(Pseudonym für Jean Roger Eric Gaytérou, 1930-2015)
Geboren und aufgewachsen in Paris, wurde Eric Jourdan wegen unverschämten Betragens und homoerotischer Eskapaden von unzähligen Schulen verwiesen. Er scheute die Öffentlichkeit, wechselte mehrmals seine Identität und schrieb unter verschiedenen Namen. Sein Lebenslauf ist weitgehend unbekannt, manche Daten sind widersprüchlich, und auch das Geburtsjahr ist nicht über alle Zweifel erhaben.
Mitte der 50er-Jahre wurde Jourdan von dem berühmten homosexuellen (1900 geborenen) Romancier Julian (Julien) Green adoptiert, mit dem er sich – jetzt unter dem offiziellen Namen Jean-Eric Green – bis zu dessen Tod im Jahr 1998 in Paris eine Wohnung teilte. Die beiden langjährigen Lebensgefährten sind in einem gemeinsamen Grab in der St. Egidius-Kapelle in Klagenfurt beigesetzt.
Jourdans Werk umfasst Theaterstücke, Erinnerungen, Erzählungen, Gedichte und Romane, unter ihnen ‚Les mauvaises anges‘ (‚Schlimme Engel‘), der nach dem Erscheinen 1955 als jugendgefährdend verboten wurde, und der Spannungsroman ‚Charité‘ (‚Das Brot der Liebe‘). Während seine Werke in Frankreich weitgehend ignoriert wurden, sorgten sie im angloamerikanischen Raum immer wieder für Aufsehen.
‚Das Brot der Liebe‘, der erste Teil der Trilogie ‚Charité’, ‚Révolte’ und ‚Sang’, kreist um Verrat und Gewalt, Menschlichkeit und Liebe und um die Mechanismen totalitärer Machtausübung. Im Mittelpunkt steht der 22-jährige Student Ian, der von einer anonymen Truppe aus den Armen seiner Geliebten Cathérine gerissen und in das Lager Null, die von einem sadistischen Kommandanten geleitete Vollzugsanstalt einer namenlosen Militärdiktatur, verschleppt wird. Das Arbeitslager zählt stets etwa 300 Häftlinge, viele sterben an Infektionskrankheiten, und nach jeweils einem Jahr werden die Überlebenden exekutiert, um Platz für Neuankömmlinge zu schaffen. In der Nacht vor seiner Hinrichtung gelingt Ian die Flucht. Er schlüpft in die Haut eines sterbenden Eremiten, verbringt in dessen Hütte die eisigen, stürmischen Wintermonate, gequält von Angstzuständen, Einsamkeit und sexuellen Fantasien. Im Frühjahr setzt er seine Flucht fort – es beginnt eine Odyssee durch unbewohnte Gegenden, während sich der junge Soldat Andrei, Ians ehemaliger Gefängniswächter, der inzwischen dessen Stelle bei Cathérine eingenommen hat, auf die Jagd nach ihm begibt. ‚Das Brot der Liebe‘: Ein verstörendes, mit poetischen Naturschilderung gespicktes Meisterwerk, das in keine Schublade passt.
Bibliografie:
‚Charité’ – ‚Das Brot der Liebe‘ (1985).
