(Kürzel für Donald Fiske Tracy, 1905-1976; schrieb auch als Roger Fuller, Carolyn MacDonald, Barnaby Ross und C. K. M. Scanlon)

Geboren in New Britain, Connecticut, arbeitete Don Tracy von 1926 bis 1928 als Journalist für verschiedene lokale Zeitungen in seinem Heimatstaat, danach bis 1934 als Redakteur für ‚Radio News‘ in New York City, bevor er im selben Jahr seinen ersten (und bekanntesten) Roman ‚Criss-Cross‘ veröffentlichte. Im Zweiten Weltkrieg war er bei der Militärpolizei. Von 1955 bis 1960 gab er Sommerkurse an der Syracuse University. Er starb 70-jährig in Clearwater, Florida.

Unter bürgerlichem Namen und einigen Pseudonymen schrieb Tracy dreizehn Noir-Romane, die neunteilige Serie um den für eine geheime Armeeorganisation arbeitenden Undercover-Agenten Giff Speer, über zwanzig historische Romane und etliche Novellisierungen bekannter Fernsehserien wie ‚Peyton Place‘, ‚The Defenders‘, ‚The Fugitive‘ und ‚Burke’s Law‘. Kurz vor seinem Tod gab er ein Sachbuch über Alkoholismus heraus.

Tracys von David Goodis beeinflusste Noir-Romane kreisen um Rassenhass, Alkoholabhängigkeit und die sozialen Auswirkungen der grossen Wirtschaftskrise. Die Criss-Cross-Verfilmung durch Robert Siodmak mit einem eindurcksvollen Burt Lancaster in der Hauptrolle kam 1949 in die Kinos.

Auf Deutsch gibt es ‚Der grosse Hass‘, einen meisterhaft gestalteten, in der Kleinstadt Tangerine County, Florida, zu Beginn der 1960er-Jahre – der Zeit der Rassentrennung – spielenden Roman. Sheriff Henry Taggart, der vor einiger Zeit den Klu-Klux-Klan aus der Stadt vertrieben hat, versucht für Recht und Ordnung zu sorgen, doch Angst vor einem Aufstand der Schwarzen lähmt die Weissen – geschürt durch eine dubiose, durch einen General namens Edmund Ruffin MacWhalen ins Leben gerufene Organisation. Als die junge Schwarze Coralee nackt neben dem erschossenen (glücklich verheirateten und als integer geltenden) Staatsanwalt Jack Taggart, dem Neffen des Sheriffs, aufgefunden wird, soll sie möglichst schnell verurteilt und hingerichtet werden. Dies ist die Situation in Tangerine County, als der Ich-Erzähler Frank Coombs nach acht Jahren Abwesenheit in seine Heimatstadt zurückkehrt – als gescheiterte Existenz.  Der Spross einer angesehenen Familie war ein erfolgreicher Rechtsanwalt, bis er zu trinken begann, von seiner Frau Blanche verlassen wurde und einen Grossteil seines Vermögens beim Glücksspiel verlor. Inzwischen sind Coombs‘ Finanzen durch seinen Ex-Partner Bill Carter ins Reine gebracht worden, ein Check liegt abholbereit in der Kanzlei. Kaum in Tangerine County angekommen, begegnet Coombs seiner alten Nanny Hattie May, die ihn anfleht, ihre Tochter, Coralee, zu vertreten – ein Auftrag, den Coombs nicht ablehnen kann. Er entsagt dem Schnaps, beginnt zu ermitteln, stösst auf eine Mauer der Ablehnung und des Hasses und wird brutal zusammengeschlagen, während der seit Jahren schwelende Rassenkonflikt zu eskalieren droht.

In knappem Stil, mit scharfem Blick für Haupt- und Nebenfiguren erzählt Don Tracy seine ganz ohne Schwarz-Weiss-Malerei und reisserische Szenen auskommende, mit eindrucksvollen Milieuschilderungen aufwartende Geschichte, in der kaum einer der Beteiligten eine reine Weste hat.

Bibliografie:

‚Criss-cross‘ (1934), ‚Last Year’s Snow‘ (1937), ‚How Sleeps the Beast'(1937), ‚The Cheat‘ (1951), ‚Streets of Askelon‘ (auch unter dem Titel ‚Strumpet City‘, 1951), ‚Too Many Girls‘ (1958), ‚No Trespassing‘ (1961), ‚The Hated One‘ – ‚Der grosse Hass‘ (1963), ‚The Big Brass Ring‘ (1963), ‚Bazzaris‘ (1965), ‚The Last Boat out of Cincinnati‘ (1970), ‚A Corpse Can Sure Louse up a Weekend‘ – ‚Der Mord zum Sonntag‘ (1973), ‚Honk if You’ve Found Jesus‘ (1974);

Giff Speer-Serie: ‚Deadly to Bed‘ (1960), ‚Naked She Died‘ (1962), ‚Fun and Deadly Games‘ (1968), ‚Look Down on her Dying‘ (1968), ‚Pot of Trouble‘ (1971), ‚Flats Fixed, Among Other Things‘ (1975), ‚The Big X‘ (1976), ‚Death Calling Collect‘ (1976), ‚High, Wide & Ransom‘ (1976).