(1922-2009; schrieb auch als David Line)

Lionel Davidson wurde als jüngstes von neun Kindern in Hull, Yorkshire geboren. Lionels Vater, ein mittelloser jüdischer Schneider aus Polen, lernte dort seine analphabetische, aus Litauen stammende Frau kennen und starb 1924. Vier Jahre später liess sich die Mutter mit ihren Kindern in London nieder. Lionel, der seiner Mutter das Lesen und Schreiben beibrachte, verliess mit dreizehn die Schule, um Geld zu verdienen. Er arbeitete als Laufbursche für das Magazin ‚Spectator‘, das 1937 eine von ihm unter Pseudonym verfasste Story veröffentlichte. Im Zweiten Weltkrieg war er auf britischen U-Booten im Fernen Osten als Telegraf im Einsatz. In den späten 40er- und den 50er-Jahren schrieb er als freischaffender Journalist für die ‚Keystone Press Agency‘ in verschiedenen europäischen Ländern, unter anderem in der Tschechoslowakei. 1955 wurde er Redakteur der Zeitschrift ‚John Bull‘.

Ab 1960 war Davidson vorwiegend als Autor von Spannungsromanen für Jugendliche (unter dem Pseudonym David Line) und Erwachsene (unter angestammtem Namen) tätig. Von 1967 bis 1977 lebte er in Israel, danach kehrte er nach London zurück. Seine erste Frau Fay Jacobs, die er 1949 geheiratet hatte und die zwei Söhne, Philip und Nick, zur Welt brachte, starb 1988. Ein Jahr später vermählte er sich mit Frances Ullman. Mit 87 Jahren erlag er in seinem Haus im Norden Londons einer langwierigen Krankheit.

Davidsons witziger Romanerstling ‚Die Nacht des Wenzel‘, in Grossbritannien seinerzeit ein Bestseller, erzählt die Geschichte des jungen Engländers Nicolas Whistler, der auf einer Geschäftsreise nach Prag unfreiwillig in den Kalten Krieg verwickelt wird. Drei der nachfolgenden Romane – ‚Das Geheimnis der Menora‘, ‚Der Ruf der Gazelle‘ und ‚The Sun Chemist‘ – sind in Israel angesiedelt.

‚Tod in Chelsea‘, Davidsons einziger lupenreiner Krimi, dreht sich um eine Serie von spektakulären Morden im Londoner Stadtteil Chelsea; der mürrische Chief Superintendent Warton und die ehrgeizige freischaffende Reporterin Mary Mooney verbeissen sich in den Fall. Als Störenfriede und potenzielle Täter treten immer wieder die exzentrischen Experimentalfilmer Artie, Steve und Frank in Erscheinung – und alle Opfer stammen aus ihrem unmittelbaren Umfeld.

1994 veröffentlichte Davidson seinen achten (und letzten) Erwachsenenroman ‚Der Rabe‘, eine intelligent komponierte, detailreiche Agentengeschichte mit Abenteuerelementen. Sie dreht sich um Doktor Johnny Porter, genannt „Der Rabe“, einen kaltblütigen, eigenbrötlerischen, ungemein zähen, mit Dutzenden Sprachen und Dialekten vertrauten Wissenschaftler indianischer Herkunft, genannt, der vom britischen und amerikanischen Geheimdienst einen höchst gefährlichen Auftrag erhält: Er soll eine brisante Botschaft des in einem streng geheimen, unterirdischen nordsibirischen Genlabor tätigen Biologen Efraim Rogatschow in den Westen schmuggeln. Eine strapaziöse Reise durch einsame, unwirtliche Gegenden, in denen die Temperaturen kaum je unter 50 Grad Celcius sinken, nimmt ihren Lauf.

Bibliografie:

‚The Night of Wenceslas‘ – ‚Die Nacht des Wenzel‘ (1960), ‚The Rose of Tibet‘ – ‚Die Rose von Tibet‘ (1962), ‚A Long Way to Shiloh‘ (auch unter dem Titel ‚The Menora Men‘) – ‚Das Geheimnis der Menora‘ (1966), ‚Making Good Again‘ (1968), ‚Smith’s Gazelle‘ – ‚Der Ruf der Gazelle‘ (1971), ‚The Sun Chemist‘ (1976), ‚The Chelsea Murders‘ (auch unter dem Titel ‚Murder Games‘) – ‚Tod in Chelsea‘ (1978), ‚Kolymsky Heights‘ – ‚Der Rabe‘ (1994).