Website-Icon Krimiautoren von Abel bis Zeltserman

Whish-Wilson, David

(*1966)

Geboren in Newcastle, New South Wales, aufgewachsen in Singapur, Victoria und dem Bundesstaat Western Australia, zog David Whish-Wilson zehn Jahre durch Europa, Afrika und Asien und arbeitete unter anderem als Barkeeper, Schauspieler, Strassenverkäufer, Lehrer, Gärtner und Kammerjäger, bis er in seine australische Heimat zurückkehrte, wo er Schreibprogramme in Gefängnissen aufbaute. Heute lebt er mit seiner fünfköpfigen Familie in der Küstenstadt Fremantle bei Perth, der Hauptstadt von Western Australia, unterrichtet kreatives Schreiben an der Curtin University und schreibt in seiner Freizeit Romane, Sachbücher, Kurzgeschichten, Essays und akademische Artikel. Auf Deutsch ist die grandiose Frank Swann-Trilogie bei Suhrkamp erschienen, herausgegeben von Thomas Wörtche, ausgezeichnet übersetzt von Sven Koch.

Superintendent Frank Swann aus Perth, mit der warmherzigen, klugen Marion verheirateter Vater von drei Töchtern im Teenageralter, ist eine facettenreiche Figur: ein knallharter, unbeugsamer, durch eine schwierige Jugend als Gelegenheitskrimineller und Stiefsohn eines gewalttätigen Säufers geprägter Polizist, der sich mit seiner kompromisslosen Art bei den meisten Kollegen und Vorgesetzten höchst unbeliebt gemacht hat. Swann steht im Zentrum von drei düsteren, in realistischem, unaufgeregtem Stil erzählten Thrillern, die sich durch ausgeklügelte Plots und scharf gezeichnete Personen auszeichnen. Eine wichtige Rolle spielt auch die Metropole Perth – die „einsamste Grossstadt der Welt“ -, die Whish-Wilson als Hort der Niedertracht, Habgier und Heuchelei bezeichnet.

Der erste Band, ‚Die Ratten von Perth‘, bezieht sich auf einen historisch verbürgten Cold Case, der sich im Sommer 1975 zugetragen hat: die Ermordung von Shirley Finn, der gut vernetzten Besitzerin eines Luxusbordells in Perth. Das gleiche Schicksal ereilt in Whish-Wilsons Buch die angesehene Puffmutter Ruby Devine, die Frank Swann von früher her kennt. Für ihn ist klar, dass sein habgieriger und rücksichtsloser Rivale Detective Inspector Donald Casey, aber auch hochrangige Bullen und Politiker die Hände im Spiel haben. Im Verlauf seiner Ermittlungen, unterstützt von Terry Accardi, einem der wenigen Cops, die noch zu ihm halten, und dem reichen, über ein weitverzweigtes Netz an Informanten verfügenden Ex-Anwalt Reggie Mansell, sticht Frank Swann in ein Wespennest. Es kommt zu weiteren Morden, er selbst wird brutal zusammengeschlagen, sein Leben hängt an einem seidenen Faden. Erschwerend kommt hinzu, dass seine älteste Tochter Louise verschwand, kurz nachdem sie angeblich zusammen mit dem Mordopfer gesehen worden war.

‚Die Gruben von Perth‘ spielt 1979, vier Jahre nach den in ‚Die Ratten von Perth‘ beschriebenen Geschehnissen, die dazu führten, dass Frank Swann den Polizeidienst aufgeben musste und sich als Detektiv selbstständig machte. Sein aktueller Job – die Klärung des Suizids des weltberühmten Geologen Max Henderson im Auftrag von dessen Gattin – weitet sich aus zu einem gigantischen Schwindel mit Schürfrechten im Bergbau, der eine Explosion des Goldpreises auslösen könnte – das Projekt „Rosa Gold“. Darin verwickelt sind die Mafia, korrupte und gewalttätige Cops, und auch Max Henderson war eine wichtige Figur des ambitionierten Vorhabens. Zwischen den Fronten: Frank Swann, der einzig auf seinen jungen, integren Ex-Kollegen Terry Accardi und auf Gus Riley, Anführer der Nongs, der berüchtigtsten Bikergang Perths, zählen kann.

Perth, Anfang der 80er-Jahre: Swann soll „Probleme lösen“ für den neuen Premierminister von Western Australia. Im riesigen australischen Bundesstaat sind in letzter Zeit fast alle Gangster von Drogenhandel und Glücksspiel auf Wirtschaftskriminalität umgestiegen, worauf die Stadt zunehmend in die Hände von Immobilienspekulanten, korrupten Staatsbeamten, lokalen Bikerbanden und süditalienischen, albanischen und indigenen Clans geriet. Eine zentrale Rolle hat Benjamin Hogan, der bestechliche, über Leichen gehende Leiter des Criminal Investigation Branch (CIB), mit dem Frank noch eine alte Rechnung offen hat. Stein des Anstosses ist der geplante Bau eines staatlichen Casinos, ein Grossprojekt, das zum Untergang der unzähligen illegalen Spielclubs führen würde. Hin- und hergerissen zwischen Pflichtgefühl, Gerechtigkeitssinn und Angst um seine Familie nimmt Swann den hochriskanten Auftrag an und greift mit gesunder Härte durch. ‚Das grosse Aufräumen‘: ein würdiger Abschluss der Frank-Swann-Trilogie.

Bibliografie:

Frank Swann-Trilogie: ‚Line of Sight‘ – ‚Die Ratten von Perth‘ (2010), ‚Zero at the Bone‘ – ‚Die Gruben von Perth‘ (2013), ‚Old Stores‘ – ‚Das grosse Aufräumen‘ (2016, ‚Store Leave‘ (2020);

True West-Romane: ‚True West‘ (2019), ‚I Am Already Dead‘ (2023);

Einzelwerke: ‚The Summons‘ (2006), ‚Coves‘ (2018), ‚The Sawdust House‘ (2022), ‚Cutler‘ (2024), ‚Keefe‘ (2025), ‚Free World‘ (2026).

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