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Milne, John

(1952-2022; schrieb auch als Tom Bowling)

John Milne wurde im schäbigen Londoner Stadtteil Bermondsey als Sohn eines Dockarbeiters geboren und wuchs auch dort auf. Mit sechzehn Jahren verliess er die Schule und arbeitete als Fabrikarbeiter, Busfahrer und Streifenpolizist, bevor er ein Malereistudium an der Chelsea Art School und der Ravensbourne Art School absolvierte. Später machte er als Krimiautor und Verfasser von Drehbüchern für die TV-Serien ‚Lovejoy‘, ‚The Bill‘, ‚Taggart, ‚Bergerac‘, ‚Holby City‘, ‚Pie in the Sky‘ und ‚Silent Witness‘ von sich reden.

Mitte der 80er-Jahre zog er mit seiner Frau Sarah, einer bekannten Kunstmalerin, und den beiden kleinen Söhnen in in die Bretagne, wo die Familie während über zehn Jahren ein Haus bei Mont-Saint-Michel bewohnte. In der zweiten Hälfte der 90er kehrte er nach England zurück, nach Bradwell-on-Sea an der Küste von Essex. Ab 2007 unterrichtete er Englisch und Kreatives Schreiben an der Sheffield Hallam University. Im Mai 2022 erlag er 69-jährig einer Krebserkrankung, bevor er seine historische Schfffahrt-Trilogie beenden konnte. Er hinterliess seine Frau Sarah und seine zwei Söhne.

1986 brachte Milne Jim Jenner als Hauptfigur einer vierteiligen Reihe in die Kriminalliteratur. Jim Jenner, dessen Polizeikarriere jäh zu Ende ging, als eine Bombe ihm ein Bein zerriss, wurstelt sich seit diesem Unglück als Privatdetektiv im Londoner East End durchs Leben. In ‚Tote Vögel‘ bekommt er den Auftrag, auf die schöne Frau des Boxmanagers George Duncan aufzupassen, dessen Geschäfte in unheiliger Weise mit der Mafia verstrickt sind. Als sein Schützling am nächsten Morgen tot aufgefunden wird, ist Jenner der Hauptverdächtige.

‚Nicht tot zu kriegen‘ sieht einen Jim Jenner, der so tief gesunken ist, dass er sich – entgegen seinen Prinzipien – auf einen scheinbar banalen Scheidungsfall einlässt. Doch dann wird er Zeuge eines Mordanschlags, der möglicherweise ihm selbst gegolten hat. Als kurz danach der von Jenner observierte Mann und der Gangster Mickey de Witt unfreiwillig den Löffel abgeben, werden Erinnerungen an eine über dreissig Jahre zurückliegende Tragödie wach: Jims grosser Bruder Joe war damals als Mitglied der Gangsterbande um Tommy Slaughter und Mickey de Witt ums Leben gekommen. Bei Dauerregen kämpft sich Jenner durch den aufwühlenden Fall – und macht am Schluss eine schier unglaubliche Entdeckung.

John Milne, einer der originellsten Autoren von Privatdetektivromanen der neueren Zeit, erzählt seine harten und schnellen, sprachlich brillanten Geschichten mit viel trockenem Humor. Sein für 2007 angekündigter Standalone ‚Dead Right‘ ist höchst wahrscheinlich nicht erschienen.

Bibliografie:

Jim Jenner-Serie: ‚Dead Birds‘ – ‚Tote Vögel‘ (1986), ‚The Moody Man‘ (auch unter dem Titel ‚Shadow Play‘) – ‚Schattenspiele‘ (1987), ‚Daddy’s Girl‘ (1988), ‚Alive and Kicking‘ – ‚Nicht tot zu kriegen‘ (1998);

Einzelwerke: ‚Tyro‘ (1982), ‚London Fields‘ (1984), ‚Out of the Blue‘ (1985).

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