlantikküste geboren. Nach dem Gymnasium am französischen Elite-Lycée Lyantey in Casablanca ging er 1945 nach Paris, wo er 1951 in Chemie abschloss. Als er daraufhin keine Arbeit fand, bereiste er Europa und Israel, seinen Lebensunterhalt bestritt er unter anderem als Nachtwächter, Journalist, Arabischlehrer und Fotograf. Mitte der 50er-Jahre liess er sich mit seiner ersten Frau Catherine Birckel und den fünf Kindern in Frankreich nieder. Dort begann er seine Laufbahn als Schriftsteller – und avancierte zum Pionier und „enfant terrible“ der Maghreb-Literatur.

Im Jahr 1954 erschien Chraibis erster von rund zwanzig Romanen: ‚Le Passé simple‘, eine scharfe Abrechnung mit der traditionellen marokkanischen Gesellschaft. Der autobiografisch geprägte Roman sorgte in Marokko für einen Skandal und blieb bis 1977 verboten. Anfang der 80er-Jahre debütierte Chraibi als Krimiautor, 1998 und 2001 gab er seine Memoirenbände ‚Vu, lu, entendu‘ und ‚Le monde à côté‘ heraus. Darüber hinaus schrieb er während dreissig Jahren Hörspiele für die Radiostation ‚France-Culture‘. Er starb 80-jährig in seiner Wohnung in Crest, Drôme, wo er seit 1986 mit seiner zweiten Frau, der Schottin Sheena McCullion, und ihren fünf gemeinsamen Kindern gelebt hatte (Chraibi hatte tatsächlich insgesamt zehn Kinder mit seinen beiden Gattinnen!).

Von 1981 bis 2004 veröffentlichte Chraibi den Fünfteiler um Inspektor Ali (Nachname unbekannt) von der Mordkommission Casablanca, der auch in England, den Vereinigten Staaten und Afghanistan ermittelt.

‚Inspektor Ali im Trinity College‘, knapp 120 Seiten umfassend, spielt vor allem im englischen Cambridge, wo eine adelige marokkanische Studentin unter rätselhaften Umständen ums Leben kam. Inspektor Ali, ein schlitzohriger, unberechenbarer, von seinen Gegnern notorisch unterschätzter – mal als grobschlächtiger Tölpel, mal als arroganter Macho auftretender – Ermittler, ein Liebhaber von Lyrik, Kreuzworträtseln und schönen Frauen, reist mit seiner heissblütigen Gattin Sophia nach England, um dort ein wenig zum Rechten zu schauen bzw. eine diplomatische Katastrophe zu verhindern. Mit lässiger Dreistigkeit macht er sich ans Werk und löst den höchst delikaten Fall, an dem seine britischen Kollegen kläglich gescheitert wären.

Bibliografie:
Inspektor Ali-Serie: ‚Une enquête au pays‘ – ‚Ermittlungen im Landesinnern‘ (1981), ‚L’inspecteur Ali‘ (1991), ‚L’inspecteur Ali à Trinity College‘ – ‚Inspektor Ali im Trinity College‘ (1996), ‚L’inspecteur Ali et la CIA‘ (1998), ‚L’homme qui venait du passé‘ (2004).

++ Erstellt: Oktober 2014 ++